Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.06.2013

16:04 Uhr

Bauern nach der Flut in Not

Die Ernte säuft ab

VonCarina Kontio

Faulendes Gras, verrottetes Getreide, matschige Kartoffeln: Den deutschen Bauern setzt die Flutkatastrophe schwer zu. Bis zu 20.000 Betriebe standen in den letzten Wochen unter Wasser – und die Bauern teils vor dem Aus.

Das Wasser steht, hartnäckig, bis zu den Ähren. Der Boden ist ja wie ein voll gesogener Schwamm. dpa

Das Wasser steht, hartnäckig, bis zu den Ähren. Der Boden ist ja wie ein voll gesogener Schwamm.

DüsseldorfWährend sich die Flut immer weiter zurück zieht und die Helfer mit den Aufräumarbeiten beschäftigt sind, ist für Michael Briest der Horror längst nicht überstanden. Der Landwirt ist Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Schwarzbuntzucht Fischbeck, in jener 600-Seelen-Gemeinde im Norden Sachsen-Anhalts, die nach einem Deichbruch in der Nacht des 10. Juni zum Inbegriff der Flut wurde. „Hier ist die zweite Elbe lang geflossen“, sagt der 41-Jährige. Er wirkt immer noch fassungslos.

Seine erhöht liegende Anlage hat er gerettet, die 1400 Rinder auch. Sieben Mitarbeiter harrten aus, fütterten die Tiere, schliefen neben ihnen und melkten sie. „Mitternacht ist der Deich gebrochen, zwei Stunden später war das Wasser da“, erzählt Briest. Vor einer Schwelle vor dem Stall stoppte die Flut. „Ich weiß nicht, was wir sonst gemacht hätten.“ Die durch das 90 Meter lange Loch im Deich ins Hinterland strömenden Wassermassen haben sich von 1850 Hektar genossenschaftlicher Fläche mindestens 1500 Hektar genommen. Das Wasser steht, hartnäckig, bis zu den Ähren. „Wo soll es denn auch hin? Der Boden ist ja wie ein voll gesogener Schwamm.“ Wie es weitergehen soll, weiß Briest nicht.

Wissenswertes zum Wetter

Begriff Wetter

Der Begriff Wetter stammt vom althochdeutschen Wetar ab und bedeutet soviel wie Wind oder Wehen. Der Meteorologe versteht darunter den Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Wetterfrosch

Der Wetterfrosch ist eigentlich ein Laubfrosch. Sein Mythos geht darauf zurück, dass er bei sonnigem Wetter an bodennahen Pflanzen hochklettert, weil die Insekten, die ihm als Nahrung dienen, bei Sonne höher fliegen als sonst. Daraus entstand die Vorstellung, er könne das Wetter nicht nur anzeigen, sondern sogar vorhersagen. Die Menschen sperrten den Frosch in ein Glas ein, in dem sich eine kleine Leiter befand. Stieg er darauf, war das ein Zeichen für gutes Wetter.

Ursprünge der Wettervorhersage

1592 erfand Galileo Galilei das Thermoskop - den Vorfahren unseres heutigen Thermometers. Als sein Lehrling Evangelista Toricelli wenige Jahre später das erste Barometer konstruierte, war der erste große Schritt in Richtung Wettervorhersage getan.

Pfälzische Meteorologische Gesellschaft

Das erste organisierte Wetterbeobachtungsnetz der Welt wurde im Jahr 1780 in Mannheim gegründet: Die Pfälzische Meteorologische Gesellschaft. Schon bald umfasste das Netz 39 Stationen, verteilt auf die ganze Welt.

Beeinflussung

Seit den 1950er Jahren ist es möglich, Wolken künstlich abregnen zu lassen. Versuche im großen Maße zur Beeinflussung des Wetters werden vor allem in China vorgenommen. Die Volksrepublik unterhält ein staatliches „Wetteränderungsamt“. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 sorgte dieses für Schönwetter, indem Flugzeuge Chemikalien versprühten, die Regenwolken entfernt von der Hauptstadt abregnen ließen.

Sonne sorgt für gute Laune

Sonne wirkt sich auf unser Gemüht aus. Lässt sie sich über lange Zeit nicht blicken, wird der Mensch schneller reizbar. Diese Verstimmung kann zu einer richtigen Winterdepression auswachsen. Warum das so ist? Die Sonne setzt neben Vitamin D auch Endorphine, also Glückshormone, frei.

So wie er leiden derzeit Tausende Landwirte in Deutschland. Mitten im Wahlkampf ist die Tragödie für Kanzlerin Angela Merkel eine Chance, bei der traditionellen CDU-Wählerschaft gut Wetter zu machen. Heute spricht sie zu ihnen beim Bauerntag. Der Bauernverband fordert ein klares Bekenntnis der Politik, die konkrete Schritte für die Landwirtschaftshilfen vereinbaren will. Geschädigte Landwirte müssen in den Fluthilfefonds von Bund und Ländern aufgenommen werden. „Wir fordern, vom Hochwasser betroffenen Bauern zu helfen, indem sie 500 Euro pro Hektar als Soforthilfe bekommen“, sagt Verbandspräsident Joachim Rukwied. „Das ist das Mindeste.“ So könnten sie Futter für ihre Tiere kaufen, laufende Rechnungen zahlen und den Betrieb weiterführen. „Da stehen Existenzen auf dem Spiel“.

Die Not ist groß. Der Deutsche Bauernverband geht davon aus, dass etwa 15.000 bis 20.000 Betriebe unmittelbar von der Naturkatastrophe betroffen sind – viele von ihnen existenzbedrohend. Annähernd 305.000 Hektar Grünland und Ackerflächen sind im Osten und Westen der Republik überflutet worden, das entspricht annähernd der Fläche vom Saarland. Etwa 800 Betriebe haben erhebliche Schäden an ihren Gebäuden erlitten, die zu einem großen Teil noch unter Wasser stehen. Auch Landmaschinen und landwirtschaftlich genutzte Wege und Brücken wurden durch die schlammig-braunen Fluten zerstört.

„Da steht das Wasser still und verdunstet ganz langsam“, erzählt Michael Lohse vom Deutschen Bauernverband. Mit dem Zug ist er ist in den vergangenen Tagen quer durch Deutschland gefahren, um sich ein Bild von den Zerstörungen zu machen. „Es gibt Gegenden, die sehen aus wie der Tegernsee: Wasser so weit das Auge reicht.“ Mülltonnen treiben durch die Straßen, in den überfluteten Höfen und Gärten schwimmen Gartenmöbel, Kinderspielzeug und Blumentöpfe. Aus idyllischen Dörfern sind traurige Orte geworden. Den Gesamtschaden schätzt Lohse derzeit auf über 400 Millionen Euro. Noch gar nicht eingerechnet in diese ersten Schätzungen: Verwüstungen, die das Hochwasser in den Privathäusern der Bauern angerichtet hat.

Kommentare (22)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Luegner

26.06.2013, 16:17 Uhr

Nach der Flut säuft die Ernte ab
---------------------------------------
Macht doch nichts, jetzt werden uns ganz sicher die stolzen Griechen und Spanier helfen, das hatten sie doch schon immer vor. Denn bei denen ist dank unserer Hilfe alles in trockenen Tüchern! Ich setze jedenfalls auf deren Dankbarkeit.

Brasil

26.06.2013, 16:19 Uhr

Selbst wenn ein Deutscher vor dem wirtschaftlichen Ruin steht, ist er nicht in der Lage sich zu wehren!
Na dann nichts wie in die Insovenz und die Politverbrecher bei der naechsten Wahl erneut in ihren Tron gehoben!

Wolfsfreud

26.06.2013, 16:30 Uhr

" Ich setze jedenfalls auf deren Dankbarkeit."
------------------
Viel Spaß dabei! Die EU hat doch schon signalisiert, daß für deutsche Flutgeschädigte kein Geld da ist. Im Gegenteil, der Club Med wird weiterhin die Hände aufhalten und sich alimentieren lassen. Seien Sie versichert, daß es denen sch***egal ist, wenn deutsche Bauern vor dem nichts stehen.(...). Anstatt Billigkredite auf Nimmerwiedersehen an südländische Firmen zu geben, sollte die KfW besser hierzulande helfen. 100 Mio. "Soforthilfe" für Flutopfer und gleichzeitig 10 Mrd. nach Portugal, da stimmen ja wohl die Relationen überhaupt nicht mehr. Ad hoc alle Zahlungen an die EU/Euro-Zone einstellen und das Geld im eigenen Land für den Wiederaufbau verwenden! So muß es gehen! Deutsche Politiker sind dem deutschen Volk verpflichtet(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×