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28.03.2012

01:36 Uhr

Baumarktkette

Praktiker kämpft ums Überleben

Schlechte Stimmung bei Praktiker: Die angeschlagene Baumarktkette ist ohnehin schon ein Sanierungsfall. Jetzt ist sie noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Ein Grund dafür seien die Kosten für den Strategiewechsel.

Das Logo der Baumarktkette Praktiker. ap

Das Logo der Baumarktkette Praktiker.

Kirkel/HamburgTurbulente Zeiten für Praktiker. Seit knapp einem halben Jahr bastelt Sanierungsexperte Thomas Fox an einem neuen Konzept für den von der Pleite bedrohten Konzern. Dabei hält er am Billigkonzept fest: „Hier spricht der Preis.“ Mit einem Umbau der Märkte - Arbeitstitel „einfach praktischer“ - vor allem aber mit einer Verschlankung und Stellenabbau will er den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs bringen. Den aktuellen Stand der Dinge will er an diesem Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz in Hamburg erläutern.

Nach zwei Verlustjahren in Folge rutschte Praktiker 2011 mit einem Minus von 554,7 Millionen Euro noch tiefer in rote Zahlen. Der Umsatz fiel um knapp acht Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die Misere ist nach Einschätzung von Experten größtenteils hausgemacht. Die jahrelange Billigstrategie mit ständigen Rabattaktionen - „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ - haben die Margen aufgefressen. Die Aktionen sollten die Kunden in die Praktiker-Baumärkte locken. Sie blieben aber weg, wenn es gerade keine Schnäppchen gab.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Im Januar hatte sich Sanierungsexperte Fox angesichts des im vierten Quartal 2011 gestoppten Abwärtstrends beim Umsatz optimistisch gezeigt: „Das lässt uns hoffen, dass wir die erste Phase der Durststrecke geschafft haben.“ Am Donnerstag will er auch über den Geschäftsverlauf im ersten Quartal berichten. Im Januar soll sich der positive Trend fortgesetzt haben. Im Februar mit seinem kalten Wetter lief es für die Baumarktbranche dagegen nach Einschätzung von Experten eher schlecht.

Bei der Umsetzung des Sanierungsprogramms ist Fox schon ein gutes Stück vorangekommen. Die Zusammenlegung der Kirkeler Praktiker-Zentrale mit der florierenden Tochter Max Bahr in Hamburg bis Ende September ist auf den Weg gebracht, ein Sozialplan für den geplanten Abbau von insgesamt rund 1400 der mehr als 10.800 Stellen im Inland vereinbart.

Derzeit werden die rund 230 deutschen Märkte auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft, 30 davon gelten als unrentabel und damit als besonders gefährdet. „Die Verhandlungen mit den Vermietern laufen noch“, beantwortet Unternehmenssprecher Harald Günter Anfragen seit Wochen.

Die Finanzierung des für die Baumärkte wichtigen Frühjahrsgeschäfts ist laut Praktiker gesichert. Jetzt müssen Fox und seine Mannschaft das Geld für die Sanierung auftreiben. Die Kosten dafür hat der Konzern auf bis zu 300 Millionen Euro veranschlagt.

Der österreichische Großaktionär, die Investmentgesellschaft Maseltov, will dem Unternehmen finanziell unter die Arme greifen. Die Österreicher streben allerdings eine Zerschlagung des Konzerns an - etwa durch den Verkauf des Osteuropageschäfts. Der Versuch, auch die Anleihegläubiger mit ins Boot zu holen, ist dagegen vorerst gescheitert. Sie sollten einer Verringerung der Verzinsung für eine 250 Millionen Euro schwere Anleihe von 5,875 Prozent auf ein Prozent zustimmen. Die notwendige Beteiligung von mindestens der Hälfte des Anleihekapitals kam im ersten Anlauf aber nicht zustande.

Von

rtr

Kommentare (3)

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AbgemagerterBaumarkt

28.03.2012, 06:26 Uhr

PRAKTIKER kommt mir wie der "SCHLECKER" unter den Baumärkten vor. Die Ausstattung ist ähnlich spartanisch. Besucht wird PRAKTIKER wohl vor allem im Rahmen der FLYER-Aktionen. Die Konkurrenz macht es deutlich geschickter bei zudem einer hohen Baumärktedichte in Deutschland.

Beispiel von 2 Baumärkten (Benchmark) im Ruhrgebiet: HELLWEG gegenüber PRAKTIKER.
HELLWEG hat mehr Fläche, eine größere Sortimentsdichte, einen größeren Gartenbereich, einen Geräteverleih, einen kleinen Zeitungskiosk und einer Bäcker mit Kleincafé.

Fummeleddi

29.03.2012, 13:57 Uhr

Angebot wurde ständig ausgedünnt. Wer Kupferrohre verkauft
sollte auch alle Fittinge im Sortiment haben. Plötzlich gesammtes Regal umgestaltet. Brauchbare Fittinge nicht mehr vorhanden. Das ist nur 1 Beispiel.
Jetzt bestelle ich im Internet.

Anonym123456

06.04.2012, 22:26 Uhr

Einen Bäcker mit Kleincafé kann sich schon mal nicht jeder Markt aufgrund der nicht vorhandenen Fläche leisten. Liegt in vielen Fällen auch daran, dass vor Jahren andere Baumärkte übernommen wurden.
Ebenso unterscheidet sich der Gartenbereich von Filiale zu Filiale. Dass ein 5000 m²-Markt keinen riesigen Gartenbereich haben kann, sollte klar sein.

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