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04.12.2014

15:32 Uhr

Bahncard vor dem Aus?

Bahn erwägt verändertes Bahncard-System

Die Bahn plant nach einem Medienbericht neben anderen Einsparungen im Fernverkehr auch eine Abschaffung der Bahncard. Die Bahn kritisiert den Bericht scharf. Das Bahncard-System könnte aber zumindest überarbeitet werden.

Die Bahn will einem Medienbericht zufolge die „BahnCard“ abschaffen. dpa

Die Bahn will einem Medienbericht zufolge die „BahnCard“ abschaffen.

Frankfurt/BerlinDie Deutsche Bahn überlegt, ihr Bahncard-System zu überarbeiten. Erwogen werde, nur noch „Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz“ zu garantieren, sagte der Aufsichtsratsvize der DB-Sparte Fernverkehr, Reiner Bieck, der „Welt“ (Freitagsausgabe). Dies sehe eine Tischvorlage vor, die bei der Aufsichtsratssitzung am 25. November besprochen worden sei. Einen Bericht über die Abschaffung der Karte dementierte die Bahn scharf.

Laut Bieck sieht die Tischvorlage vor, die Bahncard in ein "Kundenkonto" mit variablen Rabatten umzuwandeln. Bislang ermöglicht die Bahncard 50 Fahrten zur Hälfte des Normalpreises, mit der Bahncard 25 gibt es 25 Prozent Rabatt, in Kombination mit Sparpreisen auch mehr.

Der Aufsichtsrat erwarte vom Konzernvorstand, „dass er uns Pläne zur Rückgewinnung von Fahrgästen und zur Entspannung der Situation im Geschäftsfeld Fernverkehr vorlegt“, sagte Bieck. Dazu gehörten Verbesserungen beim Preis- und Rabattprogramm. „Wir müssen uns fragen, ob das bisherige System noch den Vorstellungen der Kunden entspricht“, sagte Bieck. Ende November habe sich der Aufsichtsrat Strategien präsentieren lassen, es sei aber noch nichts beschlossen.

Das sind die größten Bahn-Konkurrenten im Nahverkehr

Platz 9 – HZL und SWEG

Die Hohenzollerische Landesbahn (HZL) und die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft (SWEG) haben identische Geschäftsführungen und werden daher gemeinsam betrachtet. Sie betreiben viele Verbindungen in Baden-Württemberg. Zusammen werden für die beiden Bahnen 7,3 Millionen Zugkilometer für 2014 prognostiziert.

Quelle für die Prognose: Mofair, Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (PDF)

Platz 8 – EB

Die Erfurter Bahn (EB) ist über die Stadt hinaus in Thüringen aktiv. Ende 2013 gab sie aber Strecken an die Bahn ab. 2014 soll sie auf 7,9 Millionen Zugkilometer kommen.

Platz 7 – Keolis

Keolis ist die internationale Tochter des französischen Bahnunternehmens SNCF. In Deutschland fährt sie unter dem Namen Eurobahn und bedient dabei Strecken ab dem westfälischen Hamm. 2014 werden für Keolis 12 Millionen Zugkilometer in Deutschland prognostiziert.

Platz 5 – AVG

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist das städtische Verkehrsunternehmen von Karlsruhe. Das Unternehmen betreibt aber auch Verbindungen über die Stadt hinaus. 2014 kommt die AVG laut Prognose auf 14,2 Millionen Zugkilometer.

Platz 5 – HLB

Mit 14,2 Millionen prognostizierten Zugkilometern 2014 ist die Hessische Landesbahn (HLB) gleichauf mit der AVG. Damit könnte die HLB ihre gefahrenen Kilometer steigern.

Platz 4 – Benex

Die Benex (Akronym für „better nexus“ - zu deutsch „bessere Verbindung“) ist ein Sonderfall auf dem deutschen Nahverkehrsmarkt. 51 Prozent des Unternehmens gehören der Hamburger Hochbahn, 49 Prozent einem englischen Infrastrukturfonds. Inklusive Beteiligungen soll die Verkehrsleistung 2014 bei 22,3 Millionen Zugkilometern liegen.

Platz 3 – Netinera

Netinera ist eine Tochter der italienischen Staatsbahn. Sie hat zuletzt unter anderem die Waldbahn in Ostbayern übernommen. Prognose für 2014: 24,6 Millionen Zugkilometer.

Platz 2 – Veolia

Das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern ist der größte Konkurrent der Bahn im Nahverkehr. Veolia ist eine Tochter der französischen Transdev, dem nach eigenen Angaben größten privaten Eisenbahnbetreiber der Welt. Mit 34,5 Millionen Zugkilometern 2014 ist Veolia aber weit von der Deutschen Bahn entfernt.

Platz 1 – Deutsche Bahn

473 Millionen Zugkilometer werden für die Bahn in 2014 prognostiziert – an das Staatsunternehmen kommt kein privater Konkurrent ran.

Am Donnerstagmorgen hatte der Hessische Rundfunk berichtet, die Bahn wolle die Bahncard abschaffen. Dies wies der Konzern umgehend scharf zurück. Es handele sich um eine „dreiste Falschmeldung“. Im Laufe des Tages würden nähere Angaben zu möglichen Veränderungen im Fernverkehr gemacht. Der Hessische Rundfunk hielt an seiner Darstellung fest und berief sich auf eine vertrauliche Vorlage für eine Aufsichtsratssitzung am 10. Dezember.

Dem HR-Bericht zufolge will die Bahn im Fernverkehr drastisch sparen und auf die Konkurrenz durch Fernbusunternehmen reagieren, die der Konzern zunächst völlig falsch eingeschätzt habe. Mittelfristig beziffere die Bahn den Umsatzverlust durch die Fernbusse mit 240 Millionen Euro pro Jahr. In diesem Jahr seien es rund 120 Millionen Euro.

Konzernchef Rüdiger Grube hatte am Mittwoch angekündigt, die Bahn werde in den kommenden drei Jahren zusätzlich 200 Millionen Euro ausgeben, um „Service, Qualität und Pünktlichkeit im Fernverkehr zu verbessern“. Unter anderem solle Geld auch in die Bordbistros fließen, wo in der Vergangenheit immer wieder Geräte ausfielen. Kostenloses WLAN für alle Fahrgäste kündigte Grube im Gespräch mit „Süddeutschen Zeitung“ für das Jahr 2016 an.

Kommentare (6)

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04.12.2014, 09:34 Uhr

OMG, man erkennt deutlich die Handschrift von tumben Ex-Politikern im DB-Vorstand. Wenn Sie durch Streichen der Bahncard die Ticketkosten indirekt massiv steigern, werden die Kundenverluste zugunsten der Fernbusse ebenso massiv (weiter) steigen.
Wie wär´s mal mit einer strikten Prozessoptimierung und dem Abbau überflüssiger Bürokratie im Konzern? ... dort dürfte wesentlich mehr als 1.5 Mrd EUR p.a. Kosteneinsparpotenzial liegen.
Solange der Staat im Vorstand allerdings das sagen hat, sei es durch Anteile, sei es durch die handelnden Personen, wird bei der Bahn auch nichts besser werden.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Christine Boeme

04.12.2014, 09:52 Uhr

Mit Abschaffung der Bahncard würde die Bahn noch mehr verlieren. Ich bin Besitzer einer Bahncard, ohne Bahncard wäre die Deutsche Bahn für mich nicht attraktiv genug da ich bei einem Autoverleiher durch Firmenrabatte dann günstiger fahre.

Eher muss die Bahn in die umgekehrte Richtung denken, wie mache ich die Bahn wieder attraktiver?

Aber wenn es mit den Gewerkschaften so weiter geht....wird die Bahn auf Dauer eh nicht überleben.

Herr Teito Klein

04.12.2014, 11:13 Uhr

Neues von der Pannenbahn
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Jetzt will die Bahn also die Bahncard und die Nachtzüge abschaffen. Grund sind die vielen Pannen und die Fernbusse.

Die Bahncard könnte zum «Kundenkonto» werden, das Rabatte nur noch für Großkunden und Vielfahrer und gemäß der Auslastung eines Zugs einräumt.

Die Behauptung des Hessischen Rundfunks sei eine „dreiste Falschmeldung“, - behauptet die DB.
Ich glaube der DB aber nicht! Bei Preiserhöhungen waren sie immer sehr schnell.

Der Service ist mies, die Toiletten sind versifft, von der Pünktlichkeit will ich erst gar nicht sprechen.
Die Verspätungen sind in den letzten Jahren rasant angestiegen. Aber bei der DB ist das der "Normalzustand".

Aber anscheinend hat die "Beamtensbahn" noch nie etwas vom Shinkansen gehört. Wenn dort ein Zug mehr als sechs Sekunden Verspätung hat, muss sich der Lokführer schriftlich rechtfertigen.
Wenn bei der DB ein Zug mehr als eine Stunde Verspätung hat, wird der Lokführer "befördert".

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