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11.05.2011

09:42 Uhr

Beförderungen

Bei Teldafax werden Böcke zu Gärtnern

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivNeues Rätselraten bei Teldafax. Statt alte Zöpfe abzuschneiden, befördert der neue Vorstandsvorsitzende Manager, die zu der Krise beitrugen. Gleichzeitig nimmt der Kundenschwund dramatisch zu.

Stromanbieter Teldafax verstrickt sich erneut in Widersprüche. Quelle: dapd

Stromanbieter Teldafax verstrickt sich erneut in Widersprüche.

TroisdorfDer Stromanbieter Teldafax sät weitere Zweifel an seinem im März ausgerufenen Neuanfang. Frank Müller-Breithaupt, der bisherige kaufmännische Leiter, ist zum Geschäftsführer der wichtigsten Konzerntochter, der Teldafax Energy GmbH, befördert worden. Die Antrittserklärung des neuen Vorstandsvorsitzenden Hans-Gerd Höptner, er wolle bei Teldafax aufräumen, wird damit in Frage gestellt. Dem Handelsblatt liegen interne Dokumente vor, die Müller-Breithaupt als Mitwisser und Beförderer äußerst fragwürdiger Praktiken ausweisen. Es sind Praktiken, die inzwischen die Staatsanwaltschaft Bonn beschäftigen.

Dazu zählte es, Guthaben zurückzuhalten, die den Kunden von Teldafax vertraglich zustehen. So schrieb Frank Müller-Breithaupt in einer Mail an den Leiter Finanzen, Matthias Knoll: „Die Auszahlungen an die Kunden aus Schlussrechnungen bzw. Jahresverbrauchsrechnungen sollten so weit es geht verschoben werden!“

Teldafax-Chef Höptner sagte beim Antritt, das wichtigste für Teldafax sei, Vertrauen zu schaffen. Doch wie sollen Gläubiger und Kunden Vertrauen in einen Mann finden, wenn dieser empfahl, die Kunden bezüglich ihrer Guthaben immer wieder zu vertrösten?

Die E-Mail von Müller-Breithaupt stammt von 9. November 2009. Sie folgte im Anschluss an eine interne Debatte, ob das Unternehmen Insolvenz anmelden müsste. Teldafax konnte sein Rechnungen nicht begleichen, hatte sogar beim Zollamt Schulden und verärgerte tausende von Kunden, indem man deren Guthaben nicht auszahlte. Interner Schriftverkehr zeigt, dass der Vorstand schon am 10. Juni 2009 eine Überschuldung feststellte. Er teilte dem Aufsichtsrat mit, die 21tägige Frist zur Anmeldung einer Insolvenz habe begonnen.

Der Antrag aber wurde nie gestellt. Zum Teil hielt sich Teldafax mit den Vorauszahlungen von Kunden über Wasser, zum Teil mit zweckentfremdeten Anlegergeldern. Beides wird derzeit staatsanwaltlich geprüft. Klar ist bereits, dass Teldafax alles tat, um die wahre Lage zu verschleiern.

So berieten sich der damalige Vorstandsvorsitzende Klaus Bath, Finanzchef Knoll und Unternehmenssprecher Thomas Müller, welche Ausreden Teldafax vorbringen könnte, wenn Gläubiger ihre Rechnungen anmahnten. Bath schlug vor, am glaubwürdigsten sei die Erklärung, Teldafax stelle gerade seine Software um. Sprecher Thomas Müller riet von „einer längeren Erklärung für die verspäteten Zahlungen abzusehen, da sonst die Gefahr, sich in Widersprüche zu verwickeln, recht hoch sein dürfte.“

Widersprüche gibt es nun wieder. Teldafax hat seit März 2011 neue Eigentümer, und einen neuen Vorstandsvorsitzenden. Der Sanierer Höptner hat angekündigt, er wolle mit der bei Teldafax üblichen Praxis aufhören, Strom billiger zu verkaufen als einzukaufen. Da der neue Investor, der zypriotische Finanzinvestor Prime Mark, Teldafax einen Kredit von 50 Millionen Euro mitgebracht habe, habe sich die Liquiditätslage entspannt. Eine Teldafax-Sprecherin sagte am Dienstag: „Mit dem neuen Management ist Teldafax in der Lage, die Vergangenheit abzuschließen und neu durch zu starten.“

Kommentare (11)

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enfroh

11.05.2011, 11:57 Uhr

Wann schlägt endlich die Gerechtigkeit zu.
TelDAFax ist doch Pleite. Das sieht doch jeder der die Presse verfolgt.Einen kleinen Geschäftmann hätte man schon längst eingesperrt!!!!!!!!!!!! Der Staasanwalt der seit Monaten ermittelt steckt wohl auch mit dieser unseriösen Firma unter einer Decke!!

squitsch

11.05.2011, 12:10 Uhr

Sähe besser aus, wenn Sie den Satz mit säen statt sähen versähen

Daniel476

11.05.2011, 16:13 Uhr

Langsam wird es aber auch Zeit, die Berichterstattung und die journalistische Sorgfalt des Handelsblatt kritisch zu hinterfragen. Ist Gernot Koch nun Mitglied des Vorstands, wie im heutigen Artikel geschrieben, oder aber nicht, wie in etlichen anderen Artikeln. Ungenauigkeiten, die entstehen, um die Hetzjagd schneller voranzutreiben? Für mich ist die Seriösität und die journalistische Genauigkeit, sowie Objektivität schon lange nicht mehr gegeben.

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