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21.05.2012

19:54 Uhr

Berlin-Brandenburg

Kosten für Hauptstadtflughafen explodieren

Der neue Berliner Flughafen kommt nicht aus den Schlagzeilen. Erst musste die Eröffnung auf März 2013 verschoben werden, jetzt explodieren die Kosten - und die 3-Milliarden-Grenze wird wohl deutlich durchbrochen.

Die Kosten für das neue Terminal des Flughafen Berlin Brandenburg (BER) verdoppeln sich. dpa

Die Kosten für das neue Terminal des Flughafen Berlin Brandenburg (BER) verdoppeln sich.

PotsdamAm neuen Berliner Hauptstadtflughafen mehren sich die Anzeichen für eine Kostenexplosion. Allein das Abfertigungsgebäude kostet nach aktueller Prognose 1,22 Milliarden Euro, wie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Montag sagte. Hinzu kämen 50 Millionen Euro für Um- und Anbauten.

Damit wäre das Abfertigungsgebäude doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Als Gründe nannte Platzeck zusätzliche Ausgaben etwa für doppelstöckige Fluggastbrücken. Hinzu kämen Kosten für neue Sicherheitstechnik wegen der EU-Freigabe für Wasserflaschen im Handgepäck ab 2013.

Großflughafen BER in Zahlen

Der Bau

Mit der Eröffnung des neuen Flughafens wird der gesamte Luftverkehr der Hauptstadtregion im Südosten Berlins am Standort des alten Flughafens Schönefeld konzentriert. Baubeginn war am 5. September 2006. Seitdem wird im märkischen Sand gebuddelt. Immer noch sind tagtäglich 5.000 Bauarbeiter mit den abschließenden Arbeiten auf der Baustelle beschäftigt.

Der Umzug

Für den 2. Juni war die Umzugsnacht geplant – eine große logistische Herausforderung: dann sollten ursprünglich die bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld geschlossen werden – alles Gerät sollte innerhalb weniger Stunden zum neuen Flughafen gebracht, die Autobahn wird für die 600 LKW-Fahrten einseitig gesperrt. Am Morgen des 3. Juni sollte von hier aus die erste Maschine starten.

Die Infrastruktur

Der neue Flughafen wird über einen sechsgleisigen Bahnhof mit drei Bahnsteigen direkt unter dem Terminalverfügen. Der Airport Express fährt alle 15 Minuten vom Hauptbahnhof zum BER. Fahrtzeit:30 Minuten. Die S-Bahn verkehrt im 10-Minuten-Takt. Für Autofahrerstehen 10.000 Parkplätze zur Verfügung.

Das Terminal

Das Terminal bietet mit seinen sechs Geschossebenen zunächst für bis zu 27 Millionen Passagieren im Jahr Platz. Dem Terminal vorgelagert ist der 715 Meter lange Hauptpier, ergänzt durch ein 350 Meter langes Nord-Pier und ein 350 Meterlanges Süd-Pier: Das heißt, der Passagier hat von der Sicherheitskontrolle aus längstens 700 Meter zu seinem Abflug-Gate zu laufen.

(Autorin: Silke Kersting)

Die Eröffnung des Flughafens war vom 3. Juni auf März 2013 verschoben worden, weil die Brandschutzanlage nicht fertig ist. Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien kostet der Neubau des Flughafens insgesamt statt der ursprünglich erwarteten 2,4 Milliarden Euro nun knapp 3 Milliarden Euro - etwa weil zahlreiche zusätzliche Arbeiter auf die Baustelle kamen, um den Eröffnungstermin zu schaffen. Zuletzt waren es bis zu 7000 am Tag, und sie standen sich häufig gegenseitig im Weg - Doppelarbeiten waren die Folge. Nun ist es nach diesen Informationen wahrscheinlich, dass die 3-Milliarden-Grenze deutlich durchbrochen wird.

„Niemand weiß heute - 13 Tage nach der Entscheidung über die Verschiebung -, ob der Finanzierungsrahmen ausreicht“, sagte Platzeck im Potsdamer Landtag. Insgesamt stehen für den Bau etwa 3,36 Milliarden Euro zur Verfügung - 2,4 Milliarden Euro an Krediten, 430 Millionen Euro Steuergeld und 530 Millionen Euro Eigenmittel der Flughafengesellschaft. Damit müssen auch Zinsen bezahlt werden. Nachträge der Baufirmen seien möglich, hinzu kämen Kosten der Verschiebung. Die Betreiber gehen von monatlich 15 Millionen Euro aus, allerdings noch ohne die angekündigten Schadenersatzforderungen der Fluggesellschaften. Platzeck sagte, die Flughafengesellschaft müsse dem Aufsichtsrat am 22. Juni seriöse Zahlen nennen.

Die Händler und Gastronomen haben laut Betreiber nur Anspruch auf Ausgleichszahlungen, wenn der Termin sich um eineinhalb Jahre oder mehr verzögert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte aber Härtefallregelungen angekündigt.

Platzeck ließ offen, ob der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg als Eigentümer Geld nachschießen müssen. In diesem Fall will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), dass sich die Gesellschafter die Last teilen. Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent an der Betreibergesellschaft, der Bund 26 Prozent. „Und wenn es Nachschusspflichten gibt, werden diese in diesen Quoten aufgeteilt“, sagte Ramsauer am Montag im Deutschlandfunk.

Zusatzkosten durch sogenannte Zinswetten, wie vom „Spiegel“ berichtet, gebe es nicht, hob Platzeck hervor. Laut Geschäftsbericht für 2011 lagen die Risiken aus diesen Geschäften zum Jahresende bei 214,5 Millionen Euro. Das seien Buchwerte, sagte Platzeck. Die Geschäftsführung habe nicht vor, die sogenannten Swaps zu kündigen. Sie sollen den Flughafen gegen steigende Kreditzinsen absichern.

Kommentare (11)

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Unternehmensberater

21.05.2012, 14:55 Uhr

nur Dilettanten und Vollidioten sind da am Werk

Heinrich

21.05.2012, 15:18 Uhr

Und die Russenmafia 2.0

watsolles

21.05.2012, 15:23 Uhr

Und so sehe ich das auch bei Stuttgart21. Da werden sich die Kosten auch verdoppeln. Ich setze auf 12 Prellböcke! Wer setzt dagegen?

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