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11.09.2013

20:00 Uhr

Baumärkte

Kingfisher will in Praktiker-Lücke stoßen

Der Baumarktkonzern Kingfisher plant seinen Markteintritt in Deutschland. Die Briten wollen in die aufgegebenen Praktiker-Märkte ziehen. Auch über einen Kauf der insolventen Kette wurde spekuliert.

Kingfisher-Chef Ian Cheshire kündigte an, dass die Briten die aufgegebenen Praktiker-Märkte übernehmen wollen. dpa

Kingfisher-Chef Ian Cheshire kündigte an, dass die Briten die aufgegebenen Praktiker-Märkte übernehmen wollen.

MünchenEuropas größter Baumarktkonzern Kingfisher wagt sich mit eigenen Filialen in den hart umkämpften deutschen Markt. Nur eine Woche nach dem Aus für die insolvente Kette Praktiker kündigte das britische Unternehmen am Mittwoch die Eröffnung von zunächst vier Märkten seiner Marke Screwfix in Deutschland an. "Wir werden Praktiker nicht kaufen, aber wir würden die Filialen sehr gerne in Absprache mit den Vermietern übernehmen", sagte Kingfisher-Chef Ian Cheshire. Der deutsche Einzelhandel gilt international als extrem schwierig. Vor einigen Jahren scheiterte der US-Riese Wal-Mart mit dem Versuch, sich gegen die flächendeckende Konkurrenz zu etablieren.

Kingfisher - im Baumarktgeschäft weltweit die Nummer drei nach den US-Rivalen Lowe's und Home Depot - ist bereits seit einigen Jahren Großaktionär des deutschen Baumarktkonzerns Hornbach . Dort ziehen die Briten nun ihre Vertreter aus den Aufsichtsgremien zurück. Damit sollten Interessenkonflikte vermieden werden, erklärten die Partner. Die Beteiligung selbst sei dadurch aber nicht berührt, sagte Cheshire. "Hornbach bleibt ein exzellentes Geschäft, auf das wir vertrauen und mit dem wir ein gutes Verhältnis haben."

Kingfisher hält an der Hornbach-Konzernholding gut 25 Prozent der Stimmrechte, der Rest befindet sich im Eigentum der Gründerfamilie. Zudem besitzen die Briten 17,4 Prozent der im Kleinwerteindex SDax notierten Vorzugsaktien und 5,2 Prozent der Anteile an der ebenfalls börsennotierten Hornbach-Baumarkttochter.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Noch stärker als Hornbach will sich Kingfisher mit seinen Screwfix-Märkten in Deutschland auf Profis konzentrieren - mit Werkzeug und Material für anspruchsvolle Heimwerker sowie Großhandelsangeboten für Handwerker. "Wir sehen dort Chancen, weil derzeit niemand dieses Segment besonders gut bedient", sagte Entwicklungschef Steve Willett. Hornbach allerdings betreibt neben seinen Baumärkten bereits einen Baustoffhandel.

Praktiker hatte jahrelang versucht, den Markt vom anderen Ende her aufzurollen. Die Billigstrategie mit Rabattaktionen unter dem Slogan "20 Prozent auf alles" erwies sich aber als ruinös. Das Unternehmen mit rund 5300 Beschäftigten fand keine neuen Geldgeber und wird abgewickelt. In dieser Woche beginnt der Ausverkauf auch in den Filialen, für die zuletzt noch Hoffnung bestand. Für die Praktiker-Tochter Max Bahr, die stärker auf Beratung als auf den Preis setzt, gibt es nach Angaben des Insolvenzverwalters mehrere Interessenten.

Kommentare (1)

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Daniel

11.09.2013, 21:43 Uhr

Der Titel ist in doppeltem Sinne falsch: Erstens hinterlässt Praktiker (abgesehen vielleicht von den leeren Geschäften) keine Lücke. Wir haben eher ein Überangebot an Baumärkten - der schwächste ist jetzt gestorben.

Zweitens (und das könnte evtl. zum Erfolg führen, weil wenn überhaupt, tatsächlich dort noch eine Lücke offen ist) will man ja offenbar gerade nicht Praktiker ersetzen, sondern mit HOCHWERTIGEM Sortiment (und möglicherweise sogar Verkaufspersonal vom Fach) von oben angreifen.

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