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06.06.2012

16:57 Uhr

Befangenheitsantrag

Media-Markt Prozess gestoppt

Der Korruptionsprozess gegen ehemalige Media-Markt-Manager wurde gestoppt. Der Anwalt eines der Angeklagten stellte einen Befangenheitsantrag. Das Gericht untersucht ob die Manager Bestechungsgeld angenommen haben.

Ein Justizwachtmeister fährt Ermittlungsakten zum Schwurgerichtssaal. dpa

Ein Justizwachtmeister fährt Ermittlungsakten zum Schwurgerichtssaal.

Augsburg Holpriger Start im Korruptionsprozess gegen ehemalige Top-Manager der Elektrohandelskette Media Markt: Noch bevor die Personalien aufgenommen und die Anklage am Landgericht Augsburg verlesen werden konnte, wurde das Verfahren am Mittwoch durch mehrere Befangenheitsanträge immer wieder unterbrochen. Obwohl das Gericht ein Gesuch bereits abgelehnt hatte, wurde ein weiterer Antrag gegen die Richter gestellt - und der Prozess auf den 26. Juni vertagt. Der frühere Deutschland-Chef von Media Markt, Michael Rook, beteuert seine Unschuld.

Rechtsanwalt Michael Rosenthal, der den ehemaligen Media-Markt-Manager vertritt, sagte, es gebe keine Beweismittel gegen seinen Mandanten außer der Aussage eines früheren Mitarbeiters, der ebenfalls vor Gericht steht. Die Richter hätten in Vorabgesprächen ein bestimmtes Aussageverhalten der anderen Angeklagten gegen Rook versucht festzulegen. Nach Angaben mehrerer an dem Verfahren beteiligter Anwälte wurden vorher mildere Strafen in Aussicht gestellt, sollte es umfangreiche Geständnisse geben.

Über den Befangenheitsantrag soll nun in den nächsten Wochen entschieden werden. Statistisch betrachtet scheitern fast alle solche Anträge - so auch das Gesuch eines Mitangeklagten. Dessen Anwalt hatte zu Verfahrensbeginn ähnlich argumentiert: Die Richter, so sein Eindruck, hätten in den Vorgesprächen die Angeklagten gegeneinander ausgespielt. Die Kammer habe sich darin übermäßig stark festgelegt und behandele die Angeklagten ungleich, was einem fairen Prozess entgegen stehe. Der Antrag scheiterte aber, weil die überprüfende Kammer nur einen vorläufigen Charakter in den Gesprächen sah.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft legt Rook und einem Regionalmanager der Metro -Tochter zur Last, sich von einem Personal-Unternehmer mit insgesamt fünf Millionen Euro geschmiert haben zu lassen. Im Gegenzug hätten die Angeklagten dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter des Unternehmers aus Wetzlar zwischen 2005 und 2011 bevorzugt für den Vertrieb von DSL-Angeboten bei Media Markt gebucht wurden, obwohl es günstigere Angebote gegeben habe. Dadurch sei der Wettbewerb ausgehebelt und Konkurrenten geschädigt worden. Rook und der Regionalmanager sollen sich das Geld geteilt haben.

Den Betroffenen drohen bis zu fünf Jahre Haft wegen gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit. Neben den drei Haupttätern wird gegen sechs weitere Personen wegen Mittäterschaft vorgegangen. Rooks Anwalt sagte, es sei noch nicht klar, ob sein Mandant aussagen werde. "Er ist aber nicht schuldig. Er hat kein Geld erhalten."

Media Markt wollte sich nicht zum ersten Prozesstag äußern. Ein Sprecher bekräftigte aber, sobald es ein Urteil gebe, werde das Unternehmen Schadenersatzansprüche prüfen. Der Fall war nach einem anonymen Tipp und darauffolgenden internen Prüfungen aufgeflogen. Der Konzern schaltete die Staatsanwaltschaft ein.

Von

rtr

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