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14.08.2014

19:38 Uhr

Bad Münstereifel

Wenn die Innenstadt zum Outlet wird

VonBenjamin Esche

Erstmals wird eine komplette Innenstadt zu einem Outlet-Center. Der Ex-Kurort Bad Münstereifel macht aus seinem historischen Ortskern eine Einkaufsmeile mit knapp 30 Markengeschäften. Ein Zukunftsmodell?

Kaufen statt Kuren

Bad Münstereifel wird zum Outlet

Kaufen statt Kuren: Bad Münstereifel wird zum Outlet

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Bad MünstereifelVor nicht allzu langer Zeit waren es vor allem Kurgäste, die in Bad Münstereifel zwischen malerischen Fachwerk-Fassaden, einer Stadtmauer und einem Flüsschen Erholung suchten. Diese Bilderbuch-Kulisse soll ab Donnerstag Schnäppchenjäger und Shoppingbegeisterte in das kleine Städtchen im Süden von Nordrhein-Westfalen locken. Denn in Heinos beschaulicher Heimatstadt öffnet das erste innerstädtische Outlet-Center Deutschlands. Entlang der 800 Meter langen Fußgängerzone wechseln sich die Läden alteingesessener Einzelhändler mit neuen modernen Outletshops ab. 

Der örtliche Juwelier bietet also weiter seinen Schmuck an und auch der traditionelle Printenbäcker ist nach wie vor präsent. In direkter Nachbarschaft verkaufen Markenartikelhersteller wie Puma, Esprit oder Tom Tailor ihre Ware zum Outletpreis – das Ganze auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern. Die Artikel sind dabei 30 bis 70 Prozent günstiger als im regulären Einzelhandel.

Größte Einzelhändler weltweit (Umsatz 2012)

Platz 10

Best Buy (USA)

Die US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota, sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2012 betrug 50,7 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2012 über einen Umsatz von 71,6 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 74,8 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit beschäftigen die Briten 520.000 Mitarbeiter und machten 2012 einen Umsatz in Höhe von 83,5 Milliarden Dollar. Das US-Geschäft mit 5.000 Beschäftigen will Tesco abstoßen.

Platz 6

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 87,8 Milliarden Dollar im Jahr 2012 ebenfalls einen Spitzenplatz, auch wenn das Unternehmen mit Schwierigkeiten kämpft.

Platz 5

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2012 setzte der Lebensmittelhändler 96,8 Milliarden Dollar um.

Platz 4

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 99,1 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2012 gigantisch aus.

Platz 3

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit fast 500.000 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2011 einen Umsatz von 104 Milliarden Dollar.

Platz 2

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Der Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2012 rund 123 Milliarden Dollar um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 443,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2012 um - bei einem Gewinn von 15,7 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als zwei Millionen Mitarbeiter.

Quelle: Eigene Recherche.

Betreiber des Outlets ist das österreichische Unternehmen Retail Outlet Shopping (ROS), das insgesamt vier Standorte im deutschsprachigen Raum betreut. „Es ist das erste Mal, dass eine historisch gewachsene Stadt und ein modernes Handelskonzept zusammengeführt werden“, sagt ROS-Geschäftsführer Thomas Reichenauer. Die Investitionssumme belaufe sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Der Outlet-Manager baut derartige Einkaufsziele normalerweise mitten auf die grüne Wiese, um dann diese Gebäude künstlich zu verzieren und zu gestalten. In Bad Münstereifel, das mit 15 Prozent Leerständen in der Innenstadt dringend auf neue Belebung angewiesen war, gab es diese Immobilien bereits. „Durch das Engagement der Investoren konnte die Bausubstanz der historischen Gebäude erhalten und verbessert werden“, sagt Reichenauer: „Der Charakter der Stadt bleibt erhalten.“

„Das ist eine Sackgasse“

Doch nicht jeder in der kleinen Eifelstadt ist von dem Projekt überzeugt. „Das ist eine Sackgasse“, findet Norbert Heckelei von der Bürgerinitiative für nachhaltige Stadtentwicklung. „Man hat wertvollsten städtischen Grund zum Grünlandpreis verschenkt.“ Die Initiative befürchtet, dass niemand mehr in der Innenstadt wohnen möchte und die Investoren schnell den Rückzug antreten könnten.

Auch Malerin Annelie Fleischer war zuerst skeptisch. Mittlerweile hat die Inhaberin eines kleinen Ateliers in der Innenstadt von Bad Münstereifel aber ihre Einstellung geändert: „Erst war ich dagegen“, sagt sie. „Jetzt bin ich dafür und hoffe auf viele neue Kunden“, erzählt die Frau, die mitten im Stadtkern wohnt.

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