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07.11.2014

14:12 Uhr

Bahn vs. Lokführer

GDL lehnt erneuten Vergleichsvorschlag ab

Vergleichsangebot abgelehnt: Trotz seiner Bitte „um wohlwollende Prüfung“ hatte der Richter des Landesarbeitsgerichts keinen Erfolg mit dem Versuch, Bahn und GDL zusammenzubringen. In Berlin demonstrieren die Lokführer.

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FrankfurtVor dem Landesarbeitsgericht Hessen ist der erneute Vergleichsversuch gescheitert, mit dem der Lokführerstreik beendet werden sollte. Die Gewerkschaft GDL lehnte den Vorschlag des Gerichts ab und verlangte am Freitag eine Entscheidung der zweiten Instanz. Gemäß der Empfehlung des Gerichts hätten sich die Parteien bis zum 15. Dezember auf den Einigungsweg begeben und auch die Konkurrenzgewerkschaft EVG einbeziehen müssen. Bereits am Donnerstag war die Vorinstanz am Arbeitsgericht Frankfurt/Main mit einem Vergleichsvorschlag gescheitert und hatte zuletzt mit einem Urteil den Arbeitskampf der GDL als rechtmäßig und verhältnismäßig anerkannt.

Im Tarifkonflikt hat sich auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zur Teilnahme an einem Schlichtungsverfahren mit der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL bereit erklärt. Dies gelte allerdings nur „unter der Voraussetzung der Freiwilligkeit und der Einbeziehung eines eigenen Schlichters/Mediators der EVG“, heißt es in einem Schreiben des EVG-Vorsitzenden Alexander Kirchner vom Freitag an die Bahn.

Die EVG hat der konkurrierenden GDL zudem vorgeworfen, ihren Konflikt mit der Deutschen Bahn auf dem Rücken anderer Gewerkschaften auszutragen. „Wenn man die aktuellen Umfragen betrachtet, sieht man, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung für Streik kein Verständnis mehr hat“, sagte der stellvertretende EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel am Freitag in Berlin. Die Bürger wünschten vielmehr ein Eingreifen des Gesetzgebers und eine Einschränkung der Gewerkschaftsrechte.

Hommel warf der GDL vor, entgegen ihrer eigenen Darstellung auch nicht für das Grundrecht der Koalitionsfreiheit zu streiken. „Hier geht es nicht darum, dass Grundrechte einer Gewerkschaft – das würden wir uns auch nicht gefallen lassen – beschnitten werden, sondern um ganz normales Verhandlungsprozedere“, betonte Hommel.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die Lokführergewerkschaft GDL will den längsten Ausstand in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Bahn noch bis Montagmorgen aufrechterhalten. Die konkurrierende EVG streikt dagegen nicht, ihre nächste Verhandlungsrunde mit dem Staatskonzern findet am 21. November statt. Die EVG wirft der GDL vor, nicht für bessere Arbeitsbedingungen im Ausstand zu sein, sondern um Mitglieder zu werben. Die EVG will keinen unterschiedlichen Lohn für die gleiche Tätigkeit bei der Bahn akzeptieren.

Kommentare (3)

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Christian Wolff

07.11.2014, 10:12 Uhr

Ich rufe alle Betroffenen auf, die GDL in den nächsten Tagen unter der Telefonnummer Tel.: +49 (0) 69 / 40 57 09 - 0 anzurufen und ihr eine e-mail ( info@gdl.de ) zu senden, um der Führung der GDL klar zu sagen, dass der Streik der falsche Weg ist.

Herr Marc Ho

07.11.2014, 10:29 Uhr

"Bei großen Unternehmen seien unterschiedliche Verträge für eine Gruppe von Beschäftigten kaum handzuhaben.... " - dass ich nicht lache. Da hat die Bahn mehr als - festhalten - 1000(!) Tochterunternehmen, die sie locker verwalten kann und dann sollen ein paar unterschiedliche Arbeitsverträge zu komplex sein?
Im Übrigen kostet der Streik die Bahn genau NULL Euro, denn: Macht sie Gewinn, ist ohnehin alles gut und der Staat als alleiniger Eigentümer der Hauptnutznießer. Macht sie Verlust, wird er vom Eigentümer Staat einfach ausgeglichen, d.h. wir Steuerzahler begleichen den fehlenden Betrag. Von so einem Paradies, niemals in Finanznöte geraten zu können, kann jede private Firma nur träumen.

Herr D. Dino54

07.11.2014, 16:35 Uhr

Es gibt keine Stunde, kein Wochentag, keine Woche, kein Monat, kein Jahr, der bei einem Streik im Reiseverkehr nicht irgendjemanden unpassend wäre !

Ob Berufs- , oder Freizeit-, oder Urlaubsreisen !

Wann wäre dann die richtige Zeit zum streiken ?

Was einige Medien mit der einseitigen, ja parteiisch gegen die GDL, noch skandalöser, gegen den Vorsitzenden mit privaten Daten "berichtet" ist einfach bedenklich und erschreckend.

Es scheint so, das einige Lobbygruppen und "Volksvertreter", nicht alle aber zu viele, nicht wenige Medien-Unternehmen im Griff haben !

Liebe betroffene Bahn- oder Flugreisende. Der Streik, die Gewerkschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeitnehmerschaft, um wieder eine Verbesserung im Arbeitsleben zu erreichen, bei der unverschämten Deregulierung im Arbeitsrecht, seit ROT/GRÜN !

Einzelkämpfer haben kaum Aussichten, da bin ich mir sicher !!!

Es gibt viele Wege im Vorfeld, die Zug- und Flugausfälle zu überbrücken oder zu mildern !

Es ist gut, ja auch beruhigend, das es noch solche Gewerkschaftsvorsitzende gibt, mit Rückgrat und Durchsetzungsvermögen !!!

Weiter so !

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