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11.07.2013

00:28 Uhr

Baumarktkette

Praktiker steht vor der Pleite

Die Baumarktkette Praktiker ist zahlungsunfähig. Der Vorstand prüft, für welche Teile Insolvenzanträge gestellt werden. Gläubiger hatten neuen Geldspritzen nicht zugestimmt – und hoffen jetzt, glimpflich davonzukommen.

Baumarktkette

Praktiker ist insolvent

Baumarktkette: Praktiker ist insolvent

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Düsseldorf/HamburgDie Baumarktkette Praktiker steht vor der Pleite. Das Hamburger Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitern erklärte am Mittwochabend, Gespräche über die weitere Finanzierung der Sanierung seien gescheitert. Damit sei Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Der Konzern hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht, nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war.

Damit führt an der Insolvenz kein Weg mehr vorbei. „Der Vorstand wird für die Unternehmensgruppe prüfen, für welche Gesellschaften der Unternehmensgruppe Insolvenzanträge zu stellen sind und wird so bald wie möglich die Ergebnisse dieser Prüfung veröffentlichen“, hieß es in der Mitteilung.

Die Aktien der Baumarktkette reagierten am Donnerstag mit einem Kursrutsch auf die drohende Insolvenz. Zuletzt brachen die Papiere um rund 70 Prozent auf 0,11 Euro ein, nachdem sie bereits zur Wochenmitte um knapp 20 Prozent abgestürzt waren.

Zumindest eine Teilentscheidung ist offenbar aber bereits gefallen. Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Insolvenz wohl nicht betroffen, hieß es in einem Schreiben des Praktiker-Vorstands an die Mitarbeiter, das der dpa am Mittwochabend vorlag.

Konzernweit hat Praktiker rund 18.000 Mitarbeiter, davon knapp 7000 im Ausland. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon über 300 in Deutschland (Hier finden Sie die 168 Praktiker-Filialen auf einer Karte).

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen, die Sanierung war in vollem Gange. Die Geschäftsentwicklung der Praktiker AG aber sei ins zweite Quartal 2013 hinein durch den schneereichen langen Winter, anhaltend niedrige Temperaturen und einen damit verbundenen massiven Einbruch der Baumarktkonjunktur stark beeinträchtigt worden, schrieb der Vorstand. Dadurch seien die „positiven Effekte“ der Neupositionierung überlagert worden. „Der Konzern geriet dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation.“

Die Banken hatten Finanzkreisen zufolge schon am Dienstag signalisiert, dass sie zu weiteren Finanzspritzen für Praktiker nicht mehr bereit seien. „Es hat keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen“, hatte ein involvierter Banker gesagt. Der österreichische Großaktionär Alain de Krassny (Donau Invest) wäre bereit gewesen, noch einmal Geld nachzuschießen.

Praktiker hätte kurzfristig 30 bis 35 Millionen Euro zum Überleben gebraucht. Eigentlich wollte der erst im Herbst 2012 installierte Vorstandschef Armin Burger das Geschäft in diesem Jahr auf ein solides Fundament stellen. Doch schon der Jahresstart verhagelte. Der Konzernumsatz ging in den ersten drei Monaten gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um mehr als zehn Prozent auf 570 Millionen Euro zurück. Der Verlust lag mit 118 Millionen Euro deutlich über dem Vergleichswert von 72 Millionen Euro. Der Konzern setzte 2012 rund drei Milliarden Euro um.

Ursache für die schwachen Zahlen waren für die Heimwerkerbranche der lange Winter und der damit verzögerte Start in die Frühjahrssaison. Doch die fiel wetterbedingt wieder mau aus, die Gartenabteilungen der Baumärkte blieben auf Pflanzen und Gartengerät zunächst sitzen. Praktiker legt seinen nächsten Quartalszahlen Ende Juli vor.

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

10.07.2013, 21:48 Uhr

Pleiten wohin man sieht! Zum einen fehlt die Kaufkraft.
Zum anderen sind Gewinnsteigerungen wie sie heute erwartet werden, auf Dauer nicht mehr machbar.

Thomas

10.07.2013, 22:00 Uhr

Woher soll das Geld auch kommen.
Der Deutsche Staat kassiert bis zu 75% unserer Wertschöpfung mittels mehr oder weniger verdekter besteuerung.
Dann machen irre Politiker mit diesem Geld was sie wollen.
Und dei Deutschen schauen zu lassen die machen gehen nicht wählen motzen rum.

Ich werde Wählen gehen und ich werde AFD wählen.
Denn die etablierten taugen nicht mehr.

Account gelöscht!

10.07.2013, 22:06 Uhr

Kann ich nur voll zustimmen!

Es sind die perversen Steuern, die uns die Kaufkraft entziehen.

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