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24.06.2013

17:17 Uhr

„Bei weitem zu niedrig“

Arbeitgeber im Einzelhandel legen erstes Angebot vor

Die Beschäftigten im Einzelhandel können sich Hoffnungen auf mehr Lohn machen. Die Arbeitgeber der Branche haben jetzt ein erstes Angebot vorgelegt – doch Verdi ist noch lange nicht zufrieden.

Der Tarifkampf im Einzelhandel hat gerade erst angefangen. dpa

Der Tarifkampf im Einzelhandel hat gerade erst angefangen.

BerlinIn die Tarifverhandlungen für die knapp drei Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel kommt Bewegung. Die Arbeitgeber legten bei der dritten Gesprächsrunde in Baden-Württemberg am Montag bundesweit erstmals ein konkretes Lohn-Angebot vor. Die Gehälter sollen in zwei Stufen insgesamt um vier Prozent steigen, zunächst um 2,5 Prozent zum 1. Juli, dann um weitere 1,5 Prozent zum 1. April 2014 bei einer zweijährigen Laufzeit bis Ende März 2015. Die Arbeitgeber koppelten ihre Offerte allerdings an Änderungen in der Entgeltstruktur und im Manteltarifvertrag, was die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi umgehend ablehnte. „Das akzeptieren wir nicht“, sagte ein Verdi-Sprecher. Zudem sei das Lohn-Angebot „bei weitem zu niedrig“.

Knackpunkt der Gespräche dürfte damit das Junktim der Arbeitgeber sein. „Wir sind bereit, mit Verdi über Entgelterhöhungen zu verhandeln, aber nur im Zusammenhang mit einigen für die Branche wichtigen Reformpunkten“, erklärte der Handelsverband Baden-Württemberg. Außer Hamburg hatten alle Verbände den Manteltarifvertrag gekündigt. Ein Verdi-Sprecher aus Baden-Württemberg sagte Reuters: „Wir fordern, dass der Manteltarifvertrag unverändert in Kraft gesetzt wird.“

Arbeitgeber wollen viele Kassierer herunterstufen

Die Arbeitgeber wollen eine neue Entgeltgruppe für Hilfstätigkeiten einführen. Für diese sogenannten Verräumkräfte, die Waren ins Regal stellen, sollen Spät- und Nachtzuschläge gestrichen werden. Zudem sollen Kassierer anders und damit weitgehend tiefer in die Lohngruppen einsortiert werden und zusätzlich ihre Kassierzulage verlieren. „Wir können nicht weiterhin Tätigkeiten, für die eine dreitägige Anlernzeit ausreichend ist, besser vergüten, als kaufmännische Tätigkeiten, die eine dreijährige Ausbildung erfordern“, sagte der baden-württembergische Arbeitgeber-Verhandlungsführer Philip Merten. Fernen sollen Öffnungsklauseln ein moderneres Arbeitszeitsystem wie Zeitkonten ermöglichen.

Die Lohnforderungen von Verdi sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. In Baden-Württemberg fordert die Gewerkschaft ein Plus von einem Euro pro Stunde und für Azubis 90 Euro mehr im Monat. In Ländern wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen will Verdi ein Lohnplus von 6,5 Prozent, mindestens aber 140 Euro mehr im Monat, durchsetzen. Als nächster Verhandlungstermin im Südwesten ist der 11. Juli geplant, dies sei aber noch unter Vorbehalt, sagte der Verdi-Sprecher.

Von

rtr

Kommentare (1)

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25.06.2013, 08:02 Uhr

„Wir können nicht weiterhin Tätigkeiten, für die eine dreitägige Anlernzeit ausreichend ist, besser vergüten, als kaufmännische Tätigkeiten, die eine dreijährige Ausbildung erfordern“

Nun ja, nicht jeder, der eine dreijährige Ausbildung absolviert hat, bekommt eine Stelle als Filialleiter oder Substitut. Soll dieser Mensch nun weniger bekommen weil er an der Kasse geparkt wird? Und auch das Ware verräumen gehört zum Berufsbild im Einzelhandel. Wozu braucht es ganze Verräumkolonnen, die schlecht bezahlt werden?

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