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11.05.2015

14:43 Uhr

Bahn zieht Bilanz

100 Millionen Euro Schaden durch GDL-Streik

Mindestens 100 Millionen Euro hat der längste Streik der Firmengeschichte GDL, klagt die Bahn. Ökonomen sehen auch Auswirkungen der Lokführer-Ausstände auf das deutsche Wirtschaftswachstum.

Der Tarifkonflikt kommt die Deutsche Bahn teuer zu stehen. dpa

Streikende Lokführer in Berlin

Der Tarifkonflikt kommt die Deutsche Bahn teuer zu stehen.

BerlinDie Deutsche Bahn beziffert die Kosten des längsten Streiks in ihrer Geschichte auf mindestens 100 Millionen Euro. Zwar rechne der Staatskonzern bei einem Streiktag mit bis zu zehn Millionen Euro, die Summe pro Tag erhöhe sich jedoch bei längeren Ausständen, sagte Finanzvorstand Richard Lutz am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Er gehe daher davon aus, dass die Streikwoche die Bahn voraussichtlich einen dreistelligen Millionenbetrag koste. Ähnlich argumentiert auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für die Wirtschaft insgesamt. Er rechnet mit Kosten von einer halben Milliarde Euro, die auch das Wirtschaftswachstum vorübergehend dämpfen würden. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL hatte im Güterverkehr von vergangenem Montag an und im Personenverkehr von Dienstag bis Sonntag gestreikt.

Während der Personenverkehr am Montagmorgen bis auf wenige Ausnahmen in Thüringen und Sachsen-Anhalt wieder fahrplanmäßig lief, wird sich der Rückstau im Schienengüterverkehr nach Bahn-Angaben erst Mitte der Woche auflösen. Befürchtete Produktionsausfälle traten offenbar nicht ein, auch weil zeitkritische Transporte bevorzugt gefahren wurden. Insgesamt seien auch rund zwei Drittel der Güterzüge gefahren und damit mehr als im Personenverkehr.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Die großen Autoproduzenten wie Volkswagen, Daimler und BMW bestätigten, dass die Produktion aufrechterhalten werden konnte. Für dringend benötigte Zuliefer-Teile griffen sie entweder auf Bahn-Konkurrenten zurück, die mittlerweile rund ein Drittel des Marktes erobert haben. Zum anderen wurden auch Lkw stärker genutzt. Ihre Extra-Kosten bezifferten die Konzerne nicht.

Die Stahlbranche als größter Bahn-Kunde äußerte sich ähnlich: Einzelne Transporte seien über die Straße abgewickelt worden, Produktionsausfälle habe es nicht gegeben, erklärten Unternehmen wie Thyssen-Krupp oder Salzgitter.

Der Bahnstreik endet: Eine Pause für das Land

Der Bahnstreik endet

Eine Pause für das Land

Im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und Lokführern kündigt GDL-Chef Weselsky jetzt an: Vorerst keine weiteren Bahnstreiks. Das Land und die Bahnkunden hätten "eine Pause verdient". Doch ein Aufatmen wäre verfrüht.

Ökonomen zufolge könnte der Streik das Wirtschaftswachstum im laufenden zweiten Quartal um 0,1 Prozentpunkte drücken. „So sehr der Streik auch an den Nerven der Bahnkunden gezerrt hat, eine Gefahr für die Konjunktur ist er zum Glück momentan nicht“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Die Unternehmen setzten alles daran, liegengebliebene Aufträge schnell abzuarbeiten. „Das dürfte in vielen Fällen klappen, auch wenn es Geld kostet, zum Beispiel als Überstundenzuschläge“, sagte Schweitzer.

Der Streikaufruf war nach Angaben der GDL von wesentlich mehr Beschäftigten befolgt worden als bei den früheren Arbeitskämpfen. Eine Einigung ist nach wie vor nicht in Sicht. Kern des Konflikts ist es, dass die GDL nicht nur für die Lokführer, sondern auch für ihre Mitglieder beim Zugpersonal oder Rangierführern Verträge schließen will. Damit konkurriert sie aber mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die Bahn lehnt unterschiedliche Abschlüsse für die gleiche Beschäftigtengruppe ab.

Von

rtr

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