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12.02.2014

18:50 Uhr

BER-Chef

Mehdorn will alten Flughafen Schönefeld weiternutzen

Erst sollte Tegel offenbleiben, nun Schönefeld: Der Chef des Berliner Flughafens Hartmut Mehdorn sorgt sich um die Zeit nach Eröffnung des neuen Flughafens. Und schafft mit einer Personalie neue Unruhe.

Hartmut Mehdorn war früher Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin. Nun kümmert er sich um die Eröffnung des Flughafens BER. dpa

Hartmut Mehdorn war früher Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin. Nun kümmert er sich um die Eröffnung des Flughafens BER.

BerlinDer Berliner Flughafenchef Hartmut Mehdorn schlägt vor, den alten Airport Schönefeld auch nach Öffnung des neuen Hauptstadtflughafens nebenan weiterzubetreiben. „Das ist eine Option, die wir prüfen“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Mittwoch auf Anfrage. Mehdorn hat den Vorschlag nach dpa-Informationen schon im Aufsichtsrat zur Sprache gebracht. Das Gremium hat aber noch nicht darüber beraten. Die Zeitungen „B.Z.“ und „Bild“ hatten über den Plan berichtet. Im Gespräch sei, Schönefeld-Alt als Billigflieger-Terminal weiterzunutzen.

Hintergrund ist die jährliche Kapazität des neuen Airports von 27 Millionen Passagieren. Sie dürfte bei Eröffnung, die frühestens im nächsten Jahr erwartet wird, bereits erreicht sein. Im alten Schönefelder Terminal können bis zu 7,5 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden. Diese Lösung würde auch hohe Zusatzkosten vermeiden, die durch den Bau eines weiteren Abfertigungsgebäudes entstünden.

Nach nur fünf Monaten trennte sich Mehdorn von einem seiner beiden Bauleiter. Die 46 Jahre alte Regina Töpfer war in der Probezeit, die noch bis Ende Februar lief. Sie bestätigte den Rauswurf am Mittwoch. „Die Entscheidung traf mich ohne Vorwarnung“, sagte Töpfer der „Berliner Morgenpost“. Die Flughafengesellschaft wollte zu der Personalie keine Stellung nehmen, weil es sich um Interna handele. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte am Mittwoch über den Fall berichtet.

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus Martin Delius (Piratenpartei) sagte „Handelsblatt Online“, die Entlassung Töpfers erwecke den Eindruck, als wolle Mehdorn „allein und eigenhändig“ den Hauptstadtflughafen zu Ende bauen. „Seine Personalpolitik im Zusammenhang mit der Baustelle zeugt von Selbstüberschätzung. Wer Mehdorn widerspricht, fliegt“, sagte Delius.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Mehdorn hatte bereits kurz nach Amtsantritt im März 2013 mit der Forderung für Aufsehen gesorgt, den Flughafen Tegel offenzuhalten. Für die neuen Schönefeld-Pläne zeigte sich Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD) „grundsätzlich offen“. Es sei „richtig, sich auf das so nicht vorhersehbare außergewöhnliche Wachstum des Flugverkehrs in der Region strategisch und konzeptionell einzustellen. Da hat die jetzt ins Spiel gebrachte Option bei allen noch offenen Fragen durchaus positive Aspekte.“

Zu den Spekulationen über die Mehrkosten des neuen Flughafens muss sich Brandenburgs neuer Finanzminister und Aufsichtsrat Christian Görke (Linke) am Donnerstag im Finanzausschuss den Fragen der Landtagsabgeordneten stellen. Bislang werden für das Projekt offiziell 4,3 Milliarden Euro angesetzt. Görke nannte bislang keine konkreten Zahlen, forderte aber von der Flughafengesellschaft mehr Eigenfinanzierung.

Von

dpa

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