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16.11.2014

11:29 Uhr

Bahnstreik

Jetzt droht Bahn-Gewerkschaft EVG mit Streiks

Das Chaos, das die Lokführergewerkschaft GDL in den vergangenen Wochen im Bahnverkehr anrichtete, ist vielen Reisenden noch im Gedächtnis. Jetzt droht die größere Gewerkschaft EVG ebenfalls mit Streik.

Reisende könnten diese Anzeige bald wieder öfter sehen. dpa

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Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn droht nach den Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL nun auch die konkurrierende Bahn-Gewerkschaft EVG mit Arbeitsniederlegungen. "Es kann nicht die Lösung sein, am Ende zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten zu haben", sagte EVG-Chef Alexander Kirchner dem "Tagesspiegel am Sonntag" mit Blick auf die geplanten parallelen Verhandlungen der Deutschen Bahn mit GDL und EVG. "Dann werden wir für unsere Interessen eintreten, notfalls mit einem Arbeitskampf", warnte Kirchner.

Die Deutsche Bahn hatte den beiden konkurrierenden Gewerkschaften vorgeschlagen, die Tarifverhandlungen parallel fortzusetzen. Am Dienstag ist ein vertrauliches Spitzengespräch geplant, am Freitag sollen Verhandlungen geführt werden. Knackpunkt im Tarifstreit bei der Deutschen Bahn ist die Frage, welche Gewerkschaft für welche Berufsgruppen die Verhandlungen führen soll.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die GDL will für das gesamte Zugpersonal verhandeln und nicht nur für die Lokführer. Dabei steht sie in Konkurrenz mit der EVG. Die Lokführer hatten in den vergangenen Wochen bereits mehrmals für ihre Forderungen gestreikt.

Die EVG lehnt unterschiedliche Regelungen für gleiche Berufsgruppen ab. "Tarifkonkurrenz ist für das Unternehmen nicht gut und für die Beschäftigten auch nicht", sagte Kirchner dem "Tagesspiegel". Er hob aber zugleich hervor, dass seine Gewerkschaft mit "zwei inhaltsgleichen Tarifverträgen" kein Problem habe. Allerdings würde seiner Ansicht nach der Konflikt in ein oder zwei Jahren "wieder hochkochen".

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Kirchner kritisierte zudem den Kurs der GDL. "Bei der GDL ist es seit langer Zeit Strategie, den Konflikt und die Eskalation zu suchen", sagte der EVG-Vorsitzende. Immer wenn seine Gewerkschaft für etwas sei, sei die GDL dagegen. Er wandte sich auch gegen den Vorwurf, die EVG sei die "Hausgewerkschaft" der Bahn. "Den Konflikt mit der Bahn in Sachthemen tragen wir aus, nicht die GDL", zeigte sich Kirchner überzeugt.


Von

afp

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