Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2012

09:10 Uhr

Baumarktkette

Praktiker will Wende schaffen

Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Jetzt baut Sanierungsexperte Thomas Fox den Baumarkt-Konzern um. Dazu gehört auch ein neues blau-gelbes Outfit. In Kaiserslautern ist das Marktkonzept bereits verwirklicht.

Ein Mitarbeiter des Praktiker Baumarktes in Kaiserslautern steht vor Teppichrollen. dpa

Ein Mitarbeiter des Praktiker Baumarktes in Kaiserslautern steht vor Teppichrollen.

Kirkel/KaiserslauternMit „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ sollten jahrelang die Kunden in die Praktiker-Baumärkte gelockt werden. Jetzt probiert die von der Pleite bedrohte Baumarktkette in Referenzmärkten die Wende: Das soll den Kunden eine angenehmere Einkaufswelt und mehr Service bescheren.

In Kaiserslautern sowie im hessischen Heppenheim ist „Praktiker 2013“ seit Januar bereits zu erleben: Blau und Gelb wohin des Auge blickt. Die Bad- und die Lampenabteilung präsentieren sich im edlen Anthrazit. Der eilige Kunde kann sich auf Tafeln über Vorzüge und Preise von gut 50 Produkten in drei Varianten informieren: Budget-, Praktiker- oder „A-Marke“. So sollen bis Ende kommenden Jahres einmal alle Märkte aussehen - wenn es sie bis dahin noch gibt.

Das Marktkonzept unter dem Arbeitstitel „einfach praktischer“ ist Bestandteil des Restrukturierungsprogramms, das der neue Vorstandschef, Sanierungsexperte Thomas Fox, seit einem guten Vierteljahr vorantreibt. Seit Jahren hat die Kette im Gegensatz zu Konkurrenten wie Obi, Hornbach oder Bauhaus beständig rote Zahlen geschrieben.

Die Probleme zumindest in Deutschland sind nach Expertenmeinung hausgemacht - ähnlich wie bei der jetzt insolventen Drogeriekette Schlecker. Beide hätten versucht, durch eine Billigstrategie zu wachsen, erläutert Handelsfachmann Thomas Roeb. „Beide konnten aber nicht wirklich billig sein, weil sie keine Kostenvorteile hatten“, analysiert der Professor von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Im Unterschied zu Schlecker sei die Lage bei Praktiker bisher „kritisch, aber nicht aussichtslos. Praktiker hat eine reelle Chance.“ Das Sanierungsprogramm ist schon ein gutes Stück vorangekommen. Der Weg für die Zusammenlegung der Konzernzentrale im saarländischen Kirkel mit der der florierenden Tochter Max Bahr in Hamburg bis zum 30. September ist frei. Ein Sozialplan mit den Arbeitnehmern für den geplanten Abbau von insgesamt rund 1400 der mehr als 10.800 Stellen im Inland ist vereinbart.

Die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit von 30 der rund 230 deutschen Märkte läuft indes noch. Die Streichliste soll in den nächsten Wochen fertig sein. Welche der 109 Auslandsmärkte vor allem in Ost- und Südosteuropa dicht gemacht werden sollen, ist auch noch offen, der in Albanien wurde bereits zum Jahresende geschlossen.

Vorstandschef Fox zeigte sich im Januar angesichts einer im vierten Quartal gestoppten Abwärtsspirale beim Umsatz optimistisch: „Das lässt uns hoffen, dass wir die erste Phase der Durststrecke geschafft haben.“ Auch seit Jahresbeginn soll sich der positive Trend fortgesetzt haben. Bei der Bilanzpressekonferenz Ende März - dann erstmals in Hamburg - sollen Zahlen vorgelegt werden.

Der Referenz-Praktiker in Kaiserslautern zeigt das neue Gesicht der Baumarktkette. dpa

Der Referenz-Praktiker in Kaiserslautern zeigt das neue Gesicht der Baumarktkette.

Jetzt müssen die Sanierer erstmal das Geld für die Restrukturierung auftreiben. Der Vorstand hat den Finanzbedarf dafür mit etwa 300 Millionen Euro beziffert. Dabei hat das Unternehmen nach Ansicht des Experten Roeb mehr Substanz als zuletzt Schlecker: „So hat Praktiker noch Vermögensgegenstände wie Max Bahr und bei einigen Auslandmärkten steckt vielleicht auch noch was drin.“ Ob Praktiker durch sein Konzept „Praktiker 2013“ weitere Kunden gewinnen und wieder mehr Umsatz machen kann, muss die Zeit zeigen. Überzeugen will das Unternehmen auch durch einige in der Branche bisher unübliche Neuheiten. So wurde der „Kundenlotse“ am Eingang des Marktes in Kaiserslautern mit einem Laptop ausgestattet, außer den Gängen auch die Regale nummeriert. In der Farbenabteilung gibt es ein Infotelefon, über das sich der Kunde bei einer Hotline beraten lassen kann. Und Fliesen kann er sich virtuell interaktiv am Computer-Bildschirm selbst zusammenstellen.

Das für die Baumärkte besonders wichtige Frühjahrsgeschäft ist zumindest gesichert. Ende Januar bestätigten die Banken einen Kredit, mit dem neue Ware geordert werden kann. Auch die Gartenabteilung in Kaiserslautern soll wie die in Heppenheim bis Anfang März ein neues Gesicht bekommen. Hohe Regale, die bisher die Sicht versperrten, wurden bereits weggeräumt, und überall dominieren auch hier jetzt schon die Praktiker-Eigenmarken-Farben Blau und Gelb.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Altafalta

17.02.2012, 10:24 Uhr

was als unüblich bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit nichts neues. Hier wird lediglich abgekupfert was das Zeug hält. So wird es Praktiker nicht schaffen.

Gib_mal_den_hammer

17.02.2012, 11:18 Uhr

Baumärkte machen viel mehr falsch, als hier geschildert wurde. Sie verkaufen teilweise billige Qualität oder Nippes zu völlig überzogenen Preisen. Ein Beispiel: Jalousiegurtaufroller Lochabstand 160mm kostet zB. bei Hagebau ca.7,99 Euro. Die Abdeckplatte aus billigem weißen Kunststoff kostet 3,99 Euro!!
Weitere schöne Beispiele sind z.B. keine Preisauszeichnung zu finden, Schraubenpakete mit kleinen Mengen unverhältnismäßig teuer, elektrische Geräte der Eigenmarke als Billigschrott ohne wirklich günstig zu sein, usw.!
Wer Qualität haben will kauft nicht im Baumarkt. Wer einen fairen Preis haben will kauft nicht im Baumarkt. Man kauft nur im Baumarkt, wenn man gerade dringend etwas braucht um weiterzukommen. Und dann ärgert man sich hinterher, dass man diesen Billigmist verbauen musste.

Krischan

17.02.2012, 12:22 Uhr

Kein Kunde will sich im Baumarkt bei Farben über eine "Hotline" beraten lassen. Niemand will sich "virtuell" Fliesen am PC selbst zusammenstellen. So geht das nicht!!! Der Kunde will gute Beratung durch qualifiziertes Fachpersonal! Der Name "Praktiker" ist sowieso auf ewig versaut. Schlechte Standorte dichtmachen und gute Standorte in "Max Bahr" umbenennen. Das ist der richtige Weg. Was die Produktqualität betrifft: Kein Baumarkt hat z.B. weisse Wandfarbe, die auch nur annähernd an die Qualität (Deckkraft) von Malerfarbe heranreicht. Die wäre so teuer, dass kein Kunde sie im Baumarkt bezahlen wollte. Daher beauftrage ich bei Malerarbeiten stets einen ausgebildeten MALER!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×