Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.08.2012

10:30 Uhr

Berlin-Brandenburg

Flughafen-Chef Schwarz vor der Ablösung?

Rainer Schwarz soll den Überblick über die Kosten- und Terminplanung verloren haben. Laut Medienberichten steht seine Ablösung als Chef des neuen Hauptstadtflughafens daher kurz bevor. Doch der Berliner Senat dementiert.

Vor der Ablösung? Rainer Schwarz (r.), hier mit Berlins Regierendem Bürgermeister und BER-Aufsichtsratsvorsitzendem Klaus Wowereit (SPD). dpa

Vor der Ablösung? Rainer Schwarz (r.), hier mit Berlins Regierendem Bürgermeister und BER-Aufsichtsratsvorsitzendem Klaus Wowereit (SPD).

BerlinDer Chef des neuen Hauptstadtflughafens, Rainer Schwarz, steht nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ vor seiner Ablösung. Voraussichtlich auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am 14. September werde dies erfolgen, berichtet die Zeitung (Mittwochsausgabe).

Ihm werde vorgeworfen, den Überblick über die Kosten- und Terminplanung verloren zu haben. Außerdem habe er trotz der schwierigen Lage des wegen Baumängeln noch nicht eröffneten Hauptstadtflughafens BER seinen turnusgemäßen Urlaub Ende Juli genommen.

Der Sprecher des Berliner Senats, Richard Meng, hat eine bevorstehende Entlassung von Schwarz dementiert. „Weder gibt es eine Ablösung von Schwarz, noch werden neue Geschäftsführer berufen“, sagte Meng am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Zuvor hatte auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtet, dass Schwarz abgelöst werden soll. Der Rundfunksender will aus Gesellschafterkreise erfahren haben, dass Schwarz bislang keinen Vorschlag unterbreitet habe, wie die erwarteten Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro ausgeglichen werden könnten.

Wie die „Morgenpost“ weiter berichtete, wollen die Flughafengesellschafter - die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund - zudem die BER-Geschäftsführung erweitern. Bislang besteht das Management aus Schwarz als Sprecher der Geschäftsführung und Horst Amann als technischem Geschäftsführer.

In Zukunft soll sich den Angaben zufolge ein eigener Finanzvorstand ausschließlich um die Erlös- und Kostensituation des neuen Großflughafens kümmern. Die Gesellschafter suchen demnach bereits nach geeigneten Kandidaten. Mittelfristig solle es im Vorstand auch ein für Personal und Organisation verantwortliches Mitglied geben.

Die Eröffnung des Flughafens musste wegen der gravierender Probleme im Mai verschoben werden. Ob der neue Termin am 17. März 2013 gehalten werden kann, ist unsicher. Heute tagen die Gesellschafter der Flughafengesellschaft, die Länder Berlin, Brandenburg und der Bund. Dabei geht es um den Jahresabschluss 2011 und damit auch um die Entlastung der Geschäftsführung.

Kommentare (14)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Selbst_schuld

22.08.2012, 09:49 Uhr

Herr Schwarz, da sind Sie aber sebst schuld, dass Sie jetzt als Bauernopfer herhalten müssen. Da haben Sie sich zu lange vom Wowiebär und vom Burn-Out-Platzeck an der Nase rumführen lassen. Sie hätten diese Taugenichtse rauschmeißen müssen, als Sie begonnen haben dieses Chaos zu verursachen. Aber Politiker sind ja bekanntlich Unfehlbar. An denen hat es nicht gelegen. Wowie kann ja immerhin ganz Pleite-Berlin regieren. Dann kann er doch so einen Flughafen mit links managen.

Nachwuchs

22.08.2012, 10:04 Uhr

Er soll nicht abgelöst werden, sondern die von ihm persönlich verursachten(alle?) sofort begleichen.

abzocker

22.08.2012, 10:07 Uhr

ja toll,dann kassiert er wieder eine Millionenabfindung und setzt das nächste Projekt in den Sand.
Besser währe absofort kein Gehalt zahlen und er soll die Sache zuendebringen ansonsten muß er Millionen Schadenersatz zahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×