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24.01.2005

19:20 Uhr

Belgien misstrauisch

Nach Cook fordert nun auch Tui weitere Kerosinzuschläge

Wegen der gestiegenen Treibstoffkosten müssen Urlauber nun auch im Sommer oft tiefer in die Tasche greifen. Die vier großen deutschen Veranstalter verlangen für Flüge nach Asien, in die USA oder in die Karibik pro Reise (Hin- und Rückflug) bis zu 28 Euro mehr. Belgien vermutet bei den Kerosinzuschlägen bereits verbotene Preisabsprachen.

TUI schloss sich den anderen Konzernen an.

TUI schloss sich den anderen Konzernen an.

HB HANNOVER/DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Europas größter Reisekonzern Tui folgte am Montag dem Beispiel anderer deutscher Veranstalter. Der Marktführer verlängerte in Deutschland seine bereits für die Wintersaison geltenden Zuschläge für die Sommersaison und verdoppelte dabei den Aufpreis für Fernreisen von bisher zwölf auf 24 € pro Person. Auf Mittelstrecken innerhalb Europas bleibt Tui bei der bisherigen Zuzahlung von zehn Euro.

Bereits vorige Woche hatten Konkurrenten wie Thomas Cook (Neckermann, Aldiana), die Rewe-Veranstalter ITS, Tjaereborg und Jahn sowie Alltours als Nummer vier der Branche Kerosinaufschläge auch für die Sommersaison beschlossen, allerdings zum Teil noch keine konkreten Zahlen genannt.

Innerhalb Europas bleibt es in der Regel zwischen zehn und zwölf Euro je Reise. Wie aber am Montag bekannt wurde, haben die Rewe-Veranstalter, die vor allem mit der Fluggesellschaft LTU fliegen, für Fernreisen den Zuschlag auf 28 € heraufgesetzt. Alltours kassiert nach eigenen Angaben 26 €, nachdem vorige Woche den Reisebüros zunächst sogar 36 € je Fernreise angewiesen worden waren.

Der Cook-Konzern hat als einziger bereits für die noch laufende Wintersaison neben elf Euro für die Mittelstrecke bereits 24 € für Fernreisen angesetzt. Die anderen Veranstalter beließen es bei der Hälfte, weil sie fürchteten, zu hohe Zuschläge könnte die im vorigen Jahr in Deutschland wieder stärker gewordene Reiselust dämpfen.

Allerdings heißt es in Branchenkreisen, dass lediglich zwölf Euro pro Fernreise die Mehrkosten der Fluggesellschaften durch den hohen Ölpreis bei weitem nicht decken würden. Fernreisen blieben trotz der Zuschläge durch den günstigen Dollarkurs weiterhin attraktiv. Experten rechnen im größten europäischen Reisemarkt nach einem Branchenwachstum von gut vier Prozent im vorigen Jahr für 2005 allerdings in jedem Fall mit einem schwächeren Zuwachs.

Wegen des Verdachts von Preisabsprachen bei Tui und Thomas Cook hat die belgische Regierung nun die Wettbewerbsbehörden eingeschaltet. Der belgische Wirtschaftsminister Marc Verwilghen habe die Wettbewerbsbehörde darum gebeten, Daten über Tui und Thomas Cook zusammenzutragen, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag. Der Verdacht war durch einen Magazinbericht aufgekommen, der auf die zeitgleiche Erhebung von Kerosin-Zuschlägen beider Touristik-Unternehmen im Mai vergangenen Jahres aufmerksam machte. Tui und Thomas Cook wiesen jeglichen Verdacht einer Absprache zurück.

Ein Tui-Sprecher sagte, der Konzern habe nichts zu verbergen und werde sich bei etwaigen Untersuchungen kooperativ zeigen. „Die Tatsache, dass die Preise heruntergehen, ist der beste Beweis dafür, dass es einen starken Wettbewerb gibt“, sagte ein Thomas-Cook-Sprecher.

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