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01.07.2014

12:35 Uhr

Bei Börsengang

Zalando-Gesellschafter wollen nicht aussteigen

Der geplante Börsengang von Zalando gibt Anlass zu Spekulationen. Der Finanzchef will ihnen ein Ende setzen: Die Gesellschafter würden sich nicht von Zalando trennen – und den Online-Händler zusammen größer machen.

Bei dem geplanten Börsengang von Zalando werden die Gesellschafter nicht aussteigen. dpa

Bei dem geplanten Börsengang von Zalando werden die Gesellschafter nicht aussteigen.

FrankfurtDie Eigentümer von Zalando wollen nach Angaben von Finanzchef Rubin Ritter den Börsengang des Online-Händlers nicht zu einem großangelegten Ausstieg nutzen. Es störe ihn, dass ein Gang an die Börse oft damit gleichgesetzt werde, dass die Gesellschafter Kasse machen wollten. „Das muss aber gar nicht der Fall sein. Ein IPO kann ja auch dazu dienen, Kapital für die Gesellschaft aufzunehmen, um diese auf eine neue Ebene zu bringen“, sagte Rubin Ritter der „Börsen-Zeitung“ (Dienstagausgabe). Management und Gesellschafter wollten den Aufbau von Zalando gemeinsam fortsetzen.

Das ist Finanzkreisen zufolge auch der Grund, weshalb der Börsengang von Europas größtem Internet-Händler kleiner ausfallen dürfte als von vielen Bankern erhofft. Kaum einer der Großaktionäre wolle dabei Zalando-Aktien verkaufen. Zugleich wollten sie ihre Anteile auch nicht durch eine große Kapitalerhöhung zu stark verwässern lassen. Deshalb soll zunächst nur ein kleiner Anteil – etwa 10 bis 15 Prozent an die Börse gebracht, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Das wäre ein Emissionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich. „Das wird auf jeden Fall weniger als eine Milliarde Euro schwer“, sagte ein Insider. „Aber endgültige Entscheidungen gibt es nicht.“

Deutsche Startups

Neue Gründerzeit

Manch einer spricht von einer neuen Gründerzeit: Immer mehr Start-ups versuchen in Berlin ihr Glück. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es erfolgreiche IT-Unternehmen. Einige sind bereits über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Ein Überblick.

Researchgate

Researchgate ist ein Online-Netzwerk für Wissenschaftler. Dort tummeln sich Biologen, Chemiker aber auch Philosophen. Die Idee: Forscher sollen sich inhaltlich austauschen und Kontakte knüpfen können. Der studierte Virologie Ijad Madisch gründete die Firme mit zwei Freunden. Längst sind Investoren aus den USA aufmerksam geworden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates: Er steckte im Juni 2013 gemeinsam mit Tenaya Capital 35 Millionen Euro in Researchgate.

Wooga

Der Spiele-Anbieter Wooga profitierte in seinen Anfangsjahren vom Boom der Sozialen Netzwerke: Immer mehr Nutzer verbrachten immer mehr Zeit bei StudiVZ, Facebook und Co – und begeisterten sich für Spiele wie „Monster World“, die das Berliner Start-up dort anbot. Inzwischen steckt Wooga mehr Anstrengungen in die Apps für mobile Geräte. Weltweit verzeichnet die Firma monatlich 50 Millionen Nutzer.

Bigpoint

Kein klassisches Start-up mehr ist Bigpoint: Heiko Hubertz gründete die Firma bereits 2002. Sie bietet Spiele wie „Drakensang Online“ und „Farmerana“ an, sowohl eigene Entwicklungen wie auch die anderer Hersteller. Die mehr als 300 Millionen registrierten Nutzer können grundsätzlich kostenlos spielen, zahlen aber für Extras. 2012 war allerdings ein schwieriges Jahr: Weil sich das Geschäft schlechter entwickelte als erwartet, strich das Unternehmen 120 Stellen und schloss das Studio in San Francisco. Dieses Jahr will Bigpoint wieder wachsen.

Soundcloud

Der schwedische Unternehmer Alexander Ljung hat sich bewusst für den Standort Deutschland entschieden: Er gründete seine Firma Soundcloud in der Hauptstadt. Sie bietet eine Plattform an, auf die Nutzer eigene Audioproduktionen hochladen können und mit anderen teilen können. Monatlich nutzen 250 Millionen Menschen den Dienst.

6Wunderkinder

Das Start-up 6Wunderkinder entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer ihren Alltag wie auch ihre Arbeit organisieren können sollen. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr. Bislang hat das Unternehmen nur sechs Millionen Nutzer, aber eine Partnerschaft mit dem bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital rückt das junge Unternehmen ins Rampenlicht.

Zalando

Hinter dem Online-Modehändler Zalando stehen die Samwer-Brüder, die sich als Seriengründer von Internet-Unternehmen einen Namen gemacht haben. Der Umsatz ist seit der Gründung 2008 rasant auf 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings arbeitet der Händler nicht profitabel. Internationale Investoren, darunter die deutsche Tengelmann-Gruppe und ein kanadischer Rentenfonds, finanzieren die internationale Expansion.

Zuletzt war Zalando insgesamt mit rund 3,8 Milliarden Euro bewertet worden. Viele Investmentbanker hatten darauf gehofft, dass Zalando der erste Milliarden-Börsengang dieses Jahres in Deutschland werden würde. Der größte Aktionär, der börsennotierte schwedische Finanzinvestor Kinnevik, hält 36,5 Prozent. Die Internet-Investoren Samwer, mit deren Geld Zalando groß geworden war, sind mit 17 Prozent nur noch der zweitgrößte Anteilseigner.

Weitere Miteigentümer sind der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen mit zehn Prozent sowie Holtzbrinck Ventures, Tengelmann und der kanadische Pensionsfonds OTPP. Dem Bericht der „Börsen-Zeitung“ zufolge will sich auch der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke an Zalando beteiligen, der seit kurzem im Aufsichtsrat des Online-Händlers sitzt.

Ritter wollte sich zum Zeitplan für den Börsengang nicht äußern. „Wir machen dann ein IPO, wenn wir glauben, dass es der richtige Schritt für Zalando ist, um Zalando auf eine neue Ebene zu bringen und weiter zu stärken.“ Finanzkreisen zufolge will das Unternehmen die Börsenpläne im September öffentlich machen, die Erstnotiz sei für Oktober geplant. Zalando wird von den Investmentbanken Credit Suisse, Morgan Stanley und Goldman Sachs an die Börse begleitet, wie Reuters im Mai erfahren hatte.

Von

rtr

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