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26.09.2013

10:29 Uhr

Badausstatter geht an Japaner

Die Heuschrecken ziehen bei Grohe weiter

Die Diskussion über vermeintlich gierige Finanzinvestoren hatte sich vor Jahren am Armaturenhersteller Grohe aufgeschaukelt. Die Eigentümer stoßen das Unternehmen jetzt komplett ab – und können Milliarden verbuchen.

Wasserhähne von Grohe: Die Firma war jahrelang im Besitz von Finanzinvestoren, jetzt steigt ein Industrieunternehmen ein. dpa

Wasserhähne von Grohe: Die Firma war jahrelang im Besitz von Finanzinvestoren, jetzt steigt ein Industrieunternehmen ein.

TokioNach monatelanger Brautschau hat bei Europas größtem Badezimmer-Ausrüster Grohe der japanische Konkurrent Lixil das Rennen gemacht. Die Finanzinvestoren TPG und DLJ Merchant Banking Partners verkaufen ihre 87,5-prozentige Beteiligung an dem Traditionsunternehmen aus dem sauerländischen Hemer. Die Übernahme werde voraussichtlich im ersten Quartal 2014 über die Bühne gehen. Mit einem Unternehmenswert von rund drei Milliarden Euro sei dies die größte jemals getätigte Investition eines japanischen Unternehmens in Deutschland.

Zusammen werden die beiden Firmen zum Brancheprimus mit einem Jahresumsatz im Sanitärgeschäft von mehr als vier Milliarden Euro. Grohe und die Tochter Joyou blieben innerhalb des japanischen Konzerns eigenständig. Zudem bliebe die Unternehmensleitung unverändert. Firmenchef David Haines habe einen neuen Vertrag mit einer fünf-jährigen Laufzeit unterzeichnet.

„Lixil ist für Grohe und Joyou der perfekte Partner“, ist sich Haines sicher. Die Firma sei derzeit weltweit führend in der Baustoffindustrie und in der Wohngebäudeausstattung. Gerade für Joyou werde diese neue Partnerschaft besonders viele Vorteile bringen. Zudem könne die Marke Grohe so im asiatischen Raum besser Fuß fassen.

Größte japanische Firmenkäufe in Deutschland

Platz 10

Käufer: Kommunikationskonzern NTT
Ziel: Cirqunet GmbH
Jahr: 2008
Volumen: 226 Millionen Dollar
Quelle: Reuters

Platz 9

Käufer: Daiichi Sankyo
Ziel: U3 Pharma AG
Jahr: 2008
Volumen: 234 Millionen Dollar

Platz 8

Käufer: Nikkiso
Ziel: LEWA GmbH
Jahr: 2009
Volumen: 242 Millionen Dollar

Platz 7

Käufer: Mori Seiki
Ziel: Gildemeister
Jahr: 2011-2013
Volumen: 316 Millionen Dollar

Platz 6

Käufer: Mitsubishi
Ziel: TenneT Holding
Jahr: 2012
Volumen: 318 Millionen Dollar

Platz 5

Käufer: Meiji Yasuda Life Insurance
Ziel: Talanx (Beteiligung)
Jahr: 2010
Volumen: 427 Millionen Dollar

Platz 4

Käufer: Mitsui Chemicals
Ziel: Heraeus-Dental
Jahr: 2013
Volumen: 582 Millionen Dollar

Platz 3

Käufer: Nisshinbo Holdings
Ziel: TMD Friction
Jahr: 2011
Volumen: 595 Millionen Dollar

Platz 2

Käufer: TDK
Ziel: Epcos
Jahr: 2008
Volumen: 1,75 Milliarden Dollar

Platz 1

Käufer: Lixil
Ziel: Grohe (87,5 Prozent)
Jahr: 2013
Volumen: gesamter Firmenwert ca. vier Milliarden Dollar / drei Milliarden Euro

Mit dem Deal ist ein Börsengang von Grohe vom Tisch sein. Die bisherigen Eigentümer, die Finanzinvestoren TPG Capital und Credit Suisse, hatten zuletzt eine Doppel-Strategie verfolgt und dabei auch einen Börsengang ins Spiel gebracht. Mit dem Vorantreiben der Pläne wollten die Eigner den Druck auf Lixil erhöhen, mehr Geld auf den Tisch zu legen.

Der Poker ging aber offenbar begrenzt auf. So hatten die Japaner Finanzkreisen zufolge zuletzt rund drei Milliarden Euro geboten, die Eigentümer hatten ursprünglich auf bis zu vier Milliarden Euro gehofft. Der Verkauf an einen Wettbewerber hat für die Finanzinvestoren den Charme, das Unternehmen auf einen Schlag fast komplett loszuwerden.

TPG hatte 2004 für Grohe 1,5 Milliarden Euro bezahlt. Ihre Umstrukturierungsmaßnahmen lösten wenig später die „Heuschreckendebatte“ um die Rolle von Finanzinvestoren in der deutschen Wirtschaft aus. Heute gilt Grohe allerdings als ein Musterbeispiel für einen gelungenen Konzernumbau unter Führung von Finanzinvestoren.

Von

rtr

Kommentare (8)

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anoynym

26.09.2013, 09:20 Uhr

das ich nicht lache..bei 1,5 Milliarden Schuldenstand von Grohe. Die sogenannten Finanzinvestoren haben einfach ihre Schulden durch den Kauf auf das Unternehmen übertragen. Und wie man Bilanzen schönt weiß jedes Kind...schmeiss Leute raus!
P.S: Bisschen mehr Hintergrundwissen für eine Wirtschaftszeitung wäre angebracht!

Account gelöscht!

26.09.2013, 09:23 Uhr

Grohe ist das beste Beispiel für die Unfähigkeit der Deutschen in Finanzfragen.

So kauften Finanzinvestoren Grohe für 1,5 mrd Euro vor etwa 10 Jahren. Ließen ihre Kaufdarlehen vom Unternehmen selbst abstottern und verkaufen das Unternehmen nun für 3 mrd Euro weiter.

Wussten die Eigentümer damals denn nicht, wieviel ihr Unternehmen wirklich wert war ?

geht-koan-wos-o

26.09.2013, 09:34 Uhr

Naja, wohl ein weiterer Beweis für die Unfähigkeit der Deutschen in Sachen Finanzen: Gute Ingenieure, fleißige Arbeiter - aber die eigentlichen Früchte ihrer Arbeit (die ja im Unternehmen anfallen) werden aufgrund ihrer Unfähigkeit und überzogenen Risikoaversion in Geldangelegenheiten im Ausland geerntet das nur zu gern gute Unternehmen zu günstigen Preisen kauft.

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