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15.08.2014

10:51 Uhr

Berggruen steigt aus

Benko bestätigt Karstadt-Übernahme

Umbruch bei Karstadt: Der Österreicher René Benko übernimmt alle Warenhäuser. Nicolas Berggruen steigt vollständig aus – und will dafür nicht mal Geld sehen.

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FrankfurtDer österreichische Investor René Benko übernimmt die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ganz. Der bisherige Eigner Nicolas Berggruen ziehe sich vollständig zurück und gebe auch seine Minderheitsposition bei den Premium- und Sporthäusern der Gruppe auf, teilte Benkos Signa Holding am Freitag mit.

Schon Anfang kommender Woche soll der Österreicher die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen. Der Kaufpreis beträgt laut Berggruen Holdings einen Euro.

„Wir machen den Weg frei für einen Neuanfang“, wird Berggruen in einer Mitteilung zitiert. Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, betonte: „Wir sind bereits umfangreich bei Karstadt engagiert – somit war die komplette Übernahme der Karstadt Warenhaus GmbH angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz.“ Signa übernehme damit auch die operative Verantwortung und verschaffe dem Unternehmen Klarheit über die künftige Eigentümerstruktur. Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Die Signa Holding besaß bisher bereits die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns sowie zahlreiche Karstadt-Immobilien. Erst im vergangenen September hatte Benko sich die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den Luxuswarenhäusern - dem Berliner KaDeWe, dem Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München - gesichert. Berggruen kontrollierte seitdem nur noch die Mehrheit am operativen Stammgeschäft um die verbliebenen gut 80 Warenhäuser.

Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten und sinkenden Umsätzen. Berggruen, Sohn des verstorbenen Mäzens und Kunstsammlers Heinz Berggruen, hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Damals war er auch von den Arbeitnehmern als Retter gefeiert worden. Die Stimmung ist aber umgeschlagen, denn auch Berggruen schaffte es nicht, Karstadt auf Kurs zu bringen.

Der oberste Arbeitnehmervertreter von Karstadt gibt sich kämpferisch. Der Warenhauskonzern habe auch mit Benko eine Zukunft, sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt der Zeitschrift „Textilwirtschaft“ (Freitag) vor der endgültigen Bestätigung der Übernahme. „Wir haben Konzepte für mehr Regionalität und Variabilität, die sich ohne große Investitionen umsetzen ließen“, so Patzelt. „Ich werde versuchen, Benko davon zu überzeugen.“ Benko müsse zeigen, „dass er gewillt ist, in Karstadt umgehend und ausreichend zu investieren“, forderte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied und zuständig für den Handel, am Freitag.

In der kommenden Woche wollte der Karstadt-Aufsichtsrat ursprünglich über einen neuen Sanierungsplan beraten, der nach den Worten der Konzernführung „keine Tabus“ mehr kennen sollte.

Kommentare (4)

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Herr Peter Kock

15.08.2014, 14:36 Uhr

Es ändert alles nichts an der Tatsache das keiner den maroden Laden übernimmt NUR um Geld zu verlieren. Das wäre auch schön blöd aber es wäre auch schön blöd das anzunehmen.

Frau Pia Paff

15.08.2014, 14:42 Uhr

Benko wird Karstadt filetieren. Karstadt ist tot!

Herr Hans Meixner

15.08.2014, 15:42 Uhr

Man kann's nicht glauben: erst vor kurzen wurde vom Amtsgericht Wien ein Urteil wegen Korruption gegen Benko bestätigt. Nun übernimmt er Karstadt vollständig. Wahrscheinlich wird's noch schlimmer als unter Berggruen. Die "Sahnestückchen" werden "aufgepäppelt" (auf Kosten der anderen Filialen) und dann baldmöglichst mit großem Gewinn veräußert, der Rest geht dann in Insolvenz. Mal sehen wie lange das dauert. Metro kann sich schon mal Gedanken um seinen Kaufhof machen, ob dieser dann noch verkauft werden soll (muß?)

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