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19.06.2012

17:55 Uhr

Auslandstochter

Zukunft von Schlecker auch in Österreich unsicher

Nach dem Aus für Schlecker in Deutschland steht die Drogeriemarkt-Kette auch in Österreich auf der Kippe. Fast 1000 Märkte müssten schließen. Schlecker hingegen spricht von vielversprechenden Gesprächen mit Investoren.

Ausverkauf in einer deutschen Schlecker-Filiale. dpa

Ausverkauf in einer deutschen Schlecker-Filiale.

DüsseldorfAuch die Österreich-Tochter der insolventen Drogeriemarkt-Kette Schlecker steht vor der Pleite. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz habe bislang keinen strategischen Investor gefunden, berichtet das „Manager Magazin“ in einer Vorabmeldung. Das Magazin beruft sich auf Angaben von mit dem Verfahren vertrauten Personen.

Damit stehen 900 Schlecker-Filialen in Österreich vor dem Aus. Die Auslandstochter habe als alleinstehendes Unternehmen keine Überlebenschance mehr, da sie in hohem Maße von Schlecker in Deutschland abhängig sei, heißt es in der Meldung. Lediglich ein Finanzinvestor habe noch Interesse, Teile der österreichischen Märkte zu übernehmen.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Der Anwalt von Schlecker-Österreich bezeichnete die Meldung als „Ente“. Die ersten Gespräche mit Investoren hätten vielversprechend begonnen. Von einer unmittelbar bevorstehenden Insolvenz könne keine Rede sein. Klar sei allerdings, dass die Verhandlungen längere Zeit in Anspruch nehmen würden. Neben ungenannten internationalen Investoren prüften auch zwei österreichische Interessenten eine mögliche Übernahme.

In inhaltliche Verhandlungen sei man noch nicht eingetreten, da die notwendigen Dokumente von der beauftragten Bank in Deutschland den Investoren noch nicht zur Prüfung vorgelegt worden seien. Eine Entscheidung werde voraussichtlich in den nächsten Wochen fallen. „Nach meinem Dafürhalten ist Schlecker Österreich ein gesundes Unternehmen. Den Kern könnte man gesund weiter führen“, sagte der Firmenanwalt.

Vor einer Woche hatte die mittelständische MTH-Handelsgruppe aus Guntramsdorf bei Wien Interesse am österreichischen Schlecker-Teils signalisiert. Ob sie noch interessiert ist, ist momentan unklar. In den 900 Märkten arbeiten etwa 3000 Beschäftigte. Die letzten verfügbaren Daten (2010) weisen einen Umsatz von 450 Millionen Euro aus.

Im Unterschied zum Mutterkonzern in Deutschland hat die Österreich-Tochter noch keine Insolvenz anmelden müssen. Schlecker hat in der Alpenrepublik vor allem auf dem Land eine vergleichsweise starke Position und ist in vielen kleinen Dörfern vertreten. Die Schlecker-Märkte haben dort zum Teil die Nahversorgung übernommen, nachdem sich kleinere Lebensmittelgeschäfte zurückgezogen hatten.

MTH hält etwa ein Drittel der Läden für überlebensfähig. Auch in Österreich sei eine Zerschlagung der Schlecker-Gruppe unvermeidlich. Einzelne Standorte könnten für Textilketten sowie für die Lebensmittelhändler Spar oder Rewe interessant sein. Die MTH-Gruppe hat sich darauf spezialisiert, Handelsunternehmen aus der Insolvenz zu übernehmen und kommt mit 4400 Beschäftigten und 650 Filialen auf einen Jahresumsatz von 500 Millionen Euro.

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