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04.02.2014

19:11 Uhr

Barry-Callebaut-Chef

„Bei Schokolade wird um jeden Cent gefeilscht“

VonMartin Dowideit

Barry Callebaut ist der größte Kakaoverarbeiter der Welt. Jürgen Steinemann führt ihn mit einiger Härte. Er spricht über Kinderarbeit, Parallelen zum Geschäft mit Tierfutter und einen Konkurrenten: die Reifenindustrie.

Kakao-Verarbeitung an der Elfenbeinküste: Es droht ein globaler Produktionsengepass für den Rohstoff. Imago

Kakao-Verarbeitung an der Elfenbeinküste: Es droht ein globaler Produktionsengepass für den Rohstoff.

KölnJürgen Steinemann ist ein harter Hund. „Die Leute, die Spaß haben am sportlichen und intensiven Arbeiten, die sind richtig bei uns“, sagt der deutsche Chef des größten Kakaoverarbeiters der Welt, Barry Callebaut mit Sitz in der Schweiz. Und es schwingt mit: Wer das anders sieht, wird es schwer haben in der Firma.

Er selbst arbeite an Wochenenden und auch öfter nachts und suche Personal, das für die Arbeit brenne. Natürlich finde man auch Lösungen für Schwangere oder junge Eltern. Doch: „Ich persönlich bin gegen die 35-Stunden-Woche“, so der 55-Jährige. „Work-Life-Balance möchte ich nicht diskutieren.“

Barry-Callebaut-Chef Steinemann. ap

Barry-Callebaut-Chef Steinemann.

Seit bald fünf Jahren führt der ehemalige Chef eines Herstellers von Fisch- und Tierfutter für Großabnehmer den Konzern mit solcher Entschlossenheit. Das Geschäft läuft zur Freude der deutschen Jacobs-Familie, deren Holding die Mehrheit an Barry Callebaut hält. 23 Prozent der weltweiten Kakaoernte wird mittlerweile von dem Unternehmen verarbeitet, zuletzt übernahm der Konzern den asiatischen Konkurrenten Petra Foods und weitete so sein Geschäft deutlich aus. Im Geschäftsjahr 2013/14 soll der Umsatz bei sechs Milliarden Franken (4,9 Milliarden Euro) landen.

Ob Tiermehl oder Schokolade – im Grunde sei das doch dasselbe, sagt Steinemann. Denn auch Barry Callebaut richte sich nicht an Privatkunden. Und als Lieferant von Geschäftskunden seien die Abläufe und Fragestellungen eben ähnlich, egal ob man Tierfutter oder Kakaobutter liefere. Das Tafelschokoladen-Geschäft hat er längst verkauft. Barry Callebaut ist bei vielen Dingen dabei, aber in der Öffentlichkeit wenig präsent. Der Konzern beliefert etwa den Nahrungsmittelkonzern Unilever mit der Schokolade, die Magnum-Eis umschließt.

Die beliebtesten Schokolademarken Deutschlands

Platz 10

Sarotti

Die Schokomarke mit dem Mohr hat ihre Wurzeln in Berlin, doch kommt heute aus dem Hause Stollwerck und wird in Köln produziert.

Umfrage: Ifak Institut, Ipsos, GfK Media and Communication Research.

Platz 9

Toblerone

Die dreieckige Schokolade aus der Schweiz ist auch hierzulande ein Verkaufshit. Die Schokomarke gehört dem Lebensmittelmulti Mondelēz, der auch Milka produziert.

Platz 8

Trumpf/Schogetten

In Aachen begann die Erfolgsgeschichte der vorportionierten Tafeln. Mittlerweile gehört die Schokoladenmarke zur Krüger-Gruppe und wird auch in den großen Discountern vertrieben.

Platz 7

Kinderschokolade

„Mit der Extra-Portion Milch“ wirbt der Hersteller Ferrero für seine süßen Tafeln. Dabei bleibt die Hauptzutat natürlich Zucker.

Platz 6

Alpia

Auch die rosa Schokomarke kommt aus dem Hause Stollwerck und soll vor allem preisbewusste Kunden ansprechen.

Platz 5

Merci

Das schokoladige Dankeschön in Form kleiner Schokoriegel aus dem Hause Storck ist in Deutschland weiterhin gefragt. Inzwischen wird es in 70 Ländern weltweit vertrieben.

Platz 4

Yogurette

„Jung, Schwung, Stimmung“. Die Schokoriegel mit Erdbeer-Joghurt-Geschmack haben mittlerweile viele saisonabhängige Ableger.

Platz 3

Lindt

Der internationale Schokokonzern aus der Schweiz genießt auch in Deutschland einen guten Ruf - von Schokohasen bis Pralines.

Platz 2

Ritter Sport

Zuletzt machte der Mittelständler aus Waldenbuch durch einen Streit mit der Stiftung Warentest von sich reden. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch.

Platz 1

Milka

Der lila Riese dominiert die deutsche Schokobranche. Mittlerweile wird die Marke auch auf etlichen anderen Produkten vermarktet.

Die Mehrheit der Kakaoverarbeitung erfolge in den Erzeugerländern und der Konzern lege großen Wert darauf, die nachhaltige Versorgung mit Kakao zu sichern, so Steinemann. „Wir müssen das gemeinsam mit den Partnern in der Versorgungskette lösen.“ Daher schulte das Unternehmen im vergangenen Jahr tausende Farmer etwa an der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoproduzenten der Welt.

Das Ziel: Mehr Kakaobohnen pro Hektar ernten. „Dann hat der Farmer ein besseres Leben und wir mehr Kakao“, so Steinemann. Denn die Kakaobranche fürchtet, auf einen immensen Versorgungsengpass zuzusteuern. Etwa eine Million Tonnen könnte die Angebotslücke im Jahr 2020 betragen, denn in Schwellenländern wächst der Schokoladenkonsum rasant. Eine zu geringe Kakaoproduktion könnte für den Endverbraucher einen großen Preisanstieg bei Schokolade zur Folge haben und „daran ist niemand interessiert“, sagt Steinemann. Der Entwicklung mit Investitionen in den Anbau und in Schulungen vorzubeugen, sei aber nicht leicht, denn „am Ende wird um jeden Cent pro Tafel Schokolade gefeilscht.“

Kommentare (4)

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Kofinas

05.02.2014, 07:43 Uhr

Kakao, Kaffee, Bananen, etc. sind alles Produkte wo ein westlicher Konzern die Recourcen eines Schwellen- oder Entwicklungslandes professionell ausbeutet und den Mehrwert zu 100% abschöpft.

(...) Dieses Elend will ich nicht unterstützen! Das ist der Grund, weshalb ich aufgehört habe Schokolade zu essen.
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr_Immer

05.02.2014, 09:23 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Heller

05.02.2014, 10:01 Uhr

Klar. Ich bin auch dafür aus den Entwicklungsländern nichts mehr zu kaufen. Sollen Sie halt Kakao, Kaffee und Bananen selbst trinken und essen. Wer braucht schon Geld wenn es warm und feucht ist. Und Kinderarbeit liebe Heuchler? Das vielerorts genau die Kinderarbeit wenigstens soviel Geld in die Kassen bringt, dass genau diese Kinder wenigstens einen halben Tag in die Schule gehen können wird gerne negiert.

Und wie gessagt: Kakao trinken und Bananen essen ist doch viel gesünder als sich ein Telefon leisten zu können und ständig daran rumzudödeln. Konzerne raus aus Afrika!

Afrikaner, besetzt eure Plantagen und esst viel Kakao. Gesund und Arm!

Yep und im Westen keine Schokolade essen ist sowieso echt viel cooler als im Maßanzug Geld zu verbrennen.

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