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09.11.2014

14:33 Uhr

Bahn

Anschläge behindern Normalisierung des Zugverkehrs

Erst der Bahnstreik, dann Brandanschläge: Der Bahnverkehr in Norddeutschland normalisiert sich nur langsam. Die Anschläge auf Kabelschächte an Bahnstrecken machten allerdings nicht nur Zugreisenden zu schaffen.

Servicetechniker der Deutschen Bahn reparieren einige durch einen Brandanschlag beschädigte Kabel. Durch die Anschläge wurde der Zugverkehr in Norddeutschland empfindlich getroffen. dpa

Servicetechniker der Deutschen Bahn reparieren einige durch einen Brandanschlag beschädigte Kabel. Durch die Anschläge wurde der Zugverkehr in Norddeutschland empfindlich getroffen.

Bad BevensenBrandanschläge auf das Bahn-Netz und Nachwirkungen des Lokführer-Streiks haben am Wochenende zu starken Beeinträchtigungen im Bahn-Verkehr geführt. Nach Angaben einer Bahn-Sprecherin fuhr im Fernverkehr in Norddeutschland nur jeder dritte Zug, im niedersächsischen Regionalverkehr nur jeder zweite.

Unbekannte Täter hatten am Samstag auf Kabelschächte an Bahnstrecken im niedersächsischen Bad Bevensen, Bremen und Karstädt in Brandenburg Brandanschläge verübt. Zu den Anschlägen bekannten sich im Internet „Autonome Gruppen“. Sie wollten mit der Sabotage nach eigenen Angaben an den Tod eines Franzosen bei einem Castor-Transport aus dem französischen La Hague ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben vor zehn Jahren erinnern.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Wegen der Feuer fielen die Stellwerke in Hamburg, Kiel und Lübeck, die Signalanlagen sowie der Funkverkehr zu den Zügen für mehrere Stunden aus. Die Lokführer mussten langsamer fahren und sich über Handy verständigen.

Die Anlagen in Bad Bevensen und Bremen konnten nach Angaben der Bahn-Sprecherin zwar schon am Samstagabend wieder repariert werden. Allerdings konnte der am Samstag eingeführte Notfahrplan nicht so schnell wieder rückgängig gemacht werden. Auch Nachwirkungen des zu Ende gegangenen Lokführer-Streiks beeinträchtigten den Verkehr.

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