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20.12.2012

15:28 Uhr

Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmensgewinn sorgt für höhere Leistungsbereitschaft. dpa

Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmensgewinn sorgt für höhere Leistungsbereitschaft.

BerlinEs hat sich herumgesprochen: Die besten Ideen kommen oft direkt von der Produktionslinie. Mitarbeiter, die eigenverantwortlich handeln können und Anerkennung ernten, sind engagierter. Und die Bindung zur Firma wächst. „Unternehmen mit loyalen Mitarbeitern sind produktiver“, resümiert die Sheffielder Ökonomieprofessorin Sarah Brown in der Studie „Workplace Performance, Worker Commitment and Loyalty“.

 Zur Steigerung der Motivation ziehen Chefs auch eine finanzielle Beteiligung ihrer Mitarbeiter in Erwägung: Sie erwarten im Gegenzug höhere Leistungsbereitschaft, ergab eine Umfrage der Privaten Hochschule Göttingen. Auch wollen sie so den Ruf der Firma verbessern und ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt mit Rat - am Donnerstag hat es ein Informationsportal zur Mitarbeiterbeteiligung freigeschaltet.

 Ein weiterer Vorteil für Firmen, die auf eine Beteiligung der Mitarbeiter in Form von Belegschaftsaktien, KG-Beteiligungen oder GmbH-Anteilen setzen: Sie stocken das Eigenkapital auf und erzielen damit eine bessere Eigenkapitalquote. Dies wiederum steigert die Kreditwürdigkeit, wodurch sich die Chancen auf ein besseres Kreditrating überproportional erhöhen, sagt Ottmar Schneck, Professor an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen.

 Manche Ratingagenturen für Nachhaltigkeit wie Imug in Hannover erheben ebenfalls, ob und wie stark die Belegschaft am Kapital ihres Unternehmens beteiligt ist. Sind es mehr als drei Prozent, wertet Imug dies als ein Positivkriterium.

 Der sauerländische Hersteller von Energiespeichersystemen Hoppecke aus Brilon macht seit rund drei Jahrzehnten vor, wie es gehen kann: Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter hat sich über den Kauf von Genussrechten am Eigenkapital beteiligt. Sie sind Mitunternehmer, die finanziell am Erfolg partizipieren. „Die jährliche Zeichnungsquote beträgt im Schnitt 30 Prozent“, sagt Werner Beele, der dem Partnerschaftsausschuss vorsitzt. Dieser vertritt die Genussrechteinhaber gegenüber der Geschäftsführung. Mehr als 2,8 Millionen Euro Genussrechtskapital stärke die Position gegenüber den Kunden und Banken.

 Hilfreich sei eine Kapitalbeteiligung zudem, um Fachkräfte zu rekrutieren und zu halten, heißt es beim Deutschen Institut für kleine und mittlere Unternehmen. Es steige neben der Identifikation auch das Verständnis für unternehmerisches Denken und Handeln.

Das kann relevant sein, um eine an ökologischen und sozialen Werten ausgerichtete Firmenstrategie zu realisieren. So erklärt der mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell gegründete Versandhändler Memo seinen Erfolg der letzten Jahre unter anderem damit, dass alle fest angestellten Mitarbeiter, immerhin fast 130, an der AG als stille Gesellschafter beteiligt sind. Nach einem Jahr Zugehörigkeit können sie die Firmenpolitik mitbestimmen. Sie haben Zugang zu Geschäftszahlen, Auftrags- und Rechnungsumsätzen, Einkaufspreisen, Handelsspannen sowie betriebswirtschaftlichen Auswertungen. Das gilt über die Branche hinaus als einzigartig.

„Eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung ist ein Signal für unternehmerische Leistungsfähigkeit“, sagt Heinrich Beyer, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft. Trotzdem ermöglicht das nur ein Prozent der deutschen Mittelständler, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Und lediglich ein Drittel der MDax-Firmen und 43 Prozent der Dax-Konzerne offerieren Mitarbeiteraktien, ermittelte die Beratungsfirma Towers Watson für die Europäische Föderation für Arbeitnehmerkapitalbeteiligung.

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