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11.09.2015

17:19 Uhr

Bauernproteste zeigen Wirkung

Lidl zahlt deutlich mehr für Milch

Mit massiven Protesten machten Milchbauern in den vergangenen Wochen auf ihre finanzielle Situation aufmerksam. Beim Discounter Lidl zeigt dies nun eine erste Wirkung. Sind höhere Preise auf breiter Front in Sicht?

Lidl will den Einkaufspreis für Milch deutlich anheben. dpa

Milchpreise

Lidl will den Einkaufspreis für Milch deutlich anheben.

Neckarsulm/BerlinNach den massiven Protesten von Bauern wegen der stark gesunkenen Milchpreise zahlt der Discounter Lidl mehr für den Liter. Man werde zum 1. Oktober die Einkaufspreise für konventionelle Trinkmilch deutlich anheben, teilte der Einzelhändler am Freitag auf Anfrage mit.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hatte zuvor mitgeteilt, dass Lidl den Einkaufspreis um fünf Cent erhöhen werde. Der Discounter machte zur genauen Summe „aus Wettbewerbsgründen“ keine Angaben.

„Dieses Signal seitens Lidl ist ein weiterer Schritt, um angesichts der angespannten Lage auf den Agrarmärkten unsere Milcherzeuger zu unterstützen“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied. Jetzt komme es darauf an, dass auch weitere Lebensmittel-Einzelhändler diesem Schritt folgen. Er erwarte, dass auch für andere Molkereiprodukte ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein gezeigt werde, so Rukwied.

Wegen der weltweiten Überproduktion sind die Erzeugerpreise für Milch eingebrochen, nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) sank der deutsche Milchpreis im Schnitt seit Ende 2013 von 41 auf 28 Cent. Zu diesem Preisverfall kam es auch vor dem Hintergrund der im April ausgelaufenen Milchquote und der damit verbundenen Mengenregulierung in der EU. Mit dem aktuellen Preis können die Bauern nach eigener Darstellung ihre Kosten nicht mehr decken - mindestens 40 Cent seien nötig.

Lidl hatte im August angekündigt, den Einkaufspreis für Milch stabil zu halten. Auch bei Aldi Süd hieß es damals, man sei in Gesprächen mit dem Deutschen Bauernverband.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte Lidl auf, eine „echte Preiswende“ einzuleiten und Druck auf die Molkereien auszuüben. Die Handelsketten müssten dafür sorgen, dass mit den höheren Ladenpreisen letztlich nicht vor allem Billigexporte der Molkereiwirtschaft bezahlt werden, sagte der stellvertretende AbL-Bundesvorsitzende Ottmar Ilchmann: „Lidl sollte von den Molkereien als Gegenleistung kurzfristige Maßnahmen zur Mengenreduzierung in dem übervollen Milchmarkt verlangen.“

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Die Molkereien sollten dazu gedrängt werden, einen Bonus an diejenigen Milcherzeuger zu zahlen, die für eine gewisse Zeit weniger Milch abliefern, und so dazu beitragen, von den preisdrückenden Überschüssen wegzukommen, sagte Ilchmann. „Ohne Druck auf die Molkereien und auf die Bundesregierung werden wir keine echte Preiswende bekommen. Die aber ist bitter notwendig.“

Von

dpa

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