Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.08.2011

15:17 Uhr

Beispiel USA

Wie ein Fluglotsenstreik im Desaster enden kann

VonMichael Brächer

In den USA haben die wenigsten etwas für einen Streik übrig. Das mussten heute vor dreißig Jahren auch die Fluglotsen erfahren, die Präsident Ronald Reagan erbittert bekämpfte. Ein Vorbild für Deutschland?

US-Präsident Reagan statuierte an den Fluglotsen ein Exempel. Quelle: picture-alliance / dpapicture-alliance

US-Präsident Reagan statuierte an den Fluglotsen ein Exempel.

DüsseldorfBessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn für den nervenaufreibenden Job im Tower: Die Forderungen der Gewerkschaft der Deutschen Flugsicherung dürfte vielen amerikanischen Kollegen bekannt vorkommen. Einst verlangten auch die US-Fluglotsen von ihrem Arbeitgeber bessere Konditionen. Der Streik ist 30 Jahre her - und ging für die Arbeitnehmer übel aus.

Sommer 1981: Die Verhandlungen der Fluglotsen mit der zuständigen Luftfahrtaufsicht FAA ziehen sich bereits seit Monaten hin. Ohne Ergebnis. Washington will den Forderungen der Gewerkschaft nicht nachgeben: Die Regierung fürchtet einen Präzedenzfall, auf den sich fortan auch andere Angestellte, die bei Post, Flughäfen oder anderswo im öffentlichen Dienst arbeiten, berufen können. Als der engagierte Gewerkschaftsführer Robert E. Poli die Mitglieder der Professional Air Traffic Controllers Association (Patco) zum Streik anstachelt, eskaliert die Situation weiter. Doch Poli fehlt das nötige Kaliber, um die Forderungen der Fluglotsen durchzusetzen: „Er mag ein guter Fluglotse sein, aber als Politstratege ist er völlig überfordert“, sagt ein Gewerkschaftskollege damals dem „Time Magazine“.

Auch andere Gewerkschaften sehen die Streikpläne der Fluglotsen mit Skepsis. Liefern sie US-Präsident Ronald Reagan mit dem Arbeitsausstand womöglich eine Steilvorlage, um härter gegen die Arbeiterbewegung vorzugehen? Zudem hat ausgerechnet die Fluglotsen-Bewegung nur wenige Monate zuvor noch Reagans Wahlkampf unterstützt. Auch sind die Fluglotsen bei anderen Gewerkschaften nicht gerade für ihre solidarische Haltung bekannt: Die Piloten sind auf die Kollegen im Tower beispielsweise noch immer schlecht zu sprechen, weil sie ihnen beim letzten Streik in den Rücken gefallen waren. Poli will den Streik trotzdem - und führt seine Gewerkschaft in den Untergang.

Als die Lotsen am 3. August 1981 die Arbeit niederlegen, hat Reagan leichtes Spiel. Er setzt den Lotsen ein Ultimatum: „Das Gesetz ist eindeutig. Und sie verletzten das Gesetz“, sagt der Präsident in einer Pressekonferenz. Wer binnen 48 Stunden nicht wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehre, werde gefeuert.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

pablito

05.08.2011, 16:47 Uhr

es wird höchste zeit, dass die entscheidungsträger in ganz europa endlich diesen artikel lesen und vielleicht auch verstehen.
dieses immerwiederkehrende theater um die fluglotsen in irgend einem eu-land, stinken schon sehr (zu sehr) gegen den himmel. warum man diese angestellten des öffentlichen dienst nicht ganz einfach in den beamtenstand befördert und sie auch der besoldungs-skala unterstellt, ohne recht auf streik, kann ein normaler mensch wahrscheinlich nicht verstehen.
die ganze luftsicherung in europa muss schlicht und einfach verstaatlich werden !
es kann nicht angehen, dass diese verwöhnte clique regelmässig ihre gehaltsdrohungen am reiseverkehr auslassen.

da sollten sich die eu-politiker/innen ein bespiel an reagan ronald nehmen....

steht endlich auf haut diesem gesindel auf die finger, denn dies geht.

heinrich

05.08.2011, 17:57 Uhr

Absolut richtig !

2703jakob

05.08.2011, 18:25 Uhr

Hoffentlich haben das die Fluglotsen mit Ihrer anstrengenden 26-Stunden Woche und ihrem "Vorruhestand" ab 55 mit 70% vom letzten Gehalt und Rente mit 62 auch gelesen. Schämen sollten sich die Lotsen und auch die Gewerkschaften. Nicht einmal Piloten der Ferienflieger verdienen in Deutschland so viel!!Ganz davon zu schweigen was der Durchschnitt Deutschlands Arbeitnehmer verdient:z.B. Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern deren Verantwortung nicht geringer einzuschätzen ist. Die Streitigkeiten zusätzlich auf dem Rücken der Familien auszutragen und deren schönste Wochen des Jahres zu ruinieren ist ja das allerletzte..Und Ihr Lotsen wollt mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen?? Dann "GEH(T) HALT"!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×