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12.11.2014

16:37 Uhr

Bahn-Streik

GDL-Lokführer nehmen Einladung zu Gesprächen an

Die Lokführergewerkschaft GDL hat das neue Gesprächsangebot der Deutschen Bahn angenommen. Die Bahn hatte die beiden Gewerkschaften GDL und EVG zu zeitgleichen Tarifverhandlungen nach Frankfurt eingeladen.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat das jüngste Gesprächsangebot der Bahn angenommen. dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL hat das jüngste Gesprächsangebot der Bahn angenommen.

FrankfurtIn den festgefahrenen Tarifstreit bei der Bahn ist vier Tage nach Streikende Bewegung gekommen. Die Lokführergewerkschaft GDL zeigte sich am Mittwoch auf Einladung der Bahn zu einem Spitzengespräch mit dem Unternehmen und der Konkurrenzgewerkschaft EVG bereit. Danach könne es zu parallelen Tarifverhandlungen kommen.

Die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG verlangt allerdings ein Bekenntnis der GDL, dass ein einheitlicher Tarifabschluss für die Beschäftigten angestrebt werde. Dies könne GDL-Chef Claus Weselsky am 18. November beim Spitzengespräch mit dem EVG-Vorsitzenden Alexander Kirchner und Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in Berlin ablegen, sagte ein EVG-Sprecher. Die Tarifverhandlungen sollten nach dem Spitzengespräch mit beiden Gewerkschaften parallel am 21. November in Frankfurt beginnen.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Hintergrund des Streits ist die mögliche Tarifkonkurrenz der beiden Gewerkschaften in den einzelnen Berufsgruppen der Bahn. Die GDL will für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Die Zugbegleiter werden aber auch von der EVG vertreten, die bislang in diesem Bereich alleine die Tarifverträge ausgehandelt hat.

Die EVG hatte bereits am Dienstag erklärt, einzig über einen einheitlichen Tarifvertrag verhandeln zu wollen. Die EVG lehne alle Regelungen ab, die eine Spaltung der Beschäftigten in den Betrieben oder Unternehmen förderten. Als DGB-Gewerkschaft kämpfe die EVG schon seit Jahrzehnten für das Ziel „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. „Diesen Anspruch werden wir in der jetzigen Tarifrunde entschieden verteidigen“, hatte Kirchner erklärt.

Die GDL hatte ihren flächendeckenden Streik bei der Bahn am Samstagabend beendet - nach 64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr. Zuvor hatten die Arbeitsgerichte in zwei Instanzen die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfs bestätigt.

Von

dpa

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