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15.05.2015

11:47 Uhr

Bahnstreik

Weselsky wirbt intern um Verständnis

Die Autovermietung Sixt kürt ihn zum Mitarbeiter des Monats, ein Fernbus-Anbieter benennt ein Fahrzeug nach ihm: GDL-Chef Claus Weselsky kommt zu unerwarteten Werbe-Ehren – intern wirbt er nun dafür um Verständnis.

Die Lokführergewerkschaft hat ihre Mitglieder aufgerufen, beim bisher längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn die Züge sechs Tage lang stehen zu lassen. dpa

GDL-Vorsitzender Claus Weselsky

Die Lokführergewerkschaft hat ihre Mitglieder aufgerufen, beim bisher längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn die Züge sechs Tage lang stehen zu lassen.

BerlinDer Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat einem Bericht zufolge intern um Verständnis für seinen Kurs im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn geworben. Dabei habe Weselsky auch die Ablehnung einer Schlichtung gerechtfertigt, berichtet die „Bild-Zeitung“ (Freitag) unter Berufung auf ein fünfseitiges Schreiben der GDL-Führung.

Eine Lösung des Konflikts sei nur möglich, wenn die Bahn bereit sei, mehrere Tarifverträge zu akzeptieren. „Ein solcher Trumpf sticht nur im aktuellen „Spiel“ mit der Deutschen Bahn und danach nie wieder“, heißt es demnach in dem Brief an die Mitglieder. Weselsky hatte die Initiative der Bahn, den früheren Ministerpräsidenten Brandenburgs Matthias Platzeck (SPD) als Vermittler im dem festgefahrenen Tarifstreit einzusetzen, zurückgewiesen.

Die Gewerkschaft will für alle Berufsgruppen des Zugpersonals eigene Tarifverträge erstreiten. Die Bahn peilt für die GDL und die Konkurrenzgewerkschaft EVG inhaltlich gleiche Vereinbarungen an. Nach dem bisher längsten Streik, der am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen war, kündigte die GDL vorübergehend eine Pause in dem Arbeitskampf an.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Unterdessen kommt Weselsky, der schon „Mitarbeiter des Monats“ bei einer Autovermietung war, zu neuen Werbe-Ehren: Der Fernbus-Anbieter „Deinbus“ hat sein neuestes Fahrzeug nach dem streitbaren Gewerkschaftsführer benannt. Da viele Passagiere wegen der Bahnstreiks auf das noch junge Verkehrsmittel Fernbus umstiegen, zeige sich Deinbus nun „mit einem kleinen Augenzwinkern“ dankbar, wie das Unternehmen aus Offenbach mitteilte.

Von

dpa

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