Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.06.2014

13:17 Uhr

Bahnkonkurrent

HKX kapituliert vor günstigen Fernbussen

VonTobias Döring

Ab heute bindet der Hamburg-Köln-Express die Ferieninsel Sylt in seine Strecke ein. Doch in Zukunft wird der HKX zur Regionalbahn. Mit diesem Trick will die Privatbahn den günstigen Fernbussen besser Paroli bieten.

HKX-Zug vor dem Kölner Dom: Der Bahnwettbewerber leidet unter der starken Konkurrenz durch billige Fernbusse – und schreibt weiter Verluste. picture alliance/dpa

HKX-Zug vor dem Kölner Dom: Der Bahnwettbewerber leidet unter der starken Konkurrenz durch billige Fernbusse – und schreibt weiter Verluste.

DüsseldorfAmbitioniert war der Hamburg-Köln-Express (HKX) im Sommer 2012 gestartet. Der erste ernsthafte Konkurrent zur Deutschen Bahn im Fernverkehr wollte das junge Unternehmen werden. Finanziell ausgestattet durch einen amerikanischen Eisenbahninvestor.

Doch nach nicht einmal zwei Jahren plant der HKX formal einen Schwenk um 180 Grad. Grund dafür ist allerdings nicht die den Markt beherrschende Deutsche Bahn. Es sind die Fernbusse, die dem Bahnunternehmen das Leben schwer machen. In Zukunft wird HKX daher vom Fern- zum Regionalverkehrsunternehmen.

Zunächst einmal können Fahrgäste mit dem Anbieter ab Freitag aber über Hamburg hinaus gen Norden fahren. Der HKX verlängert seine Strecke bis nach Westerland auf der Ferieninsel Sylt. Doch hier zeigt sich schon die neue Strategie: Wer von Köln bis nach Sylt reisen will, muss im Bahnhof Hamburg-Altona auf eine Regionalbahn der Nord-Ostsee-Bahn umsteigen. Nur freitags, samstags und sonntags fahren fünf HKX-Züge ab Köln durch. Der Preis pro Verbindung liegt zwischen 47,50 und 97,50 Euro. Sechs Stunden und 40 Minuten ist man unterwegs.

Das sind die größten Bahn-Konkurrenten im Nahverkehr

Platz 9 – HZL und SWEG

Die Hohenzollerische Landesbahn (HZL) und die Südwestdeutsche Eisenbahngesellschaft (SWEG) haben identische Geschäftsführungen und werden daher gemeinsam betrachtet. Sie betreiben viele Verbindungen in Baden-Württemberg. Zusammen werden für die beiden Bahnen 7,3 Millionen Zugkilometer für 2014 prognostiziert.

Quelle für die Prognose: Mofair, Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (PDF)

Platz 8 – EB

Die Erfurter Bahn (EB) ist über die Stadt hinaus in Thüringen aktiv. Ende 2013 gab sie aber Strecken an die Bahn ab. 2014 soll sie auf 7,9 Millionen Zugkilometer kommen.

Platz 7 – Keolis

Keolis ist die internationale Tochter des französischen Bahnunternehmens SNCF. In Deutschland fährt sie unter dem Namen Eurobahn und bedient dabei Strecken ab dem westfälischen Hamm. 2014 werden für Keolis 12 Millionen Zugkilometer in Deutschland prognostiziert.

Platz 5 – AVG

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) ist das städtische Verkehrsunternehmen von Karlsruhe. Das Unternehmen betreibt aber auch Verbindungen über die Stadt hinaus. 2014 kommt die AVG laut Prognose auf 14,2 Millionen Zugkilometer.

Platz 5 – HLB

Mit 14,2 Millionen prognostizierten Zugkilometern 2014 ist die Hessische Landesbahn (HLB) gleichauf mit der AVG. Damit könnte die HLB ihre gefahrenen Kilometer steigern.

Platz 4 – Benex

Die Benex (Akronym für „better nexus“ - zu deutsch „bessere Verbindung“) ist ein Sonderfall auf dem deutschen Nahverkehrsmarkt. 51 Prozent des Unternehmens gehören der Hamburger Hochbahn, 49 Prozent einem englischen Infrastrukturfonds. Inklusive Beteiligungen soll die Verkehrsleistung 2014 bei 22,3 Millionen Zugkilometern liegen.

Platz 3 – Netinera

Netinera ist eine Tochter der italienischen Staatsbahn. Sie hat zuletzt unter anderem die Waldbahn in Ostbayern übernommen. Prognose für 2014: 24,6 Millionen Zugkilometer.

Platz 2 – Veolia

Das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern ist der größte Konkurrent der Bahn im Nahverkehr. Veolia ist eine Tochter der französischen Transdev, dem nach eigenen Angaben größten privaten Eisenbahnbetreiber der Welt. Mit 34,5 Millionen Zugkilometern 2014 ist Veolia aber weit von der Deutschen Bahn entfernt.

Platz 1 – Deutsche Bahn

473 Millionen Zugkilometer werden für die Bahn in 2014 prognostiziert – an das Staatsunternehmen kommt kein privater Konkurrent ran.

Eine lange Strecke, trotzdem wird der HKX jetzt zur Nahverkehrs-Bahn. „Ziel ist es, das Verkehrsangebot neu als Regionalverkehr im Markt zu positionieren“, hatte das Unternehmen zuletzt mitgeteilt. Eine Sprecherin bekräftigte die Neuausrichtung nach einem Bericht der „Frankfurt Allgemeinen Zeitung“.

Hintergrund ist, dass das Unternehmen trotz eines Umsatzes von zwölf Millionen Euro 2013 Verluste schreibt – drei bis vier Millionen Euro sollen es nach Branchenangaben im vergangenen Jahr gewesen sein. Seinen Fahrplan unter der Woche hatte der HKX daher bereits ausgedünnt. Bei Ausschreibungen im Regionalverkehr mitmischen will der Bahnkonkurrent allerdings nicht, obwohl es dort Zuschüsse vom Staat gibt. Zum Regionalverkehrsunternehmen wird die Privatbahn nur auf dem Papier.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×