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07.08.2012

13:01 Uhr

Baumarktkette

Praktiker hält trotz Klagen an Sanierungsplan fest

Anleger klagen gegen den Sanierungsplan der darbenden Baumarktkette. Doch die Praktiker-Führung will sich davon nicht beirren lassen. Nun geht der Streit um die Rettung des Händlers vor Gericht.

Die Baumarktkette hält trotz Gegenwind am Sanierungsplan fest. dpa

Die Baumarktkette hält trotz Gegenwind am Sanierungsplan fest.

HamburgDer angeschlagene Baumarktkonzern Praktiker will sich durch mehrere Klagen von Aktionären gegen Beschlüsse der Hauptversammlung nicht von seinem Sanierungszeitplan abbringen lassen. "Es gibt im Zusammenhang mit der Hauptversammlung acht Anfechtungsklagen beim Landgericht Saarbrücken", sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag am Unternehmenssitz im saarländischen Kirkel.

Dies sei jedoch kein Grund, einzelne Sanierungsschritte aufzuschieben. Die zuständige Kammer für Handelssachen bestätigte die Zahl der Einsprüche, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Am Montag war die Frist abgelaufen, in der Beschwerden bei Gericht eingereicht werden konnten.

Derartige Verfahren dauern in der Regel sechs bis neun Monate - je nachdem, ob die Kammer in die Beweisaufnahme eintritt oder nicht. Solange bleiben die Hauptversammlungsbeschlüsse bestehen. Erst wenn das Gericht ihre Nichtigkeit feststellen sollte, werden sie ungültig und das Unternehmen muss nach Alternativen suchen.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Vorstand und Aufsichtsrat von Praktiker hatten auf dem Aktionärstreffen Anfang Juli in Hamburg einen Sanierungsplan durchgesetzt, der einen 85 Millionen Euro schweren Kredit des Hedgefonds Anchorage vorsieht. Als Pfand soll Anchorage die Praktiker-Tochter Max Bahr bekommen und darüber hinaus mit Hilfe von Optionsanleihen Zugriff auf 15 Prozent der Praktiker-Aktien erhalten. Zudem sollen sich die Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung um 60 Millionen Euro an der Rettung des Konzerns beteiligen.

Der Plan war den Haupteignern und zahlreichen Kleinaktionären heftig kritisiert worden. Die Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die als Vertreterin der österreichischen Bank Semper Constantia und der zypriotischen Investmentgesellschaft Maseltov rund 15 Prozent der Praktiker-Aktien vertritt, hatte die Kreditbedingungen als Wucher gegeißelt.

Sie stimmte nach stundenlanger Debatte am Ende dem Konzept jedoch zähneknirschend zu, weil auf Druck der Aktionäre zwei Aufsichtsratsmitglieder durch Kandidaten aus ihrem Umfeld ersetzt werden. Dagegen kündigten mehrere Kleinaktionäre Beschwerden gegen einzelne Beschlüsse der Hauptversammlung an.

Die Aktionärsversammlung hatte sich wegen zahlreicher Fragen von Kleinaktionären an Vorstand und Aufsichtsrat sowie Zwischenrufen bis kurz vor Mitternacht gezogen. Das Treffen wurde zudem mehrfach für Beratungen zwischen den beiden Seiten unterbrochen. Hätte sich die Debatte über 24.00 Uhr hinaus hingezogen, wäre eine weitere Hauptversammlung nötig geworden.

Ein alternatives Sanierungsmodell, das die Investoren um de Krassny und den Geschäftsmann Clemens Vedder Ende Juli vorlegten, ließ Praktiker abblitzen. Vorstandschef Kay Hafner begründete dies mit Zweifeln an der Verlässlichkeit der von den Investoren gemachten Zusagen. Zudem fehlten in dem Gegenkonzept 60 Millionen der 210 Millionen Euro, die Praktiker für seine Sanierung brauche. Im Umfeld von Vedder war das Finanzkonzept auf mehr als 200 Millionen Euro beziffert worden; 100 Millionen Euro davon sollten von Banken und Lieferanten kommen.

Von

rtr

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