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12.04.2006

16:03 Uhr

Beitritt in Star Alliance

Afrika rückt auf den Flugplan

VonWolfgang Drechsler und Matthias Eberle

Der Beitritt von South African Airways zum weltgrößten Fluglinien-Verbund Star Alliance geriet zu einem großen Fest – und das nicht umsonst. Mit der Integrierung der einzigen afrikanischen Fluglinie internationalen Ranges sind in Afrika große wirtschaftliche Hoffnungen verbunden.

KAPSTADT / JOHANNESBURG. Die Aufnahme eines neuen Unternehmens in den Flugverbund Star Alliance kann man als aufgepeppte Pressekonferenz organisieren – wie in der Vorwoche bei Swiss in Zürich – oder aber als pompöse Party. South African Airways (SAA) hat sich für die zweite Version entschieden: mit fünf Tenören, Vorstandschefs aus 17 verschiedenen Ländern und einigen Tausend Mitarbeitern in den Hauptrollen. Unter Tränen schmettert die SAA-Belegschaft die Nationalhymne („Let us live and strive for freedom“), schwenkt dabei bunte Fähnchen und schaut später gebannt gen Himmel, als drei Airbus-Großraumjets in einem spektakulären Formationsflug über dem Flughafen Johannesburg schweben.

Die aufwändige Inszenierung soll zeigen: Hier wird kein Unternehmen in den weltgrößten Fluglinien-Verbund integriert, sondern ein ganzer Kontinent: „Wir sind stolz darauf, Afrika in die Welt zu bringen – und die Welt nach Afrika“, posaunte SAA-Vorstandschef Khaya Ngqula vom Rednerpult. Das knapp 12 000 Mitarbeiter große Unternehmen ist die einzige afrikanische Fluglinie von internationaler Bedeutung. Das öffentliche Interesse wird wachsen durch die Star-Alliance-Aufnahme, in deren Riege so renommierte Flugkonzerne wie Singapore Airlines oder Lufthansa stehen. Entsprechend kritisch wird die verwöhnte Kundschaft fortan darauf schauen, ob die Südafrikaner ihre operativen Probleme in den Griff bekommen.

Erst vor zwei Wochen hatten heimische Medien Beschwerdebriefe über zwei volle Zeitungsseiten abgedruckt. Man könne vielleicht 90 Prozent, aber eben nicht jeden einzelnen Fluggast zufrieden stellen, sagte Ngqula und verwies auf die vollzogene Umstellung der IT-Systeme auf die Plattform der Star Alliance.

Zuvor waren bereits einige Expansionspläne der SAA spektakulär gescheitert. Der Versuch, sich durch den Einstieg bei Alliance Air in Uganda eine Präsenz in Ostafrika zu verschaffen, missglückte ebenso wie der Aufbau eines Drehkreuzes im westafrikanischen Ghana. Daneben leidet der Carrier bis heute unter einer Art Behördenmentalität, die vielen staatlichen Fluglinien anhaftet. Die Teilprivatisierung, bei der die Swissair-Gruppe vor sieben Jahren 20 Prozent der SAA-Anteile übernommen hatte, wurde durch den Bankrott der Schweizer obsolet. Nur zwei Jahre später kaufte das staatliche Transportunternehmen Transnet die Anteile zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises zurück.

Die Aufwertung der südafrikanischen Währung Rand zwischen 2002 und 2004 hatte SAA an den Rand der Pleite geführt. Das hohe Defizit von insgesamt 15 Mrd. Rand (2,05 Mrd. Euro) in nur zwei Jahren war eine direkte Folge der Absicherung gegen einen fallenden Rand (Hedging). Stattdessen hatte sich die Währung gegenüber dem Dollar um mehr als 90 Prozent aufgewertet. Die offenen Hedge-Positionen der damals praktisch insolventen Airline musste Transnet übernehmen und darüber hinaus frisches Kapital im Höhe von mehr als zwei Mrd. Rand (270 Mill. Euro) zuschießen.

Inzwischen schreibt SAA wieder schwarze Zahlen. Im Geschäftsbericht 2004 stand ein Nettogewinn von 966 Mill. Rand (132 Mill. Euro). Dabei erhöhte sich der Umsatz um sieben Prozent auf 17,4 Mrd. Rand (2,4 Mrd. Euro). Schließlich hat die Fluglinie eines ihrer größten Probleme gelöst und die veraltete, inhomogene Flotte im Langstreckenbereich durch die Bestellung von 42 Airbus-Flugzeugen abgelöst – von denen SAA allerdings 15 wegen akuter Finanzprobleme storniert hat.

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