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05.08.2013

11:51 Uhr

Baubranche

Alpine-Pleite zieht spanische Mutter in rote Zahlen

Mehr als 600 Millionen Euro Verlust: Der spanische Konzern FCC leidet unter der Alpine-Pleite. Doch die bisher größte Insolvenz Österreichs ist nicht der einzige Grund für den großen Verlust.

FCC arbeitet an der Kompensation der Alpine-Pleite. Reuters

FCC arbeitet an der Kompensation der Alpine-Pleite.

Madrid/WienDie Pleite der österreichischen Baufirma Alpine kommt den spanischen Mutterkonzern FCC teuer zu stehen. In der ersten Jahreshälfte verbuchte FCC einen Verlust von 607 Millionen Euro. Der Umsatz fiel um 13,7 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, wie die Nummer fünf der Branche in Spanien am Montag mitteilte. Damit sind die Erlöse schon seit neun Quartalen in Folge rückläufig. Insgesamt verbrannte FCC 47,7 Millionen Euro an Bargeld.

Neben der Pleite von Alpine im Juni bekommt FCC auch die hartnäckige Rezession in Spanien zu spüren. Vor allem öffentliche Bauvorhaben liegen in dem südeuropäischen Land angesichts knapper Kassen auf Eis. Dazu kommen mehrere Reformen, die das Geschäft mit erneuerbaren Energien belasten. Das Unternehmen will sich von Geschäftsteilen trennen, um seinen Schuldenberg abzutragen. Bis Jahresende soll die Verschuldung auf sechs Milliarden Euro sinken, Ende Juni waren es 6,7 Milliarden Euro.

Die Pleite von Alpine Bau Mitte Juni war der größte Firmenzusammenbruch der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Die FCC-Tochter war an internationalen Großprojekten wie Stuttgart 21 und dem Gotthard-Basistunnel beteiligt. Die österreichische Regierung hatte nach der Insolvenz ein 1,5 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket angekündigt, um die Baubranche zu beleben. Im Herbst wird in Österreich ein neues Parlament gewählt.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Nur gut ein Monat nach der Pleite der Baufirma Alpine hatten Ende Juli bereits vier von fünf Beschäftigten in Österreich einen neuen Job gefunden. Die meisten der rund 4900 ehemaligen Arbeitnehmer seien bei anderen Baufirmen untergekommen, die Teile des insolventen Konzerns übernommen hatten, teilte die zuständige Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) mit. Einige hätten sich auch selbst auf die Suche nach einer neuen Anstellung gemacht.

Insgesamt hätten bislang 3919 Ex-Alpine-Mitarbeiter wieder einen Job gefunden. Weitere etwa hundert Beschäftigte aus der Verwaltung unterstützten derzeit und voraussichtlich auch in den kommenden Monaten den Insolvenzverwalter bei seinen Geschäften.

Von

rtr

Kommentare (2)

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krabak

05.08.2013, 13:08 Uhr

Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst des gigantomanen Finanzkapitalspekulationismus, der sich hinter der Maske der Neuen Sozialen Marktwirtschaft und in den USA und Asien hinter der Maske der Plutonomy verbirgt.

Dass die neuen Herrenmenschen aus Deutschland, mit den in Südeuropa immer schneller zusammenbrechenden Gesundheitssystemen wieder jene Stellung erwerben, die in der Vergangenheit mit dem Satz: "Der Tod ist ein Meister aus Deutschland" beschrieben worden war, dürfte wohl als Zynismus der Gesetzmässigkeit der geschichtlichen Entwicklung gelten, über die ja die Bundeskanzlerin aufgrund ihres Studium des Marxismus-Leninismus bestens informiert ist und die ihre These von den zahlreichen Alternativlosigkeiten auch so total plausibel macht.

Gut für diese Frau, Deutschland 2013 das Tal der Ahnungslosen und aufgrund der immensen Überversorgung mit Hamburgern durch die US Plutonomy unserer amerikanischen Freunde auch das Land der Dumpfbacken und Rammdösigen ist.

Freuen wir uns, die Kanzlerin ist die Garantin für den Endsieg der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, der Führungs-, Leitungs- und Lenkungskräfte sowie deren Leistungsträger Seit an Seit mit den amerikanischen Plutocrats stehen.

Von Amerika lernen, heisst siegen lernen. Und das hat ja die Angela schon als Kind bei den jungen Pionieren gelernt. Sie musste nur noch die Abkürzung UdSSR durch USA ersetzen. Wie einfach doch die Welt ist. Aber wenn es für die FCC eng wird, dann wird schon der Schutzschirm die Shareholder und Hauptkreditgeber vor dem Schlimmsten bewahren.

Gell.

Account gelöscht!

05.08.2013, 16:30 Uhr

Interessant: Firmen eines Pleitelandes kaufen Firmen in anderen europäischen Ländern. Aber eigentlich ists ja egal, da die monetären Transferleistungen ja flutschen.

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