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04.01.2017

21:00 Uhr

Bangladesch

Das Schmuddelkind der globalen Textilindustrie

VonFrederic Spohr

Tausende Beschäftigte im Textilsektor streiken in Bangladesch. Fabrikanten reagieren mit Massenentlassungen und Anzeigen – auch jene, die für westliche Modemarken wie Zara, H&M und Gap produzieren.

Tausende Beschäftigte in Bangladesch haben die Arbeit niedergelegt, um höhere Löhne durchzusetzen. dpa

Textilfabrik in Bangladesch

Tausende Beschäftigte in Bangladesch haben die Arbeit niedergelegt, um höhere Löhne durchzusetzen.

BangladeschIn Europa sind die Menschen zur Weihnachtszeit in die Modehäuser geströmt, im Textilland Bangladesch zu Demonstrationen: In Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, forderten zehntausende Näher eine Erhöhung des monatlichen Mindestlohns von umgerechnet rund 60 auf 200 Euro. Wie ein Feuer griffen die Streiks von einer Fabrik auf die nächste über. Rund 59 Betriebe machten zeitweise dicht.

Doch während der Festtage erhielten die Aufmüpfigen die Quittung: Polizeiangaben zufolge entließen die Fabriken rund 1600 Beschäftigte, Gewerkschaften sprechen sogar von rund 3500 Betroffenen. Anführer der Streiks sowie einfache Arbeiter wurden von Fabrikmanagern sogar bei der Polizei gemeldet und kurzfristig festgenommen – unter anderem wegen Vandalismus und Unruhestiftung.

Es brodelt seit längerem in Bangladesch: Mehr als drei Jahre nach der Rana-Plaza-Katastrophe bleibt das südasiatische Land das Schmuddelkind der globalen Textilindustrie. Während sich die Sicherheitsstandards zumindest in manchen Fabriken schrittweise verbessern, sorgen nun die geringen Löhne für immer heftigere Spannungen. Das letzte Mal wurde der Mindestlohn vor drei Jahren erhöht – als Reaktion auf das Unglück von Rana Plaza. Das achtgeschossige Gebäude in der Nähe der Hauptstadt, in dem mehrere Textilfirmen, Geschäfte und eine Bank untergebracht waren, war am 24. April 2013 eingestürzt. 1127 Menschen kamen ums Leben, 2438 wurden verletzt. Es war der bisher schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes.

Doch die jüngsten Ereignisse zeigen, was passiert, wenn die Belegschaften Verbesserungen fordern. Die Nichtregierungsorganisation „Clean Clothes Campaign“ nennt das Vorgehen der Behörden und der Unternehmen in Bangladesch „einen Angriff auf legitime Arbeiterorganisationen und einen Versuch, Beschäftigte dabei zu stoppen, auf ihre Armutslöhne und schrecklichen Arbeitsbedingungen hinzuweisen.“

Es sind diesmal nicht nur die kleinen Betriebe, in denen Arbeiter für ihre Proteste bestraft wurden. Mehrere Medien in Bangladesch berichten, dass auch große Unternehmen gegen die Arbeiter vorgegangen seien.

So hätten die Sharmin Group oder die Ha’Meem Group mit Entlassungen und Anzeigen gegen ihr Personal reagiert – beide Firmen beschäftigen zehntausende Arbeiter. Als Kunden führen sie auf ihren Websites zahlreiche westliche Ketten auf, unter anderem H&M, Gap und Zara.

Kommentare (1)

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Herr Stefan Nold

05.01.2017, 11:04 Uhr

Es ist die Schuld jedes einzelnen von uns, denn uns ist es egal, ob die Produkte, die wir benutzen, von Sklaven gefertigt werden. Weniger kaufen, aber dann darauf achten, wo und wie das Zeug hergestellt wird. Meine letzte Jeans habe ich deshalb von Joker gekauft, weil ich vorher ein wenig recherchiert habe:

http://www.attac-netzwerk.de/heilbronn/themen/saubere-kleidung/aktionen/2011-09-besuch-joker/

Interessanterweise findet sich auf der Homepage des Unternehmens selbst darüber nur wenig Informationen:

http://www.joker-jeans.de/

Und für diejenigen, die gern die abendländischen christlichen Werte vor sich hertragen: Jesus spricht:
"Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan."
Mt 25, 40.

Man kann das nicht immer praktizieren und natürlich hängt das auch von den finanziellen Möglichkeiten ab. Es ist aber wichtig, den Prozess der schrittweisen Verbesserung (Kaizen) nicht nur im Geschäft, sondern auch in unserem ganzen Leben anzuwenden.

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