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12.11.2012

15:51 Uhr

Bahn-Konkurrent HKX

Regionalzug-Gedränge statt Rheingold-Romantik

VonTobias Döring, Martin Dowideit

Angetreten ist HKX, um der Deutschen Bahn im Fernverkehr einzuheizen. Doch kurz nach dem Start verkehrt der Hamburg-Köln-Express mal nur mit zwei Waggons, mal mit Regionaltriebwagen. Echte Konkurrenz sieht anders aus.

Im Hamburger Hauptbahnhof am 9. November: Der Deutsche-Bahn-Konkurrent HKX setzt ersatzweise eine Regionalbahn des Typs Siemens Desiro ML auf der Strecke nach Köln ein. Genug Komfort für eine Vier-Stunden-Fahrt? Andreas Staal

Im Hamburger Hauptbahnhof am 9. November: Der Deutsche-Bahn-Konkurrent HKX setzt ersatzweise eine Regionalbahn des Typs Siemens Desiro ML auf der Strecke nach Köln ein. Genug Komfort für eine Vier-Stunden-Fahrt?

DüsseldorfEs war ein außergewöhnlicher Anblick, der sich den Passagieren des Deutsche-Bahn-Konkurrenten Hamburg-Köln-Express (HKX) in den vergangenen Tagen bot. Gerade einmal so lang wie eine Straßenbahn war der Fernzug, der sie von Köln nach Hamburg oder in die Gegenrichtung bringen sollte – und viel mehr Komfort versprach er auch nicht.

Denn der Desiro-Triebwagen aus dem Hause Siemens transportiert eigentlich auf regionalen Routen Pendler und hat entsprechend enge Sitzabstände. Wagen des Bahn-Unternehmens Trans-Regio müssen neuerdings auch herhalten für die Reise vom Rhein bis zur Elbe. Unter der Woche sind sie als „Mittelrhein-Bahn“ zwischen Köln, Koblenz und Mainz unterwegs.

So fährt man mit dem HKX

Stationen

Der Hamburg-Köln-Express bis zu dreimal täglich von Hamburg nach Köln und zurück. Der HKX hält in Hamburg Altona, Hamburg Dammtor, Hamburg Hbf, Hamburg Harburg, Osnabrück, Münster, Gelsenkirchen, Essen, Duisburg, Düsseldorf und Köln.

Fahrzeit

Für die Strecke zwischen Hamburg und Köln benötigt der HKX gut vier Stunden. Ein IC/EC der Deutschen Bahn braucht in etwa genauso lange. Selbst die meisten ICEs sind auf der Strecke kaum schneller unterwegs.

Preis

Die Fahrkarten für den HKX kosteten in der Startphase 20, 40 oder 60 Euro für eine einfache Fahrt Hamburg-Köln oder Köln-Hamburg. Mittlerweile beträgt der Höchsttarif 68 Euro. Bucht man Hin- und Rückfahrt erhält man zehn Prozent Rabatt auf den gesamten Fahrpreis. Kurzstrecken sind günstiger, die Strecke Essen-Düsseldorf kostet zum Beispiel zehn Euro. Später will HKX auf ein nachfrageorientiertes, variables Preissystem umstellen. Bei der Deutschen Bahn ist die einfache Fahrt Hamburg-Köln im IC zum Normalpreis von 83 Euro zu haben.

Ticketkauf

Buchbar sind die HKX-Tickets derzeit nur über die Webseite des privaten Bahn-Unternehmens und per Telefonhotline. Die Fahrkarten kann man sich dann selber ausdrucken bzw. zuschicken lassen. HKX würde die Tickets gerne auch in den Bahnhofs-Servicecenter der Deutschen Bahn verkaufen. Bisher gab es dabei mit dem Staatsunternehmen jedoch keine Einigung.

„Etwas ätzend“ sei das Angebot, beschwerte sich ein Passagier. Und auch andere Fahrgäste wunderten sich, andere Sitzanordnungen zu finden, als es bei der Internet-Buchung den Anschein gemacht hatte. Die Internet-Gemeinschaft der Zugfotografen konnte derweil das eigene Glück kaum fassen. Gleich im Dutzend machten sie entlang der Strecke Schnappschüsse dieses seltenen Triebwagen-Anblicks. „Keine Ahnung, ob die Thrombose-Strümpfe im Fahrpreis enthalten waren“, unkte einer.

Man könnte den Vorfall rasch abtun – auch die Deutsche Bahn verkehrt manchmal mit abenteuerlichem, in ganz Deutschland zusammengeklaubtem Gerät. Doch die HKX-Züge repräsentieren ein Unternehmen, das angetreten ist, dem etablierten Platzhirschen das Revier auf einer Langstrecke streitig zu machen. HKX hat erst im Juli den planmäßigen Betrieb aufgenommen. Vorher gab es in Deutschland nur eine private Fernverkehrslinie auf der Strecke Warnemünde-Leipzig.

Der Hamburg-Köln-Express verkehrte am Donnerstag mit gerade einmal zwei Wagen (siehe Video). Normalerweise sind es vier. Auch in den Triebwagen am Wochenende war es eng. „Wegen Wartungsarbeiten an unseren Wagen hatten wir von Freitag bis Sonntag einen Nahverkehrszug der Trans-Regio im Einsatz“, bestätigte HKX-Geschäftsführerin Eva Kreienkamp Handelsblatt Online. Dies sei bei insgesamt acht Verbindungen der Fall gewesen.

Am Donnerstag sei es zu „kleineren Defekten“ an Waggons gekommen, erklärt eine HKX-Sprecherin. Aufgrund der Defekte habe man sich entschieden, alle Waggons über das Wochenende in der Werkstatt durchchecken zu lassen. Details zu den Defekten nannte HKX nicht.

Kommentare (9)

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Sapere_aude

12.11.2012, 21:28 Uhr

Ein Bericht á la Handelsblatt eben: Staatsinteresse vor Privatinteresse - Kollektiv vor Individuum - Planwirtschaft vor Marktwirtschaft. Moral der Geschicht': Privatisiere nicht!
Und gehe ja nicht an die Börse, sonst schaut der Kunde durch die Röhre.

Dass die Deutsche Bahn "ihr Gerät überall im Bundesgebiet zusammenklaubt" wird nur am Rande erwähnt. Die Pannen der Deutschen Bahn sind unzählbar und die Unbedarftheit des völlig überforderten Personals schwankt zwischen Unverfrorenheit und Kundenferne und gnadenloser Mangelwirtschaft auf Kosten des Kunden und des Steuerzahlers.
Das bleibt selbstverständlich unerwähnt, schließlich handelt es sich beim Handelsblatt ja um eine führende Wirtschaftszeitung Deutschlands, nein, und nicht um Parteiblatt oder um ein Gewerkschaftsorgan, nein: um eine Wirtschaftszeitung, die auf dem Banner den Satz trägt: "Substanz entscheidet".

Christian17

13.11.2012, 08:51 Uhr

Bei allem Wohlwollen,
aber das sind bessere S-Bahnen.

Wer da mal länger drin gesessen hat wird nicht so einen Kommentar schreiben.

Da sitzt man wie ein Affe auf dem Schleifstein.
Das ist für eine Fernverkehrstrecke völlig ungeeignet.

Auch wenn die DB ab und an Wagen zusammenklaubt, aber Züge die eigentlich für den S-Bahn Verkehr gedacht sind setzen die nicht im Fernverkehr ein.

Es bleibt jedem freigestellt damit zu fahren. Ich tue mir das nicht an und wenn man bei der DB rechtzeitig bucht bekommt man auch günstige Tickets. Da fährt man dann auch mit einem richtigen Zug.

ds1603

14.11.2012, 00:00 Uhr

Was sind das denn hier für unsinnige Kommentare? Habt ihr eigentlich mal darüber nachgedacht, wie viele Zugleistungen die am Tag in Deutschland leistet und wie viele z.B. der HKX? So einen Unfug! Da kommt mir echt die Galle hoch.

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