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14.11.2013

16:30 Uhr

Bekenntnis der Finanzchefin

Kostenschätzung für BER unmöglich

Die Liste der Peinlichkeiten rund um den Neubau des Hauptstadtflughafens ist lang - und wird jetzt noch länger. Selbst die Finanzchefin sieht sich derzeit außerstande die Gesamtkosten des Bauprojekts zu beziffern.

Die Stoppschilder sind schon da, die Flugzeuge nicht. Die Baustelle BER kostet täglich Millionen. dpa

Die Stoppschilder sind schon da, die Flugzeuge nicht. Die Baustelle BER kostet täglich Millionen.

PotsdamEine Kostenschätzung für den künftigen Hauptstadtflughafen ist nach Aussage von Finanzchefin Heike Fölster derzeit nicht möglich. „Ich kann heute nicht sagen, was wir an Gesamtkosten haben werden“, sagte Fölster am Donnerstag im Haushaltsausschuss des Landtags in Potsdam. „Aber allen ist klar, dass der Flughafen mehr kosten wird. Es gibt zusätzlichen Liquiditätsbedarf.“

Die bisher offiziell genannten Gesamtkosten belaufen sich auf 4,3 Milliarden Euro. Dies galt allerdings für den Fall einer Eröffnung des Airports Ende Oktober, die erneut verschoben wurde. Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf Experten berichtet, dass der Flughafen nun noch einmal 1,1 Milliarden Euro teurer werden könnte.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

„Derzeit laufen die Planungen und Ausschreibungen für die Entrauchungsanlage“, erläuterte Fölster. Erst danach könne eine seriöse Kostenplanung erstellt werden. Der Aufsichtsrat habe die Geschäftsführung gebeten, „wenn möglich“ bis zur nächsten Sitzung am 13. Dezember eine Schätzung der Gesamtkosten abzugeben und einen Eröffnungstermin zu nennen. „Wir werden uns bemühen, das einzuhalten“, sagte Fölster. Die Kosten für die Baustelle in Schönefeld bezifferte sie mit gut 17 Millionen Euro monatlich. Hinzu kämen weitere 17 Millionen Euro an entgangenen Mieten und Gebühren.

Zuletzt waren Ende 2012 von den Gesellschaftern Bund, Berlin und Land Brandenburg zusätzlich 1,2 Milliarden Euro für den Flughafen bewilligt worden. Davon sind nach Angaben der Flughafengesellschaft wegen des Stillstands der Baustelle aber erst 242 Millionen Euro abgeflossen. Allerdings ist ein Großteil der verbliebenen Summe bereits fest gebunden.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Dipl.-Ing.

14.11.2013, 16:53 Uhr

Hochbezahlte und wohlversorgte Spitzenpolitiker und Spitzenbeamte!
In der freien Wirtschaft, in der sie nach eigenen Worten ein Vielfaches verdienen würden :-), wären sie längst arbeitslos! Lediglich die politische Postenschacherei hält sie noch am beruflichen Leben! Entlassen, Pensionsansprüche streichen und auf Schadensersatz verklagen!

Komaraz

14.11.2013, 18:00 Uhr

Wie hat mein alter Professor bei Großprojekten immer gesagt...
Fangt schon mal an zu bauen.
Ich sage euch später, was ihr wieder wegreißen könnt.

uri125

14.11.2013, 19:22 Uhr

Ein Flughafen der nicht fertig wird und dem Steuerzahler pro Monat 31.Mill. Euro kostet. Da regt man sich über einen kleinen Bischoff auf. Unglaublich. Wo bleiben die Rücktritte von Wovereit und Platzek. Auch Mehdorn stolpert hier nur durch die Botanik. Unglaublich.

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