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25.05.2011

06:37 Uhr

Auslands-Investitionen

Messen verlieren ihr Geschäft aus dem Auge

VonJens Koenen, Regine Palm

Eigentlich sollten Messegesellschaften ihr Umland fördern. Doch viele investieren im Ausland und in der Heimat wächst unterdessen die Sorge, dass sie dabei ihre ursprüngliche Aufgabe aus dem Auge verlieren.

Die Leipziger Messe will nach Osteuropa expandieren. Quelle: dapd

Die Leipziger Messe will nach Osteuropa expandieren.

Frankfurt/DüsseldorfSie sind ins Leben gerufen worden, um die regionale Wirtschaft zu fördern. Bis heute haben viele deutsche Messegesellschaften diese Aufgabe im Pflichtenheft stehen. Doch das Geschäft ist längst international. Viele sind im Ausland, zum Teil gar mit eigenen Flächen und Hallen.

Die Globalisierung treibt die Gesellschaften in immer neue Winkel der Erde. In der Heimat wächst unterdessen die Sorge, dass sie dabei ihre ursprüngliche Aufgabe – die Regionalförderung – aus dem Auge verlieren. Kritiker finden das besonders ärgerlich, wenn Messen Zuschüsse aus Steuergeldern bekommen. Nur die Gesellschaften Frankfurt und Düsseldorf sind derzeit profitabel, alle anderen brauchen Unterstützung vom Land und von den Kommunen. In Zeiten knapper Kassen ist das dem Wähler immer schwerer zu vermitteln. Erst recht, wenn das Geld nicht in der Region bleibt, sondern zum Aufbau des Auslandsgeschäfts genutzt wird.

Nicht ohne Grund versuchen die Messechefs deshalb, den Verdacht auszuräumen und zugleich ihre Wachstumsstrategie zu verteidigen. „Eine höhere Präsenz im Ausland hat einen direkten Einfluss auf das Kerngeschäft“, sagt etwa Bernd A. Diederichs, Geschäftsführer der NürnbergMesse. In den vergangenen zehn Jahren sei das Wachstum am Standort Nürnberg vor allem aus dem Ausland gekommen. Wichtig sei aber, räumt Diederichs ein, „dass sich das Auslandsgeschäft mindestens selbst trägt“. Sonst könnten die Messeunternehmen schnell in den Ruf geraten, Steuergelder zu verschwenden.

Auch andernorts verweist man darauf, dass das Auslandsgeschäft profitabel sei. „Sind wir mit einer Messe im Ausland stark, wird dort auch die Marke stärker“, sagt Wolfram von Fritsch, Chef der Deutschen Messe in Hannover. Er registriere einen positiven Effekt bei Aussteller- und Besucherzahlen aus dem jeweiligen Land. Sein Kollege Wolfgang Marzin von der Messe Frankfurt glaubt sogar, dass selbst Messegesellschaften, die Verluste schreiben, über sogenannte „Umwegrenditen“ für ihren Standort noch rentabel sein könnten.

Die Argumentation ist bekannt, aber umstritten. Danach profitieren die Regionen etwa von Übernachtungen, Bewirtungen und Taxifahrten der Gäste. Gerade hier zahlt sich die Internationalität nach Ansicht von Werner Dornscheidt, Chef der Messe Düsseldorf, aus: „Ausländische Besucher bleiben länger, sonst lohnt die ganze Anreise nicht.“ Den Kommunen und zum Teil den Bundesländern fließen so Steuergelder zu. Zudem sind die Messegesellschaften ein wichtiger Arbeitgeber.

Doch seit Jahren zweifeln Wissenschaftler wie Richard K. von Weizsäcker von der TU München solche Rechnungen an. Sie glauben, dass die Kosten der Messe nicht durch den Nutzen der „Umwegrenditen“ aufgewogen werden.

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