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30.06.2014

15:34 Uhr

Automobilclub

Die Deutschen lassen den ADAC davonkommen

VonCornelia Knust

Transparenter wollte man sein, Reformen angehen. Das Zwischenergebnis der Neuausrichtung des ADAC ist jedoch überschaubar. Der Autoclub legt noch nicht einmal eine Bilanz vor, obwohl er genau dazu geladen hatte.

„Das 20-Millionen-Mitgliederziel für 2020 ist gestrichen“: Der Automobilclub ADAC hat ein paar Mitglieder verloren, inzwischen haben sich die Zahlen aber wieder normalisiert.

„Das 20-Millionen-Mitgliederziel für 2020 ist gestrichen“: Der Automobilclub ADAC hat ein paar Mitglieder verloren, inzwischen haben sich die Zahlen aber wieder normalisiert.

MünchenDas, was August Markl, kommissarischer ADAC-Präsident, am Montag bei der ersten Bilanzpressekonferenz des ADAC nach dem großen Skandal um gefälschte Ergebnisse bei der Wahl zum „Goldenen Engel" verkünden konnte, war überschaubar. Die Regionalgesellschaften sollen nun nicht länger „Gaue“ heißen und der ADAC soll künftig nicht mehr gleichzeitig Kindersitze auf Tauglichkeit testen und selbst welche in den eigenen Läden verkaufen. Das war dann auch schon alles, was Markl zu den Ergebnissen der Neuausrichtung des ADAC zu berichten hatte.

Und ob die Entwicklung der Mitgliederzahlen den Automobilclub zu mehr Reformen drängen wird, dürfte fraglich sein. Denn der ADAC hatte Ende Mai nach eigenen Angaben 18,93 Millionen Mitglieder – fast genauso viele wie Ende 2013, also bevor im Januar 2014 diverse Skandale um gefälschte Rankings, getürkte Preisverleihungen und interne Vetternwirtschaft die Organisation in die Krise stürzten und er gleichzeitig auch noch die Beiträge erhöhte. 320.000 Mitglieder hätten wegen verlorenen Vertrauens die Mitgliedschaft gekündigt, berichtete Markl, doch sei der Trend seit Februar rückläufig. Zum Hintergrund: In den vergangenen Jahren hatte der ADAC pro Jahr stets rund 500.000 neue Mitglieder dazu gewonnen.

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Immerhin: „Das 20-Millionen-Mitgliederziel für 2020 ist gestrichen“. Auf Nachfrage kassierte Markl die ehrgeizige Forderung seines Vorgängers Peter Meyer. Nicht großartig, ehrgeizig und wachstumsorientiert wie ein Konzern will der Automobilclub nun sein, sondern wieder ein richtiger Verein mit Hilfe, Schutz und Rat für die Mitglieder - so der Tenor der heutigen „Bilanzpressekonferenz“ im schicken Konzernhochhaus in München.

Alles steht angeblich auf dem Prüfstand: das eigene, widersprüchliche Produktportfolio, die bislang uneinheitliche Rechnungslegung der Regionalgesellschaften, sogar die Mitspracherechte des gemeinen Clubmitglieds, das bisher nur Delegierte wählen darf, die wiederum über Führung und Geschäftsgebaren des Gesamtgebildes entscheiden.

Im Dezember dieses Jahres soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Reformen abgestimmt werden. Man darf daran zweifeln, dass sich die Delegierten dazu durchringen können werden, ihre eigene Macht und ihren Zustand unbeobachteten Wirtschaftens zu beschneiden. Dass eine große Wirtschaftskanzlei mit der Erarbeitung von Richtlinien für ordentliche Unternehmensführung beauftragt ist, heißt ja noch nicht, dass man sich ihnen auch unterwerfen wird.

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