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04.05.2015

07:15 Uhr

Bahnstreik ab Montag

Lokführer legen Deutschland lahm

Deutschland droht der längste Eisenbahnstreik seit Jahren. Für eine Woche wollen die Lokführer ihre Arbeit niederlegen. Ab Montag stehen die Güterzüge, ab Dienstag die Personenzüge. Minister Gabriel warnt vor den Folgen.

Stillstand bei der Bahn

Lokführer: Streik bis Sonntag

Stillstand bei der Bahn: Lokführer: Streik bis Sonntag

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DüsseldorfDie Lokführer wollen fast eine ganze Woche lang streiken. Bahnkunden müssen sich wegen des bisher längsten Arbeitskampfes in dem Tarifkonflikt in den nächsten Tagen auf starke Einschränkungen im Zugverkehr einstellen. Der Streik soll im Personenverkehr knapp sechs Tage dauern und am Dienstag um 2.00 Uhr morgens beginnen, teilte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Sonntag in Frankfurt am Main mit. Im Güterverkehr geht es bereits am Montag um 15 Uhr los. Beendet werden soll der Ausstand am Sonntag um 9 Uhr. Es wäre bereits der achte Streik in der seit Monaten laufenden Auseinandersetzung.

Die Deutsche Bahn arbeitete am Sonntag an einem Ersatzfahrplan. Das Unternehmen bezeichnete den geplanten Streik als „maßlos und unangemessen“. Er werde zu schweren Beeinträchtigungen im Zugverkehr führen. „Damit schadet die GDL nicht nur massiv den Bahnkunden, der DB und ihren Mitarbeitern, sondern auch der deutschen Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft“, erklärte die DB.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Der angekündigte Streik werde Pendler und Reisende, aber auch die Deutsche Bahn und die gesamte deutsche Wirtschaft insgesamt schwer treffen, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel der „Bild“. „Alle Beteiligten müssen sich fragen, ob der Schaden, den dieser Ausstand anrichten könnte, noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung steht.“

Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Streik. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind“, sagte Dobrindt der „Bild“-Zeitung. „Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen.“ „Das Zugpersonal streike für „seine Grundrechte“ wetterte GDL-Chef Claus Weselsky. Erneut „zwinge“ die Deutsche Bahn das Zugpersonal zum Arbeitskampf.

Die Bahn in Zahlen

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2011 auf einen Umsatz von 37,90 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 34,41 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro).

Halbjahresergebnis

Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro).

Mitarbeiter zum Jahresende

Genau 284.319 hatte der Staatskonzern zum Jahresende 2011. Das waren gut 8000 mehr als ein Jahr zuvor. Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319).
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen). 2011 fuhren täglich rund 5,43 Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. 2010 waren es noch rund 5,34 Millionen.

Personenverkehr

Die Züge der Bahn legten im vergangenen Jahr 79,2 Milliarden Personenkilometer zurück. Ein wenig mehr als ein Jahr zuvor (78,6 Milliarden Personenkilometer).

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter geschrumpft. 2011 waren es nur noch 33.576 Kilometer. Ein Jahr zuvor gab es noch 33.723 Kilometer Schiene.

Angesichts des bevorstehenden neuen Streiks macht sich der Vorsitzende des Dachverbands dbb-Beamtenbund, dem die GDL angehört, für eine Schlichtung stark. „Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen“, sagte ddb-Chef Klaus Dauderstädt der „Süddeutschen Zeitung“. Auch Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. Dies lehnt die GDL ab.

Kommentare (35)

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Herr Fred Meisenkaiser

04.05.2015, 07:02 Uhr

Wie können die Lokführer Deutschland lahm legen? Der Beamtenstatus der Bahnmitarbeiter wurde von der Politik aufgehoben, da die Bahn als nicht relevant für die deutsche Wirtschaft gesehen wurde. Und nun also doch? Oder erfolgte die Privatisierung der Bahn aus nur aus Gründen der Gier?

Als die Arbeitgeber die christliche Gewerkschaft als Gegenpol zur IGMetall installierten, und so Dumpingtarifverträge abschlossen, jubelte die Politik über den Wettbewerb auf Seiten der Gewerkschaften. So möchten wir es nun auch sehen. Soll die Gewerschaft die meisten Mitglieder gewinnen, die die besten Abschlüsse heraushandelt.
Von den Einheitsgewerschaften des DGB ist da ja nichts mehr zu hören. Bei zweistelligen Steigerungen der Gewinne der Unternehmen sind die ausgehandelten 3-5% ja nun eher mies. Auch da wären konkurrierende Gewerkschaften von Vorteil.

Herr Thomas Albers

04.05.2015, 08:06 Uhr

"Von den Einheitsgewerschaften des DGB ist da ja nichts mehr zu hören. "

Die sind ja auch schlauer als die GDL. Die kompromisslose Haltung dieser Gewerkschaft schafft in der Bevölkerung eine Stimmung die es der Regierung erlaubt, das Streikrecht weiter zu beschränken. Außerdem wissen die meisten anderen, dass sie bei so einem Vorgehen den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

Da die Bundesrepublik auf funktionierenden Transport angewiesen ist, erhöht das über dies hinaus einerseits den Druck, Züge zu automatisieren und bei Ausschreibungen zu diversifizieren - die Bahn AG wird sich mit mehr Konkurrenz anfreunden müssen. Wenn die GDL die Bahn AG bestreikt, fahren andere Mitbewerber vielleicht noch. Die GDL tut sich strategisch keinen Gefallen.

Spätestens dann, wenn die Bahn oder Konkurrenten auf autonome Züge umstellen - das lässt sich gar nicht aufhalten - und die Lokführer auf die Solidarität der Bevölkerung angewiesen sind, wird ihnen nur Häme und Spott entgegenschlagen.

Herr Niccolo Machiavelli

04.05.2015, 08:20 Uhr

Richtig, die GdL schaufelt sich ihr eigens Grab.

Was macht wohl Herr Weselsky, wenn er insoweit überflüssig wird? Arbeitet er dann am Bahnndamm in seinem Schrebergarten und beobachtet die vorbeirauschenden Züge?

@ Herr Meisenkaiser, möchten Sie nicht Mitglied der GdL wären? Vielleicht können Sie deren Untergang noch beschleunigen.

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