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23.10.2016

18:14 Uhr

Bauern vor der Pleite

Cranberries in der Krise

Cranberries haben eine lange Tradition in der amerikanischen Küche. Nun droht vielen Züchtern – insbesondere kleinen Höfen – das Aus. Denn das Angebot übersteigt die Nachfrage bei Weitem.

Die Früchte werden vor allem in Nordamerika angebaut. AP

Cranberries

Die Früchte werden vor allem in Nordamerika angebaut.

RochesterSie ist reich an Vitamin C und soll Harnwegsinfektionen verhindern: Die Großfrüchtige Moosbeere, weitläufig unter der englischen Bezeichnung Cranberry bekannt, ist auch in Deutschland als Backzutat, Kompott, Knabberei oder Saft beliebt und darf in den Vereinigten Staaten in keinem Thanksgiving-Menü fehlen. Seit 200 Jahren wird die Kranbeere, wie sie auch genannt wird, in Nordamerika kommerziell angebaut. Und sie steckt in der Krise.

Steigende Produktionskosten, ein Preisverfall, veränderte Essgewohnheiten der Konsumenten und der wachsende Wettbewerb setzen den Bauern in Massachusetts, dem Geburtsort der Cranberry-Industrie, zu. Hinzu kommt eine der schwersten Dürren in der Region seit Jahrzehnten, so dass manche Höfe vielleicht nicht genug Wasser haben werden, um die Felder für die Ernte zu überfluten.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

„Für einen kleinen Züchter wie mich ist das ein echtes Verlustgeschäft“, sagt Eugene Cobb, der auf zehn Hektar Cranberries anbaut. Von den vergangenen 16 Jahren, seit er den Hof von seinem Vater erbte, kann er nur zwei als wirklich gut beschreiben.

Die Kranbeeren wachsen an Reben und werden meist geerntet, indem die Bauern die Felder erst überschwemmen und dann maschinell die Beeren abtrennen. Weil die Früchte leichter sind als Wasser, treiben sie an der Oberfläche und können abgeschöpft werden. Heny Hall, ein Veteran des Unabhängigkeitskriegs, soll den Anbau 1816 auf Cape Cod erstmals kommerziell betrieben haben.

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Schon damals war die Beere etabliert, boten doch Boden und Klima ideale Voraussetzungen für ihr Wachstum. Wahrscheinlich waren es die Ureinwohner, die den Pilgern die Verwendung der Cranberries als Lebensmittel oder Farbstoff zeigten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren bereits Rezepte für Cranberry-Sauce bekannt. Wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts wurden die Beeren auch auf Walfangschiffen eingelagert, um unterwegs Skorbut unter der Mannschaft zu verhindern.

Heute ist die Cranberry in Massachusetts die bedeutendste Nutzpflanze und generiert etwa 1,4 Milliarden Dollar jährlich für die Wirtschaft. Im dem US-Staat ist auch die Kooperative Ocean Spray Cranberries angesiedelt, der größte Verarbeiter von Kranbeeren der Welt. Der größte Erzeuger-Staat ist allerdings seit Mitte der 90er Jahre nicht mehr Massachusetts, sondern Wisconsin. Kürzlich fiel Massachusetts sogar auf den dritten Platz in Nordamerika zurück, hinter das kanadische Quebec, wo die Bauern von staatlichen Subventionen profitierten.

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