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20.05.2016

14:46 Uhr

BAT-Deutschland-Chef

„So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“

VonChristoph Kapalschinski

Ralf Wittenberg hat sich vergeblich gegen Schockbilder auf Zigarettenschachteln gewehrt. Seit heute sind sie Pflicht. Nun wettert der Tabakmanager gegen ein Werbeverbot und verrät, ob er seinen Kindern Zigaretten kaufen würde.

„Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche.“ Johannes Arlt für Handelsblatt

Ralf Wittenberg

„Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche.“

HamburgDer Deutschland-Chef des Zigarettenkonzerns British American Tobacco, Ralf Wittenberg, empfängt in seinem Büro mit Blick auf die Hamburger Außenalster zum Interview. Er selbst pafft eine E-Zigarette – ohne Nikotin.

Herr Wittenberg, das Bundeskabinett hat Ende April beschlossen, Werbung für Tabak – bis auf Kinowerbung vor Filmen mit Altersfreigabe ab 18 Jahren – ab dem Jahr 2020 zu verbieten.

Diesen Gesetzesentwurf halten wir für unangemessen, unverhältnismäßig und nicht zielführend. Das Gesetz wird mit dem Jugendschutz begründet. Wir haben aber in Deutschland europaweit die geringste Quote von Raucher unter 18 Jahren: 7,8 Prozent. Das bisschen Werbung, das heute noch erlaubt ist, spricht Jugendliche nicht an.

Warum sind Sie gegen Werbeverbote, wenn Sie sowieso niemanden zum Rauchen verleiten wollen?

Ich will ja aktive Raucher, die die Risiken kennen, von meinen Marken überzeugen. Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche. Mit meiner Zielgruppe muss ich kommunizieren dürfen – wie jedes andere legale Unternehmen auch. Verfassungsmäßige Rechte werden durch Werbeverbote unbillig eingeschränkt.

BAT

Der Manager

Bereits seit 20 Jahren ist Wittenberg für British American Tobacco (BAT) tätig. Unter anderem war er Marketing-Direktor in Großbritannien und in Südafrika. Anschließend arbeitete er in der Londoner Zentrale. Seit eineinhalb Jahren führt Wittenberg das Deutschland-Geschäft.

Das Unternehmen

BAT hat in Deutschland 2 200 Mitarbeiter. Die Zentrale steht in Hamburg, produziert wird in der weltgrößten BAT-Fabrik in Bayreuth sowie in Bremen. 2014 kam BAT weltweit auf knapp 14 Milliarden Pfund Umsatz. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft betrug 4,5 Milliarden Pfund. In Westeuropa kamen auf 3,4 Milliarden Pfund Umsatz 1,2 Milliarden Pfund Gewinn.

In allen anderen EU-Ländern gibt es diese Werbeverbote schon. Dort scheint es keine verfassungsrechtlichen Probleme zu geben.

Jedes Land hat seine eigene Verfassung. Das Eigentum und die Berufsfreiheit sind verfassungsrechtlich verbürgte Grundrechte. Die Marke ist geistiges Eigentum und ist von dem Grundrecht auf Eigentum in Art. 14 GG geschützt.

Das klingt, als wollten Sie den Rechtsweg einschlagen.

Der Rechtsweg ist für uns immer nur die ultima Ratio und kein Weg, den wir leichtfertig gehen. Derzeit appellieren wir an den Gesetzgeber, hier Vernunft und Augenmaß walten zu lassen. Bei diesem Gesetzesentwurf handelt sich um keine vernünftige Regulierung. Ein großes Problem ist nämlich auch, dass die Regulierung die tabakfreie eZigarette gleichstellt mit Tabak – auch dann, wenn sie nicht einmal Nikotin enthält. Dabei sagt Public Health England, dass E-Zigaretten etwa 95 Prozent weniger gesundheitsschädlich als Tabak sind. Es findet ja keine Verbrennung statt, bei der typischerweise die gefährlichen Partikel freigesetzt werden würden.

Was unternehmen Sie gegen das Werbeverbot?

Wir bestehen darauf, dass wir im Gesetzgebungsverfahren angehört werden. Wir werden auch dafür kämpfen, dass das so nicht umgesetzt wird. Wir stehen dabei nicht allein, denn ich sage Ihnen: Bei Tabak wird es nicht bleiben. Andere kritisierte Industrien werden die nächsten sein.

Wie kommen Sie darauf?

Vertreter der Politik haben bereits ausgerufen, dass Zucker der neue Tabak sei und in der Bundestagsdebatte Ende Februar über das neue Tabakerzeugnisgesetz wurde offen gefordert, dass man sich mit ähnlichen regulatorischen Schritten nun dem Alkohol zuwenden müsse. Uns überrascht, mit welcher Dringlichkeit das Gesetz durchgesetzt werden soll. Das gleicht einem Taschenspielertrick: Die EU-Richtlinie zu Schockbildern auf den Verpackungen wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, weitgehend eins zu eins umgesetzt – und die Verschärfungen kommen nun in einem weiteren Gesetz, während die Tinte des ersten noch nicht trocken ist. Und es soll unbedingt noch vor der Sommerpause in den Gesetzgebungsprozess. Das ist schon interessant.

Haben Sie einen Plan B, falls sie die Werbeverbote nicht verhindern können?

Wir kennen die Situation ja aus den anderen europäischen Ländern. Natürlich gibt es Wege, mit unseren Verbrauchern zu kommunizieren – aber es ist wesentlich aufwendiger. Denn über Außenwerbung kann man recht schnell Markenbekanntheit erzeugen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

20.05.2016, 15:13 Uhr

Die ausgewählten Schockbilder werden ihr Ziel nicht erreichen. Warum hat man nicht besser Bilder unserer aktuell regierenden Politiker ausgewählt?

Herr Helmut Metz

20.05.2016, 15:13 Uhr

Der Staat bzw. die "freiheitliche" (räusper!!) Staatengemeinschaft EUdSSR wird immer weiter die Bürger gängeln (und zu "besseren Menschen" umerziehen wollen - sowas hatten wir doch schon einmal), bis sie selber hinweggefegt wird. Gegenüber den Bildern, die es dann zu sehen gibt, sind die auf den Zigarettenschachteln hier ein fröhlicher Kindergeburtstag. Man kann sie heute schon in den Schock-Videos der IS betrachten, oder wahlweise in Geschichtsbüchern zur Französischen Revolution.
Der freie Markt liefert selbstverständlich auch ein probate "Lösung" für diese bösartige Gängelei: Zigarettenetuis, die es bei jedem guten Tabakhändler zu kaufen gibt. In der besonders edlen Variante gibt es die auch aus echtem Gold...

Herr Paul Kersey

20.05.2016, 15:23 Uhr

Komisch! Ich habe heute gehört (aber ist wahrscheinlich wieder Lügenpresse), dass die Abschreckungskampagne in Australien hervorragend gearbeitet hat.
Es gibt nur zwei Hebel, mit denen man den volkswirtschaftlichen Schaden durch Raucher minimieren kann. 1) Rauchen extrem verteuern 2) Rauchen extrem unsexy erscheinen lassen. Die Kombination aus beidem wirkt am besten. Und kein Nichtraucher hat Bock mit seinen Krankenkassenbeiträgen die Krankenhauskosten und sauteuren Chemo- und Strahlentherapien von den ganzen Idioten zu bezahlen, die die Finger von den Fluppen nicht lassen können. Also Bilder auf die Packungen und direkt noch mal nen Euro teurer machen. Daumen hoch!!!!

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