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27.05.2014

14:40 Uhr

Baumärkte

Hornbach profitiert von Praktiker-Pleite

Die Pleite von Praktiker galt vielen als Vorbote eines Baumarktsterbens. Doch Konkurrent Hornbach kann vom Niedergang der Discount-Baumarktkette sogar profitieren. Die Krise trifft andere.

Bei Hornbach ist der Absatz durch die Praktiker-Pleite gestiegen. dpa

Bei Hornbach ist der Absatz durch die Praktiker-Pleite gestiegen.

FrankfurtDank des milden Winters und sonnigen Frühlings sägen und basteln viele Heimwerker und Hobbygärtner bereits seit Monaten – zur großen Freude der Baumarktkette Hornbach. „Die ersten Wochen und Monate des Geschäftsjahres sind sehr gut gelaufen“, sagte Finanzchef Roland Pelka am Dienstag. Die Nachfrage im umsatzstarken ersten Quartal, das bei Hornbach Anfang März beginnt, liege dank der weitgehend guten Witterung über der des Vorjahres. Damals verhagelte der lange und eisige Winter allerdings auch die Geschäfte.

„Wir hatten nach einem schwachen Jahresstart eine große Aufholjagd“, sagte Pelka mit Blick auf das Gesamtjahr 2013/14. Da Hornbach auf dem hart umkämpften Markt die Margen stabil halten und die Kosten senken konnte, stieg der Betriebsgewinn (Ebit) um ein Zehntel auf 160 Millionen Euro. Der Umsatz zog gleichzeitig um vier Prozent auf 3,37 Milliarden Euro an. Der Konzern erhöht die Dividende je Vorzugsaktie auf 0,80 Euro von 0,67 Euro.

Hornbach ist Deutschlands drittgrößte Baumarktkette hinter Marktführer Obi und Bauhaus. Der Konkurrent Praktiker schlitterte voriges Jahr nach ruinösen Preisschlachten ins Aus. Von der Pleite des Rivalen habe Hornbach profitiert, sagte Vorstandschef Albrecht Hornbach. „Das hat Druck aus dem Markt genommen.“ Hornbach nutzte die Marktlücke nach Verschwinden des Konkurrenten für die Expansion. Von insgesamt acht neuen Märkten, die eröffnet werden, stammten sechs Standorte von Praktiker, sagte der Konzernchef. Verhandlungen über die Übernahme von weiteren Märkten des Ex-Rivalen gebe es nicht.

Hornbach betreibt 143 Baumärkte in Europa - 93 davon in Deutschland - und beschäftigt 15.700 Menschen. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand ein Umsatzplus von fünf Prozent und ein dazu überproportionales Ebit-Wachstum. Die Investitionen werden wegen der Übernahme der Praktiker-Standorte und der anschließenden Renovierung auf 160 Millionen Euro steigen von zuvor 116 Millionen Euro.

Doch der Profit von Hornbach könnte ein kurzfristiger sein. Die positiven Effekte, die Hornbach aus der Übernahme einiger Praktiker-Baumärkte ziehen konnte, sind das, was man im BWL-Deutsch so schön als einmalig bezeichnet. Und auch, wenn der Druck aus dem Markt verschwunden ist – übersättigt ist er hierzulande weiterhin. Zwar lassen die Prognosen auf ein weiteres Umsatzwachstum in der gesamten Branche schließen. Doch schon nach der Praktiker-Pleite sprach Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub von einer „Marktbereinigung“.

Und die könnte noch nicht abgeschlossen sein: Im europäischen Vergleich ist fast nirgendwo die Baumarktdichte so hoch wie in Deutschland. Knapp 2400 Märkte gibt es hierzulande, sie kommen auf 13 Millionen Quadratmeter. Die Branche macht jährlich einen Umsatz von 18,6 Milliarden Euro. Aber der Umsatz pro Quadratmeter geht deutlich zurück. Machten die Baumärkte 1993 noch knapp 2000 Euro Umsatz pro Verkaufsfläche, waren es 2012 nur noch rund 1500 Euro.

Dass Hornbach direkt davon betroffen ist, scheint unwahrscheinlich. Genau wie die großen Konkurrenten Obi und Bauhaus hat auch Hornbach in den vergangenen Jahren gemessen am Nettoumsatz zugelegt. Gefährdeter sind eher kleinere Baumärkte, deren Umsätze langsam zurückgehen – wie einst bei Praktiker.

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