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26.12.2012

20:40 Uhr

Berliner Großflughafen

Ramsauer zweifelt an neuem Eröffnungstermin

Am 27. Oktober des nächsten Jahres soll der neue Hauptstadtflughafen eröffnet werden. Soweit der Plan. Doch daran, dass der Termin wirklich eingehalten wird, glaubt Verkehrsminister Ramsauer nicht vorbehaltlos.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. dpa

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

BerlinNach Berlin und Brandenburg zieht auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Eröffnungstermin des Berliner Großflughafens erneut in Zweifel. „Der Miteigentümer Bund sieht Anzeichen dafür, dass der Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 möglicherweise nicht gehalten werden kann“, sagte Ramsauer der „Welt“ (Mittwoch). Ein Risiko bestehe nach wie vor darin, ob der Brandschutz gewährleistet werden könne. „Dafür müssen noch zahlreiche Tests durchgeführt werden“, sagte Ramsauer.

Vor Weihnachten hatten auch die Vertreter der beiden anderen Gesellschafter - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) - nicht garantieren wollen, dass der 27. Oktober 2013 gehalten werden kann. Zuvor war die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens schon dreimal verschoben worden.

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„Es gibt noch viele Probleme zu bewältigen“, sagte Wowereit am 13. Dezember im Abgeordnetenhaus. Eine Garantie für den Eröffnungstermin könne er dem Abgeordnetenhaus deshalb nicht geben. Völlige Sicherheit gebe es erst, wenn die Betriebsgenehmigung erteilt sei, sagte Wowereit, der Vorsitzender des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft ist.

Auch Platzeck bezog sich in der vergangenen Woche auf die Probleme mit dem Brandschutz. Ob der Eröffnungstermin Bestand habe, werde sich voraussichtlich im Februar/März nächsten Jahres zeigen, sagte er. Die Kuh sei erst vom Eis, wenn die bis dahin geplanten Entrauchungstests erfolgreich verliefen.

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Ramsauer sagte zu den Kosten, die bisher von rund 2,0 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen sind: „Es gibt auch Risiken bei den Kosten. Darum muss sich das Management der Flughafen-Gesellschaft kümmern.“ Er forderte, die Steuerzahler bei Großprojekten wie dem Flughafen, Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie nicht an der Nase herumzuführen. „Die Projekte dürfen auf keinen Fall vor Baubeginn unrealistisch runtergerechnet werden. Sonst sind Nachträge vorprogrammiert“, kritisierte Ramsauer.

Kommentare (12)

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Pete1101

26.12.2012, 18:53 Uhr

Wenn das der CDU/CSU passiert wäre hätte es shon lange unbedingte Rücktrittsforderungen gegeben. Offensichtlich ist das hier nicht der Fall. Woran kann es liegen? Die Journalie hätte im CDU/CSU-Fall bestimmt keine Ruhe gegeben. Aber so....

Joulupukki

26.12.2012, 19:25 Uhr

Die Medien wollen es sich mit den Sozis vor der Bundestagswahl nicht verscherzen, sonst werden Interviewwünsche nicht mehr erfüllt. Das ganze läuft in die gleiche Schiene wie Steinbrücks Aufsichtsratstätigkeit bei Thyssen-Krupp (Mrd.-Verluste)aber so tun, als ob er nie dabei war - Pressewirkung = uninteressant. Wowereit und die meisten seiner Regierungsmitglieder sind/waren schlichtweg überfordert. Das wird noch eine teuere Lachummer.

Account gelöscht!

26.12.2012, 20:04 Uhr

Ganz normal bei Großprojekte. Die Qualität der Projektleitung bemisst sich daran, wie bewusst man sich ist, dass man von unten her beschissen wird (information hiding, es wird nur so viel nach oben weitergegeben soweit man für sich selber einschätzt, dass es keine negativen konsequenzen hat) und wie man PROAKTIV von Oben her gegensteuert. Offenbar leiten die Verantwortlichen zum ersten mal ein Großprojekt. Training on the job - Großprojektleiterausbildung auf Kosten des Steuerzahlers. Der hat´s ja.

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