Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.02.2013

13:49 Uhr

Australische Airline

Qantas kassiert dank Dreamliner-Verzögerung

Die australische Airline Qantas hat von den Verzögerungen bei der Auslieferung des Boeing-Dreamliners profitiert. Boeing zahlt mehr als 100 Millionen Schadenersatz.

Ein Qantas-Flugzeug setzt zur Landung an. Die Airline bekommt wegen der Verzögerung des Dreamliners Schadenersatz. AP/dpa

Ein Qantas-Flugzeug setzt zur Landung an. Die Airline bekommt wegen der Verzögerung des Dreamliners Schadenersatz.

SydneyDie australische Fluggesellschaft Qantas kann aus der verspäteten Auslieferung des Boeing -Langstreckenjets 787 Dreamliner Profit schlagen. Weil der US-Konzern eine Entschädigung von 125 Millionen Australischen Dollar zahlte, stieg das Qantas-Vorsteuerergebnis im zweiten Halbjahr 2012 um über zehn Prozent auf 223 Millionen Australische Dollar (172 Millionen Euro).

Auf die Zahlungen hatten sich die Unternehmen noch vor den aktuellen Problemen mit Akkus an Bord der Dreamliner geeinigt. Boeing hat ohnehin schon mit Verzögerungen bei dem Projekt zu kämpfen. Im Rahmen eines Sparprogrammes hatte Qantas im vergangenen Jahr eine Bestellung von 35 der Maschinen storniert. Für die Tochtergesellschaft Jetstar will das Unternehmen aber 14 Dreamliner anschaffen. Zudem gibt es die Option zum Kauf von 50 weiteren 787.

Boeing will am Freitag konkrete Vorschläge zur Behebung der Sicherheitsprobleme bei seinem Prestigeflieger vorlegen. Bei einem Spitzentreffen mit der Luftverkehrsbehörde FAA wolle das Unternehmen Lösungen für die Schwierigkeiten mit den Lithium-Ionen-Batterien vorstellen, sagte eine mit den Plänen vertraute Person. Geplant seien Gespräche des Boeing-Verkehrsflugzeug-Chefs Ray Conner mit FAA-Leiter Michael Huerta.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Die Vorschläge seien bereits auf Arbeitsebene von Regierungsvertretern geprüft worden. Sollten Huerta und Verkehrsminister Ray LaHood sich auf sie verständigen, wäre damit eine Grundlage geschaffen, dass die Dreamliner im April wieder starten dürfen, sagte der Insider.

Bereits zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters von einer anderen mit der Situation vertrauten Person erfahren, dass Boeing in den Batterien die Lücken zwischen den einzelnen Zellen vergrößern wolle. Der fehlende Platz sei wohl der Grund für die Überhitzung gewesen. Den 50 Langstreckenfliegern vom Typ 787 Dreamliner, die weltweit in Betrieb sind, war im vergangenen Monat nach einer Pannenserie - darunter ein Feuer an Bord einer parkenden Maschine - die Starterlaubnis entzogen worden.

Seitdem liefert Boeing keine Dreamliner mehr aus. Als Konsequenz aus den Pannen verzichtet der europäische Boeing-Konkurrent Airbus bei seinem neuen Modell A350 auf den Einsatz der modernen Lithium-Ionen-Technologie.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×