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05.05.2015

06:21 Uhr

Bahnstreik

„Kunden werden nicht vor Begeisterung klatschen“

Quelle:dpa

Für Millionen Pendler wird es wieder ungemütlich. Die Lokführer sind in der Nacht um 2.00 Uhr auch im Personenverkehr in den Streik getreten. GDL-Chef Weselsky keilt weiter gegen das Bahn-Management.

Lokführer-Streik

"Dritter Zug fällt aus, Flugzeug weg, Tausende Euros Pfutsch!"

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BerlinDie Lokführer wollen ihre Arbeit ab heute bis Sonntagmorgen ruhen lassen. Die Güterzüge der Bahn werden bereits seit Montagnachmittag bestreikt. Es ist der achte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt und mit fast sechs Tagen Dauer der längste seit Gründung der Deutschen Bahn 1994.

Die Bahn hat Ersatzfahrpläne aufgestellt. Demnach soll noch etwa jeder dritte Fernzug im Einsatz sein. Im Regionalverkehr will die Bahn 15 bis 60 Prozent des regulären Angebots aufrechterhalten, wobei mit den größeren Ausfällen in Ostdeutschland gerechnet wird. Im Westen der Republik gibt es unter den Lokführern noch einige Tausend Beamte, die nicht streiken dürfen. Auch die S-Bahnen sind von der Arbeitsniederlegung betroffen.

Hintergrund ist der seit inzwischen zehn Monaten andauernde Tarifkonflikt der Bahn mit den Gewerkschaften. „Wir wissen, dass die Bahnkunden nicht vor Begeisterung am Bahnsteig stehen und klatschen“, sagte der Chef der Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky.

Er lehnte am Montagabend im Interview der ZDF-Sendung „Wiso“ erneut die von der Bahn vorgeschlagene Schlichtung ab. Es gehe um grundgesetzlich geschützte Rechte der GDL-Mitglieder. „Wir lassen nicht über Grundrechte schlichten.“

Weselsky verwies auf zwei Urteile der hessischen Arbeitsgerichte aus dem November 2014. „Unser Verhalten ist rechtmäßig, zulässig und verhältnismäßig.“ Die Bahn verhandele mit dem Ziel, keinen Abschluss mit der GDL zu erreichen, weil sie auf das neue Gesetz zur Tarifeinheit warte. Die Bahn weigere sich daher auch, Zwischenergebnisse schriftlich zu fixieren.

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In den ARD-Tagesthemen sagte Weselsky: „Wir haben Druck aus der Gewerkschaft von innen, von unseren Mitgliedern. Viel zu lange haben wir verhandelt nach deren Ansicht, viel zu lange wird von Seiten den Bahnmanagements der Druck ignoriert, der auf unseren Leuten lastet.“

Er fügte hinzu: „Wenn das Bahnmanagement unbeeindruckt auf uns zeigt unter der Überschrift ‚das sind Streikhanseln‘, dann werden die Mitglieder der GDL - die Lokführer und Zugbegleiter - das Management weiter abstrafen wollen!“

Kommentare (8)

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Herr Paul Rimmele

05.05.2015, 08:11 Uhr

Der Standort Deutschland wird wieder mal massiv gefährdet; weiter so, dann ist das "zarte
Pflänzchen" Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenzahlen bald zu Ende.
Man kann sich auch selber vorführen und zerstören; "seelig sind die Bekloppten, denn sie
brauchen keinen Hammer".

Herr Fred Meisenkaiser

05.05.2015, 08:18 Uhr

Von dem Wirtschaftswachstum profitieren die Bürger kaum: viele müssen heute mzwei Jobs haben, um den Lebensunterhalt zusichern; im Alter warten auf die Meisten Renten auf Grundsicherungsniveau. Von Wirtschaftsaufschwung profitieren nur reiche und Finanzverbrecher.
Und die Arbeitslosenzahlen sind kaum gesunken, nach wie vo rca.7Mio nicht, oder prekär beschäftigt. Aber H4 taucht ebenso wie Umschulung nicht mehr in der Statistik auf.

So sind die lokführer die Einzigen, die versuchen, die Abwärtsspirale zu durchbrechen!
Ich wünsche ihnen, dass sie durchhalten! Es gibt keinen Grund für Zurückhaltung. Reiche und die Politiker bedienen sich auch großzügig!

Herr Lee Rtasche

05.05.2015, 08:42 Uhr

Eine Geschäftsführung, die nach10 Monaten in einem so vulnerablen Wirtschaftsbereich zu keinem Tarifabschluss kommt, ist als
VERHANDLUNGSUNFÄHIG
zu bezeichnen und damit auch in seiner Gesamtheit untragbar.
Politische Lösung::
GESCHLOSSENER RÜCKTRITT.

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