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19.08.2013

15:24 Uhr

BER-Teilöffnungsplan

Mehdorn muss noch mal in den Aufsichtsrat

Bevor der Hauptstadtflughafen BER für den Teilstart umgebaut werden kann, ist eine Baugenehmigung nötig. Und danach muss sich Airport-Chef Mehdorn nochmals kritischen Fragen stellen.

Hartmut Mehdorn stößt bei seinen Plänen für BER noch auf Widerstand. Reuters

Hartmut Mehdorn stößt bei seinen Plänen für BER noch auf Widerstand.

SchönefeldDer Aufsichtsrat des Hauptstadtflughafens wird sich im Oktober nochmals mit dem Plan befassen, zunächst am Nordflügel des Flughafens die ersten Passagiere abzufertigen. Geschäftsführer Hartmut Mehdorn solle bis dahin klären, ob das Vorhaben einer Teileröffnung genehmigungsfähig ist, wie ein Flughafensprecher am Montag sagte. Die zuständige Behörde hatte sich vorab zurückhaltend geäußert.

„Dass die baurechtlichen Regelungen erst geklärt werden müssen, bevor irgendwas gebaut wird, ist klar“, hieß es am Montag in Aufsichtsratskreisen. Ob dann noch ein formeller Beschluss des Kontrollgremiums nötig ist, wie die „Bild“ (Montag) berichtete, wurde als unklar bezeichnet.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Die Aufsichtsräte um den Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatten Mehdorn am Freitag beauftragt, sein Konzept weiterzuverfolgen. Er will möglichst im März oder April im Nordpier starten, zunächst mit maximal zehn Starts und Landungen am Tag. Das soll dem Test der Abläufe im Flughafen dienen. Flughafensprecher Ralf Kunkel trat am Montag Berichten entgegen, Mehdorn habe mit seinem Rücktritt gedroht, sollte sein Plan im Aufsichtsrat scheitern.

Ein Alternativkonzept des Technikchefs Horst Amann fand keine Mehrheit. Der Aufsichtsrat enthielt sich geschlossen, wie es am Montag hieß. Amann habe aber Lob für seine Bestandsaufnahme der Mängel und Fehlplanungen auf der Baustelle erhalten. „Das ist die Grundlage für die weiteren Arbeiten.“

Einen Bericht der Zeitung „B.Z.“ (Montag), nach dem der Flughafen insgesamt erst im Sommer 2016 fertig werde, nannte Sprecher Kunkel am Montag eine Spekulation. Im Oktober würden die nächsten Schritte vorgestellt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Daniel

21.08.2013, 06:52 Uhr

Ja, Ja, heisse Luft. Und Mehdorns "Sprint"-Programm ist ein lahmes Faultier.

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