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10.06.2015

14:24 Uhr

Bargeldlos Einkaufen

Unser Apple heißt Aldi

VonChristoph Kapalschinski

Bei Aldi kann man künftig bargeldlos und auch mit dem Handy bezahlen. Bei der Konkurrenz geht das längst. Trotzdem könnte das den Durchbruch für die Technologie in Deutschland bedeuten. Dafür sorgt der Apple-Effekt.

Aldi Nord akzeptiert in allen Filialen bundesweit kontaktlose Zahlungen. obs

Zahlen mit dem Smartphone

Aldi Nord akzeptiert in allen Filialen bundesweit kontaktlose Zahlungen.

HamburgEs war 2005, als in Frankfurt ein neuer Musikdienst live ging. Napster verteilte auf einer Pressekonferenz Aufkleber und Basecaps, um den Start seines Streamingdienstes zu feiern: unbegrenzt Musik per PC, Mac oder Handy hören für einen Pauschalbetrag im Monat. „Wir sind davon überzeugt, dass der Kunde seine Musik kaufen und besitzen will, ein Leben lang“, sagte damals ein Apple-Sprecher dem Handelsblatt.

Tempi passati – inzwischen verkauft Apple das zehn Jahre alte Modell als Innovation. Mit großer Geste erklärt der Anbieter seinen staunenden Kunden das Streaming: unbegrenzt Musik per PC, Mac oder Handy hören für einen Pauschalbetrag im Monat. Obwohl das vertraut klingt, springen alle darauf an. Online-Portale schreiben über die „Musik-Revolution“, Zeitungen drucken ganze Seiten.

Denn: Es ist allein die starke Marke Apple, die dem bezahlten Streaming nun tatsächlich zu einem Massenmarkt verhelfen könnten.

Was das mit Aldi zu tun hat? Der Discounter teilt mit, dass er künftig auch solche Debit-Karten akzeptiert, die mit NFC-Technik ausgerüstet sind. Das bedeutet: Sie müssen nicht in das Gerät gesteckt, sondern nur in die Nähe gehalten werden. Anbieter sind Maestro und Visa. Viele solcher Karten sind bereits seit vielen Monaten unterwegs, unter anderem ausgegeben von den Sparkassen. Und weil Visa und Maestro modern sein wollen, kann man auch sein NFC-fähigen Smartphone so einstellen, dass es an der Kasse so tut, als wäre es eine Bankkarte. Und nein, das ist nicht Apple Pay, das ist eine aufgehübschte EC-Karte.

Bezahlen mit dem Smartphone

In der Warteschleife

Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone gilt als der nächste große Trend. Doch noch immer steckt das Verfahren zumindest in Europa weitgehend in der Warteschleife fest. Vielen Verbrauchern sind die Möglichkeiten noch gar nicht bekannt. Um das zu ändern, seien die Anbieter gefragt, meint der IT-Verband Bitkom. Und es müsse das Vertrauen in die Technologie gefördert werden.

Quelle: dpa

Wo kann ich mobil mit dem Smartphone bezahlen?

Dem Branchenverband Bitkom zufolge gibt es deutschlandweit 60.000 Akzeptanzstellen für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Unter anderem Tankstellen setzen darauf, aber auch große Ladenketten rüsteten zuletzt deutlich auf. Auch Aldi Nord bietet nun in allen seinen 2400 Filialen bundesweit das mobile Bezahlen mit dem Handy an. Beim Discounter Netto können Kunden sogar über die Apple Watch bezahlen.

Welche Hürden gibt es noch?

Als einer der Flaschenhälse galt bislang, dass der Handel nur spärlich mit entsprechenden Terminals ausgerüstet war. Das soll sich jedoch bald ändern, da die Lesegeräte in großem Stil auswechselt werden. Laut Branchenverband Bitkom liegt auch eine Hürde darin, dass die Nutzer über die Möglichkeiten gar nicht ausreichend informiert seien.

Wie funktioniert mobiles Bezahlen?

Das Geld fließt vom Kunden-Smartphone bis zum Händler über viele verschiedene Wege. Anbieter der Transaktion sind Handelsketten, Telekom- und Internet-Unternehmen oder Hardwarehersteller wie Apple. In der Regel muss sich der Nutzer eine entsprechende App herunterladen. Manche Anbieter setzen auf den QR-Code, ein grafisches Quadrat, das ähnlich wie der Barcode funktioniert. Wer etwa an der Kinokasse mit Yapital bezahlen will, scannt mit dem Smartphone den QR-Code. Das Geld wird von einem vorher hinterlegten Guthaben abgebucht. Die meisten Angebote nutzen aber inzwischen den Nahfeldfunk NFC (Near Field Communication).

Wie läuft es mit NFC?

Dabei wird das Smartphone dicht an das Terminal gehalten. Die Transaktion kann auch über die Eingabe einer PIN-Nummer abgesichert werden. Unter anderem der Kreditkartenanbieter Mastercard etwa setzt auf NFC. Die Technologie wird von den meisten aktuellen Smartphones unterstützt, inzwischen auch von den iPhones von Apple. Deren Bezahlfunktion Apple Pay gibt es zwar vorerst nur in den USA, doch Branchenexperten erwarten, dass der Dienst auch in Europa das mobile Bezahlen deutlich in Schwung bringen wird.

Welche Risiken gibt es?

Werden Zahlungen mit persönlichen Daten mobil verschickt, könnten Kriminelle theoretisch an mehreren Stellen den Datenstrom abgreifen. Der Standard NFC gilt aber als besonders sicher, da er zum Beispiel nur über eine sehr geringe Entfernung vom Smartphone zum Terminal funkt. Dabei werden die Daten verschlüsselt. Bei Apple Pay etwa wird zudem der Fingerabdruck des iPhone-Nutzers für die Absicherung genutzt. Sollte das Smartphone geklaut werden, kann auch der Dieb nicht auf das Konto zugreifen. Kreditkartenanbieter sichern die Transaktionen zusätzlich mit einem Verfahren namens Tokenisierung. Die Daten werden damit so verschlüsselt, dass nur die Bank ihren Kunden identifizieren kann.

All das funktioniert schon lange, etwa bei Rewe oder Kaiser’s, bei Real oder Obi – und etlichen Kassen mehr. Der große Vorteil liegt beim Händler: Wenn die Karte nicht eingesteckt werden muss, geht das Bezahlen schneller. Insbesondere, wenn kein Magnetstreifen da ist, der gern mal streikt. Denn daran müssen sich die Kartenanbieter messen lassen: Die Händler bestehen darauf, dass ihr System nicht länger dauert als die durchschnittliche Barzahlung. Lieber noch schneller. Das spart Personal.

Jetzt führt, nicht gerade als erster, auch Aldi Nord das System ein. Und gleich jubelt es wieder auf allen Kanälen: Revolution an der Kasse. Bislang hatte das System eigentlich nur Leute interessiert, die in der Handels-EDV arbeiten. Jetzt könnte Aldi das berührungslose Bezahlen populär machen. So wie Apple das Streaming. Dann geht es schneller an der Kasse, und es bleibt mehr Zeit für Musik. Eine Win-win-Situation.

Kommentare (2)

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G. Nampf

10.06.2015, 14:44 Uhr

Gäääääääääähn!

Erstens: der MAgnetstreifen ist schon lange ein Anachronismus, der nur beibehalten wird, weil im nichteuropäischen Ausland (immer) noch nicht der Chip ausgelesen wird (http://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Cash#Chip_gegen_Magnetstreifen).

Zweitens: Bei ALDI kann man schon lange bargeldlos bezahlen.

Drittens: NFC bringt mehr Nachteile als Vorteile (http://de.wikipedia.org/wiki/Near_Field_Communication#Kritik: "Es gilt die einfache Sachlage: Handy weg – Geld weg – Schlüssel weg. (....)"

G. Nampf

10.06.2015, 14:48 Uhr

Wieder so ein "Weg mit Bargeld"-Artikel.

Langsam glaube ich die These einer gelenkten Systempresse. Das HB gehört jedenfalls sicher dazu.

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