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06.05.2015

12:59 Uhr

Bahn gegen GDL

Weselsky hält Platzeck-Vorschlag für einen PR-Gag

VonDieter Fockenbrock

Im Tarifstreit zwischen GDL und Bahn soll der SPD-Politker Matthias Platzeck vermitteln. Das schlägt Bahn-Chef Rüdiger Grube vor. Doch Gewerkschaftsboss Klaus Weselsky hält die Idee für einen PR-Gag.

Bahnstreik

Weselsky: „Das Angebot kann nur ein PR-Gag sein"

Bahnstreik: Weselsky: „Das Angebot kann nur ein PR-Gag sein"

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BerlinBahn-Chef Rüdiger Grube hat zur Befriedung des Tarifstreits mit der Lokführergewerkschaft GDL vorgeschlagen, dass der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs Matthias Platzeck (SPD) künftig an allen Tarifverhandlungen mit der GDL als „unabhängige Persönlichkeit“ teilnimmt. „Verhandeln ist das Gebot der Stunde“, sagte Grube. Die GDL könne auch einen eigenen Vorschlag machen. Verhandlungen müssten aber augenblicklich beginnen und der Streik abgebrochen werden, machte Grube zur Bedingung.

Darüber hinaus sicherten Grube und der Bahn-Personalchef Ulrich Weber zu, dass die „GDL eine Langfristperspektive im DB-Konzern hat“. Und zwar unabhängig von dem was einmal im Gesetz zur Tarifeinheit stehen wird. Das Gesetz wird gerade im Parlament diskutiert und soll im Sommer in Kraft treten. Dann würde die größere Gewerkschaft EVG für die meisten Berufsfelder bei der Bahn die Verhandlungshoheit bekommen. Auf die Frage ob die Bahn dann trotzdem weiterverhandeln werde mit der GDL als wenn es das Gesetz gar nicht gäbe, antwortete Weber mit klaren „Ja“.

Bahnstreik: Lokführer bleiben hart

Bahnstreik

Lokführer bleiben hart

Mit Geduld müssen Bahnkunden den nächsten Streiktag der Lokführer bewältigen. Die Gewerkschaft GDL will ihren Streik bis Sonntag durchziehen. Hoffnung auf ein früheres Ende verbreitet der Bahnchef mit einer Ankündigung.

Auf einer Kundgebung in Köln bezeichnete GDL-Chef Claus Weselsky Grubes Vorschlag, den SPD-Politiker Matthias Platzeck als Vermittler einzuschalten, am Mittwoch als öffentlichkeitswirksamen Witz. „Niemand sollte davon ausgehen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund eines PR-Gags des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn die Streikaktionen beenden“, sagte Weselsky. „Wir sind nach jetziger klarer und deutlicher Ansage bis sonntagfrüh 9 Uhr alle gemeinsam im Arbeitskampf.“ Weselsky sagte aber zu, die GDL werde Grubes Vorschlag bewerten, wenn ihr dieser schriftlich vorliege. „Und wir lassen uns Zeit dabei“, fügte der Gewerkschaftschef hinzu.

Die Bahn hält zwar weiterhin ein offizielles Schlichtungsverfahren für die beste Lösung. Das aber wird von der GDL bislang abgelehnt. Platzeck dagegen soll beobachten und moderieren. Die Bahn wolle mit ihrem Vorschlag bewusst „unkonventionelle“ Wege gehen im Tarifstreit, betonte Weber.

Streitgespräch zum Bahnstreik: „Es ist nicht lustig zu streiken“

Streitgespräch zum Bahnstreik

„Es ist nicht lustig zu streiken“

Seit zehn Monaten verhandeln Bahn und GDL erfolglos um Tarifverträge. Jetzt streiken die Lokführer fast eine ganze Woche lang. Ein Unternehmer und ein GDL-Funktionär diskutieren über Auftragseinbußen und Arbeitskampf.

Mit diesem Vorschlag versucht Grube die seit zehn Monaten andauern Tarifverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL wieder in Gang zu bringen, vor allem aber die längste Arbeitsniederlegung im Schienenverkehr seit Jahren zu beenden. GDL-Chef Claus Weselsky hatte angekündigt, gegen Mittag am Kölner Hauptbahnhof Rede und Antwort zu stehen. Der Vorschlag der Bahn dürfte den GDL-Chef unter Zugzwang setzen, denn nun kann er nicht mehr behaupten, die Bahn spiele auf Zeit und warte auf das Gesetz, das im Sommer kommen soll.

Der achte Streik der Lokführer seit Sommer 2014 geht über sechs Tage. Der Güterverkehr ist seit Montagnachmittag empfindlich betroffen, der Personenverkehr seit Dienstagnacht. Das Streik-Ende soll nach den GDL-Ankündigungen Sonntag um neun Uhr am Morgen sein.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Kommentare (4)

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Herr Teito Klein

06.05.2015, 13:18 Uhr

"Bahnmanager versaufen ihre Boni und baden im Champagner"
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Die GDL will das Angebot "gründlich prüfen" - aber es ist nach Angaben von Gewerkschaftschef Weselsky noch nicht bei der GDL eingetroffen. Der spricht von einem PR-Gag der Bahn.

Matthias Platzeck, Brandenburgs früherer Ministerpräsident, soll nach dem Willen von Bahnchef Rüdiger Grube im Tarifstreit zwischen der Bahn und der GDL vermitteln. Das sagte Grube auf einer Pressekonferenz in Berlin. Dabei soll es um das jüngste Angebot der Bahn gehen. Für die Bahn braucht es zwei Voraussetzungen für die Vermittlung: Die Gespräche sollen so schnell wie möglich beginnen und die GDL muss den Streik sofort beenden. "Uns geht es um Deeskalation und Befriedung der Gesamtsituation", sagte Grube.

Herr Ferdinand Loeffler

06.05.2015, 14:31 Uhr

Keine Unterstützung durch den DGB, keine Unterstützung durch die Politik, keine Unterstützung durch die Bahnkunden........auch dieser Kopf wird herausfinden, dass die Wand härter ist, als der Kopf und wird sich Schlimmeres holen, als eine blutige Nase. Auch für Herrn Weselsky gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben....aber sehr bald.

Doro Mann

06.05.2015, 17:47 Uhr

Es gab da mal einen Führer (der Gewerkschaft). Nachdem er auch die letzte Lok ins Jenseits gefahren hatte, wechselte dieser zur Fernbus-Industrie und wurde dort Leiter der Galgulationsabdeillung.

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