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01.07.2013

13:51 Uhr

Bei Tochter Germanwings

Lufthansa warnt Gewerkschaft vor Streiks

Am Freitag endet bei der Lufthansa-Tochter Germanwings eine Urabstimmung der Gewerkschaft. Es könnten Streiks beschlossen werden. Die hält Lufthansa-Chef Franz für „absolut schädlich“ – und warnt seine Mitarbeiter.

Lufthansa-Chef Christoph Franz befürchtet durch die drohenden Streiks bei Germanwings Verunsicherungen bei seinen Kunden. dpa

Lufthansa-Chef Christoph Franz befürchtet durch die drohenden Streiks bei Germanwings Verunsicherungen bei seinen Kunden.

BerlinLufthansa-Chef Christoph Franz hat die Flugbegleitergewerkschaft UFO (Unabhängige Flugbegleiter Organisation) vor Streiks bei der Konzerntochter Germanwings gewarnt. Dass während laufender Tarifverhandlungen „schon mal prophylaktisch über Streiks abgestimmt“ werde, sei „absolut schädlich“ für das Geschäft, sagte Franz der „Bild“-Zeitung vom Montag. Kunden würden dadurch „nur unnötig verunsichert“. Es sei zu hoffen, dass ein langwieriger Arbeitskampf mitten in der Ferienzeit verhindert werden könne.

Bei der Germanwings endet am Freitag eine Urabstimmung der UFO. Die Gewerkschaft lässt das Kabinenpersonal der Lufthansa-Tochter darüber abstimmen, ob die Tarifforderungen mit „Arbeitskampfmaßnahmen“ durchgesetzt werden sollen.

In den Tarifverhandlungen habe es jedoch erste positive Signale gegeben, sagte Konzernchef Franz der „Bild“. Er erwarte eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern zu moderaten Konditionen. „Germanwings muss günstig bleiben“, betonte er. „Wenn dies durch zu hohe Tarifabschlüsse nicht mehr gegeben ist, hat auch die Germanwings ihre Existenzgrundlage verloren.“ Das Management müsse die Kosten "wettbewerbsfähig" halten. Sonst könne Germanwings im hart umkämpften Markt der Billigflieger nicht erfolgreich arbeiten.

Fakten zur Umstellung von Lufthansa auf Germanwings

Diese Strecken werden umgestellt

Stuttgart wurde bereits im vergangenen Jahr umgestellt; seit Ende März läuft die Umstellung auch in Hamburg. Berlin und Düsseldorf sollen noch folgen. Bis Herbst 2014 sollen fast alle Lufthansalinien innerhalb Deutschlands und Europas von Germanwings übernommen werden. Nur München und Frankfurt werden dann noch von der Lufthansa bedient.

Das ändert sich bei Germanwings

Germanwings bekommt einen neuen Markenauftritt: Der bisherige Brombeer-Farbton bleibt erhalten, allerdings wird der Schriftzug der Lufthansa angepasst. Auch die Crew bekommt neue Uniformen.

Der Preisunterschied

33 Euro kostet ein Ticket im "Basic"-Tarif, 20 Euro teurer ist ein Ticket der Mittelklasse. Deutlich teurer ist die Premium-Variante, in der bis zu 259 Euro pro Strecke fällig werden.

Die Unterschiede zwischen den Klassen

Kunden des "Best"-Tarif haben unter anderem einen großzügigem Sitzabstand von 81,2 Zentimetern und einem freien Mittelsitz. Außerdem soll ein Bord-Menü à la Carte im Preis enthalten sein. Im "Smart"-Tarif, der Mittelklasse, sitzt man mit genauso viel Beinfreiheit wie im "Best"-Tarif. Servicemäßig sind 23 Kilo Freigepäck enthalten, ein kostenloser Snack und alkoholfreie Getränke. Nur in der Holzklasse ist dies nicht enthalten - hier zählt es nur so billig wie möglich zu reisen.

Warum Businesskunden Germanwings nutzen sollen

Germanwings bekommt nicht nur ein neues Markenkonzept, sondern auch eine neue Tarifstruktur: Die Linie soll dann Passagiere mit unterschiedlichen Ansprüchen bedienen und nicht nur für Billigflieger attraktiv bleiben. Dazu wird es drei Arten von Tickets geben.

Die Gültigkeit der neuen Tarifstruktur

Ab 1. Juli gelten die neuen Tarife, die allerdings schon seit Mitte April gebucht werden können. Die Tickets behalten auch seine Gültigkeit, wenn ein Flug der Lufthansa von Germanwings durchgeführt wird. Er wird automatisch umgebucht.

Das Bonusprogramm

Die Meilenprogramme von Lufthansa und Germanwings bleiben erhalten. Die einzige Neuerung: Kunden können in Zukunft entscheiden, in welchem Programm sie ihre Meilen gutschreiben lassen wollen.

Die Lounges

Business-Vielflieger im "HON-Circle" und Vielflieger mit Senator-Status können auch mit Germanwings-Bordkarte die Senator- und Business Lounges der Lufthansa aufsuchen. Der ursprüngliche Plan war, dass sich sogenannte "Frequent Traveller" einen Zugang zur Business-Lounges für 25 Euro kaufen können - dagegen regte sich Widerstand. Nun hat diese Gruppe auch Zugang zu den Business Lounges und den Miles&More-Partnerlounges.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem fünf Prozent mehr Vergütung für die Flugbegleiter der Lufthansa-Konzerntochter. Daneben geht es UFO um die Eindämmung von befristeten Arbeitsverträgen, Regelungen zu Wechselmöglichkeiten zur Mutter-Airline Lufthansa und neue Vergütungsstufen. Die Verhandlungen über den Mantel- und Vergütungstarifvertrag laufen nach Angaben der Gewerkschaft seit einem Dreivierteljahr.

Erst an diesem Montag startete die Lufthansa die „neue Germanwings“. Die Tochtermarke bedient künftig sämtliche Strecken des Konzerns innerhalb Europas, abgesehen von den Flügen ab Frankfurt am Main und München. Damit wandern Flüge, die bislang unter der Marke Lufthansa bedient wurden zur Billigtochter.

Germanwings nimmt in der neuen Konzernstrategie der Lufthansa im Kampf gegen Billigfluggesellschaften und die Konkurrenz arabischer und asiatischer Airlines eine wichtige Stellung ein. Die Lufthansa steht unter erheblichem Kostendruck. Ende vergangenen Jahres hatte Deutschlands größte Fluggesellschaft deshalb eine Neuausrichtung ihres Geschäfts bekanntgegeben.

Derzeit durchläuft die Lufthansa ein Sparprogramm. Der Konzern will unter anderem weltweit 3500 Stellen in der Verwaltung streichen und dadurch zusammen mit anderen Schritten sein Ergebnis im laufenden Geschäft um 1,5 Milliarden Euro verbessern.

Von

afp

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