Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2007

09:34 Uhr

Bankrott und Neuanfang

Chronik: Der Weg der Swiss zur Lufthansa

Die Schweiz hat sich knapp 74 Jahre lang eine eigenständige nationale Fluglinie geleistet. Bereits vor rund zehn Jahren gab es erste Annäherungen im deutsch-schweizerischen Luftverkehr. Die Deutsche Lufthansa prüfte damals unter Führung des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber einen möglichen Zusammenschluss mit der Swissair. Im folgenden eine Chronologie der Dauerkrise bei Swiss und der Übernahmeversuche von Lufthansa:

26. März 1931: Swissair entsteht aus der Fusion der Luftfahrtgesellschaften Balair (gegr. 1922) und Ad Astra Aero (gegr. 1919).

1979: Gründung der Regionalfluglinie Crossair, die 1991 Swissair- Tochter wird.

1995/1996: Erste Gespräche von Lufthansa mit Swissair scheitern. Swissair verbündet sich mit Delta Air Lines und Singapore Airlines, bleibt aber eigenständig.

Anfang 1997: Der neue Chef der SAirGroup Philipp Bruggisser lanciert die „Hunter“-Strategie: Kapitalbeteiligungen bei nationalen und regionalen Gesellschaften.

2. Oktober 2001: „Grounding“ der Swissair - die Flugzeuge bleiben wegen leerer Kassen am Boden, Passagiere sitzen an den Flughäfen fest. Die 70 Jahre alte Swissair meldet Konkurs an. Ein teurer Expansionskurs in Europa ist gescheitert. Hinzu kommt die Krise der Luftfahrt nach den Anschlägen vom 11. September. Die Unterbrechung des Nordatlantik-Flugverkehrs bringen der mit 17 Mrd. Franken (11 Mrd Euro) verschuldeten Swissair zusätzliche Einbußen von 65 Mill. Franken.

16./17. November 2001: Die Parlamente bewilligen 2,1 Mrd. Franken für die Weiterführung des Flugbetriebs bis Ende März 2002 und den Aufbau einer neuen Fluglinie aus der Swissair-Tochter Crossair. Schweizer Kantone, Unternehmen und Banken unterstützen das Rettungskonzept für eine nationale Fluglinie.

13. März 2002: Start der Swiss, die aus der Regionalfluglinie und Swissair-Tochter Crossair hervorgeht. Sie betreibt noch gut 130 Flugzeuge und beschäftigt rund 12 000 Mitarbeiter. In den folgenden Jahren werden Flotte und Belegschaft wegen andauernder Verluste mehrfach verkleinert.

Februar/März 2003: Der Verlust für 2002 summiert sich auf fast eine Milliarde Franken (664 Mill. €).

Mai/Juni 2003: Lufthansa und Swiss verhandeln über eine Fusion. Air France beendet Allianzgespräche mit den Schweizern.

23. September 2003: Swiss gibt Lufthansa überraschend kurz vor einer Einigung einen Korb und kündigt den Beitritt zur Luftfahrtallianz Oneworld von British Airways an.

März/April 2004: Führungswechsel bei Swiss. Der ehemalige Lufthansa-Manager Christoph Franz wird Nachfolger von Andre Dose.

Juni 2004: Der Swiss-Beitritt zu Oneworld scheitert am Vielfliegerprogramm. Swiss verliert eine Reihe wichtiger Start- und Landezeiten (Slots) in Großbritannien. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber signalisiert weiterhin Interesse an Swiss.

November 2004: Swiss legt erstmals durch Fliegen erwirtschaftete schwarze Quartalszahlen vor. Von Juli bis Ende September 2004 blieb ein Reingewinn von 16 Mill. Franken (10,4 Mio Euro) nach einem Verlust von 276 Mill. Franken im Jahr zuvor.

Januar/Februar 2005: Für 2004 meldet Swiss einen Jahresverlust von 140 Mill. Franken. Die für 2005 geplanten schwarzen Zahlen werden jetzt 2006 erwartet. Ein erneutes Sanierungskonzept soll bis Mitte 2006 rund 300 Mill. Franken (knapp 200 Mill. €) bringen.

13. März 2005: Lufthansa und Swiss kündigen die Übernahme der Schweizer Fluglinie durch den deutschen Konzern an. Beide bestätigen nach mehreren Medienveröffentlichungen seit längerem laufende Verhandlungen. Die zuständigen Gremien müssen noch zustimmen. Es ist bereits der zweite Anlauf für eine Swiss-Übernahme durch die Lufthansa. Der erste war an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Swiss verfügt noch über 80 Flugzeuge und 7900 Mitarbeiter (bei 6600 Vollzeitstellen).

22. März 2005: Schweizer Regierung, Lufthansa-Aufsichtsrat und Swiss-Verwaltungsrat entscheiden über den Übernahmeplan.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×