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12.01.2010

13:27 Uhr

Bahnverkehr

Warum der Wettbewerb nicht in Fahrt kommt

VonEberhard Krummheuer

Mit dem ICE nach London? Harte Konkurrenz auf deutschen Schienen? Der Bahnfernverkehr in der EU ist jetzt liberalisiert. Das birgt Möglichkeiten und weckt Fantasien. Doch die Realität sieht anders aus.

Bitte umsteigen: Eine Fahrt von Köln nach London mit dem ICE wird es wohl vorläufig nicht geben. dpa

Bitte umsteigen: Eine Fahrt von Köln nach London mit dem ICE wird es wohl vorläufig nicht geben.

DÜSSELDORF. Guillaume Pepy, Chef der französischen Staatsbahn SNCF, schürte das Feuer: Die Franzosen planten einen Großangriff auf den großen Konkurrenten und Nachbarn im Osten; von Straßburg aus wollten sie als Wettbewerber in das deutsche Fernverkehrsnetz bis nach Berlin und Hamburg einsteigen, hallte es im letzten Herbst durch die Medienlandschaft. Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr bei der Deutschen Bahn (DB), blieb nach dem Vorstoß aus Frankreich die Spucke weg: "Wir waren verblüfft."

Zwar greift seit Jahresbeginn die von der EU verordnete Marktöffnung im Personenfernverkehr auf Schienen. Doch nach jahrelangem Hin und Her über die Zulassung von TGVs im deutschen und ICEs im französischen Netz setzten die Deutschen im neuen Wettbewerbsmarkt Fernverkehr auf Kooperation statt Konkurrenz mit den Franzosen. Alleo, die Partnerschaft der Staatsbahnen für den ständig wachsenden ICE- und TGV-Verkehr zwischen Paris und Frankfurt sowie Stuttgart, gehört zu den Erfolgsmodellen, die den Airlines die Passagiere abspenstig machen.

Inzwischen ist Pepy zurückgerudert. Die Überlegungen, in den deutschen Fernverkehrsmarkt einzusteigen, seien eine "Vorsichtsmaßnahme" für den Fall, dass man die Kooperationen nicht weiter ausbauen könne, sagte der Pariser Bahnchef in einem Interview. Die Drohgebärde aus Paris kam aber nicht von ungefähr: Begehrlich blicken Deutsch-Bahner auf die neue TGV-Linie "Rhin-Rhône", die ICE-Verbindungen von Frankfurt via Straßburg Richtung Lyon und Côte d?Azur möglich macht.

Straßburg - Hamburg

Über den deutschen Ableger ihrer 45-Prozent-Tochter Keolis, die längst zu den großen Wettbewerbern im Schienennahverkehr in Deutschland gehört, haben die Franzosen bei der DB Netz Interesse an Fernzugfahrmöglichkeiten auf den Linien Straßburg-Frankfurt-Köln-Hamburg sowie Straßburg-Frankfurt-Erfurt-Berlin-Hamburg angemeldet. Straßburg wählten die cleveren Franzosen als Start- und Zielpunkt, weil internationale Verbindungen bei der Fahrplangestaltung gemäß EU-Vorgaben Vorrang haben.

Dass die SNCF die Tochter Keolis wirklich auf die Reise schickt - nicht etwa mit schnellen TGVs, sondern mit ganz normalen Schnellzügen - halten Experten gleichwohl für unwahrscheinlich. "Sollte die SNCF der DB den Krieg erklären, so dürfte das in den Bilanzen beider Bahnen tiefrote Spuren hinterlassen", sagte ein Unternehmensberater. Ein anderer weist darauf hin, dass die DB in ihrem Netz mit dem Intercity- und ICE-Angebot bei den Zügen und beim Taktfahrplan bereits derart hohe Standards setze, dass es Newcomer schwer haben dürften, gerade auf den Hauptstrecken erfolgreich zu sein.

Das sehen potenzielle Herausforderer der DB allerdings anders. Der erste und bisher einzige Konkurrent im Fernverkehr ist Véolia Verkehr, die frühere Connex. Nach sieben mageren Jahren verdiene die sonst im Bus- und Bahn-Nahverkehr tätige französische Konzerntochter mit ihrem zwischen Ostsee, Berlin und Leipzig pendelnden Fernzug Interconnex endlich Geld und "prüfe" nun den Ausbau des Angebots. Auf Strecken, die früher von inzwischen eingestellten Interregio-Zügen der DB bedient wurden, sieht Marketingchef Andreas Winter "noch eine Lücke". Geld verdient er aber wohl eher im Wettbewerb mit dem ICE zwischen Berlin und Leipzig - mit Preisen unter Bahncard-Rabatten.

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